„Die Zeit werde ich nie vergessen“

Henning Krautmacher von den „Höhnern“ verbrachte die Schulferien in Neukirchen

Henning Krautmacher heute und früher: Das große Foto zeigt den Sänger mit seiner Band „Höhner“ beim Korbacher Hessentag, das kleine Bild als etwa Dreijährigen auf dem Hof seines Patenonkels in Neukirchen. Fotos:  Renner (1)/privat (3)

Lichtenfels-Neukirchen. Henning Krautmacher, Sänger von den „Höhnern“, hat als Kind die Ferien bei seinem Patenonkel Heinrich Schnell in Lichtenfels-Neukirchen verbracht. Im Interview mit der WLZ erinnert er sich.

Prominent hin oder her: Henning Krautmacher ruft selbst an, um einen Termin für das geplante Interview auszumachen. Und stellt dabei auch gleich klar: „Du kannst ruhig „Du“ und Henning sagen, das machen alle.“ Im Gespräch mit der WLZ schwelgt der Sänger der erfolgreichen Band „Höhner“ dann in Erinnerungen an seine Kindheit. Die hat der 61-Jährige teilweise in Lichtenfels-Neukirchen verbracht.

Bei eurem Auftritt auf dem Hessentag in Korbach hast Du am Rande erwähnt, dass Du mit Waldeck-Frankenberg durchaus vertraut bist, genauer gesagt mit der Stadt Lichtenfels. Was verbindet Dich damit?

Henning Krautmacher als etwa Dreijähriger auf dem Hof seines Patenonkels in Neukirchen.

Henning Krautmacher: Wir haben Verwandtschaft in Lichtenfels-Neukirchen. Wann immer es ging, war ich früher auf dem Hof meines Patenonkels Heinrich Schnell. Ich habe dort oft die großen Ferien, die Sommerferien, verbracht. Mein Vater hatte damals einen VW Käfer, damit hat er mich immer dorthin gebracht und ist noch ein paar Tage geblieben. Ich war dann drei, vier oder sogar fünf Wochen auf dem Hof.

Was genau hast Du in den Ferien auf dem Bauernhof gemacht?

Krautmacher:Was man so macht auf einem Bauernhof – ich habe mitgeholfen. Ich habe die Kühe morgens mit aus dem Stall getrieben und abends wieder reingeholt. Gemolken habe ich allerdings nie, denn es gab schon Melkanlagen.

Ich hatte das große Glück auf einem besonderen Bauernhof zu sein: Mein Onkel Heinrich war der Bauer, der auch die Molkerei in Sachsenberg beliefert hat. Er ist morgens mit seinem roten McCormick losgefahren und ich durfte mit, wenn ich da war, und auf dem Radkasten sitzen. Vor jedem Hof im Ort gab es damals einen Holzbock, auf dem die Milchkannen standen.

Und dort bist Du immer vom Trecker gesprungen, hast die Kannen geholt und sie aufgeladen?

Krautmacher: Genau so war das. Ich habe aber nicht die ganz vollen Kannen getragen, dazu war ich noch zu klein. Aber es gab auch Kannen, die haben nur etwa zehn oder zwölf Kilo gewogen. Auf dem Trecker hat es dann ganz schön geschaukelt und geruckelt, die Straßen waren ja noch nicht so gut wie heute. Es durfte aber nichts daneben gehen.

Auf dem Weg zur Wiese: War Henning Krautmacher (rechts) in den Ferien hier, half er seinem Onkel (im Hintergrund), die Kühe morgens auf die Wiese zu bringen. Abends wurden die Tiere dann wieder geholt und in den Stall gebracht.

Wir sind morgens um fünf oder halb sechs los – wenn mir meine Erinnerung keinen Streich spielt. In den frühen Morgenstunden sind wir jedenfalls an der Molkerei angekommen, haben die Kannen auf das Fließband gestellt und während Onkel Heinrich die Abwicklung gemacht hat, durfte ich mich in den kleinen Laden setzen, der zur Molkerei gehörte. Dort gab es für 20 oder 30 Pfennig ein Schälchen mit Sahne und Erdbeeren. Dafür hat es sich gelohnt, mitzufahren!

Das hört sich an, als hättest Du in den Sommerferien immer nur gearbeitet. Habt Ihr auch mal Ausflüge gemacht, zum Beispiel zum Edersee, oder gespielt?

Krautmacher: Natürlich. Ich weiß, dass ganze Ortschaften im Edersee versunken sind. Und die Zeit an dem Bach Nuhne werde ich nie vergessen. Mein Bruder und ich haben, wann immer es möglich war, dort geplanscht. Für mich war es damals ein unendlich weiter Weg vom Ortskern runter bis an die Nuhne. Und wir hatten Respekt vor dem Bach, denn dort lebten auch Tiere wie Wasserratten. Da waren wir schon immer vorsichtig.

