Alte Sprache pflegen

Großes Interesse am 2. Lichtenfelser Plattschwatznachmittag  

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Erinnerungen und Witze: Die Redner beim zweiten „Lechtenfälser Plattschwatznohmitdaach“ sorgten für vergnügliche Stunden. 

Zusammentreffen zum Frönen der alten Sprachen in heimischen Dörfern erfreuen sich großer Beliebtheit. Das zeigte sich auch beim zweiten „Lechtenfälser Plattschwatznohmitdaach“ in der Goddelsheimer Mehrzweckhalle.

Lichtenfels-Goddelsheim–  Ein fröhliches Begrüßungsständchen brachte der Männergesangverein Goddelsheim mit Liedern in Goddelsheimer Platt, unter anderem von den „dauden Hoosen“ das Lied „Eak woll deak nur mol wedder besööken“ („Nur zu Besuch“).

Fritz Grosche und Wilfried Heidel gehören dem Plattdeutschen Arbeitskreis in der Lichtenfelser Bezirksgruppe des Waldeckischen Geschichtsvereins an. Sie führten durch ein Programm voller plattdeutscher Schwänke und Erinnerungen und mit Informationen über die Dokumentation und Archivierung der Sprache. Dr. Jürgen Römer vom Waldeckischen Geschichtsvereins, g freute sich darüber, dass die Plattschwatz-Gruppe auf einen Bedarf treffe, was an den vollen Rängen sichtbar werde.

Wörter-Datenbank wird gefüttert

„Ik sein ne Röösken“, stellte sich Karl Heinemann aus Rhoden vor. Der Leiter des Diemelstädter Arbeitskreises befasst sich fachkundig mit dem Füttern einer Wörter-Datenbank, die bereits über 5000 Datensätze beinhaltet. Heinemann fürchtet, dass die alte Sprache nicht zu retten sei und will deswegen so viel wie möglich aufnehmen.

Nach Fritz Grosches Heimspiel in Goddelsheimer Platt über das „Tufeln utmaken“ berichteten Willi Schultze und Karl Hartwig in alter Immighäuser Mundart vom „Silbernen Altar“ und Begebenheiten um den weißen See („witte Sai“). Bei Anita und Dana Zimmermann ging es im Fürstenberger Platt um eine Reise in die Karibik.

Sage von den „Dräänenglöggerchen“

Auf Rhadener Platt gab Ulrike Krüger-Woyke Überlieferungen um die Geschichte vom Schloss Lichtenfels wieder und erzählte Anekdoten aus der einstigen Zwergenschule. Die von Helmut Grebe und Helmut Vesper erzählten Witze waren im Mündener Platt vorgetragen. Mit Ursel Speicher und Dorli Rauch folgte der Sprung über die niederdeutsche Sprachgrenze: Das Neukirchener Platt verlieh der Sage von der Todesgöttin Hella und von den „Dräänenglöggerchen“ besondere Faszination. Was es mit der Jagd in Sachsenberg und dem Leopardskopf auf sich hatte, berichteten Ludwig Artzt und Margret Büchsenschütz in alter Sachsenberger Mundart.

Nach der Pause, in der die Landfrauen mit selbstgebacken Kuchen aufwarteten, folgte noch eine bunte Reihe freier Vorträge aus den Reihen der Gäste. Karl Bangert und Marlies Potthof vertraten das Neeraer Platt ebenso, wie Margot Schmidt. Lotte Schmidt und ihre Partnerin gaben Meineringhäuser Mundart zum besten und Elfriede Vesper das „rhensche“ Platt.

Külter Platt war von Ilse Tilenius zu hören und Christa Lamm trug nochmals in Goddelsheimer Sprache vor. Im „Benkisser“ Platt bereitete schließlich das Gedicht von Karl-Heinz Behle aus Benkhausen auf die Winterzeit vor. Der dritte „Lechtenfälser Plattschwatznohmitdaach“ soll 2020 wieder am Samstag vor dem Volkstrauertag, in Sachsenberg stattfindet. (ugy)

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