Und ich habe natürlich auch Freundschaften aufgebaut in Neukirchen. Familie Mücke hat gleich neben dem Dorfladen gelebt, mit dem Sohn war ich befreundet, wir haben zusammen Fußball gespielt.

Bist Du ab und zu noch zu Besuch in Lichtenfels?

Krautmacher: Das letzte Mal ist ungefähr vier oder fünf Jahre her. Damals habe ich den Hof besucht. Solche Ausflüge macht man gerne, weil es Kindheitserinnerungen weckt. Und ich habe meiner Frau dort alles gezeigt. Das war ein Erlebnis: Auf den Spuren meiner Kindheit.

Ich habe gelesen, dass Du schon im Alter von fünf Jahren gelernt hast, Blockflöte zu spielen. Hast du auch bei Deinen Besuchen hier musikalische Erfahrungen gesammelt?

Krautmacher: Der Sohn von Onkel Heinrich, Onkel Hermann, war Trompeter. Immer, wenn Schützenfest war in Neukirchen, war er als Musiker dabei, auch im Festzug. Da war ich stolz wie Bolle! Das hat mich als kleiner Junge natürlich beeinflusst. Allerdings habe ich nie diese Form von Musik gemacht, in meiner Schülerband war es eher Beat-Musik.

Planschen in der Nuhne: Henning Krautmacher (rechts) mit seinem Bruder Uwe, der vor gut zwei Jahren verstorben ist. Als Kinder haben die beiden in der Nuhne geplanscht und sind geschwommen, wo das Wasser tief genug war. Auf diesem Foto ist der Sänger etwa sieben Jahre alt.

Ich kann mir aber vorstellen, dass mich das Vorbild Onkel Hermann durchaus vorangetrieben hat. Ich war stolz auf meinen Onkel.

Ihr, die Höhner, geht jetzt auf große Reise: Kuba und die USA stehen an. Was macht Ihr dort?

Krautmacher: Es wird zum wiederholten Mal eine groß angelegte Reise geben. Zunächst einmal geht es am 29. September nach Kuba, wo wir drei Konzerte in Havanna spielen, unter anderem am Tag der Deutschen Einheit mit Alexander Abreu. In Kuba ist er so bekannt wie Udo Jürgens oder Herbert Grönemeyer in Deutschland. Wir werden auch vor der deutschen Botschaft spielen und auf dem Dach des Hotels, in dem wir wohnen werden.

Und danach geht es in die Vereinigten Staaten?

Krautmacher: Genau. Es geht nach Phoenix, genauer gesagt nach Wickenburg, das ist eine deutsche Enklave. Dort wird es auch einen Kulturaustausch geben. Es geht um einen bildungspolitischen Austausch und ich werde dort auch über die Bedeutung des Lesens und unsere Musik erzählen.

Mit dabei auf der Reise sind auch 120 Mitglieder der Roten Funken, einer Karnevalsgesellschaft aus Köln. Sie werden über Traditionen aus Köln und natürlich vom Karneval berichten. Amerikanische Schüler werden irgendwann auch im Austausch mal nach Köln kommen.

Auch eine Fahrt auf der bekannten Route 66 ist geplant, habe ich gehört.

Krautmacher: Genau, zum Abschluss geht es über die Route 66 – mit 50 Ford Mustang und 17 Harley Davidsons. Ich werde übrigens eine Harley fahren. Es geht nach Las Vegas in Nevada. Dort werden wir auf der berühmten Fremont Street ein Konzert spielen. Das ist eine große Ehre für uns, denn dort sind schon Weltgrößen wie U2 aufgetreten. Da freuen wir uns besonders drauf. Das Ganze wird übrigens auch im Film dokumentiert. Wir landen dann am 12. Oktober wieder in Frankfurt und spielen abends gleich das nächste Konzert. Das wird ein straffes Programm.

Zur Person: Henning Krautmacher von den "Höhnern"

Henning Krautmacher (61) wurde in Leverkusen geboren. Er lernte den Beruf des Heilpädagogen, arbeitete als Schauwerbegestalter und als Journalist beim Leverkusener Anzeigenblatt. Schon als Fünfjähriger lernte er das Blockflötenspiel, hatte später eine Schülerband. 1986 stieg er als Sänger bei der Band Höhner ein. Bekannt ist die Gruppe für Lieder wie „Viva Colonia“ und „Wenn nicht jetzt, wann dann“. Dutzende Alben und Singles hat die Band in den vergangenen Jahrzehnten herausgebracht, zahlreiche Mal landeten sie damit in den Charts. Henning Krautmacher singt nicht nur, er malt auch und schreibt (Koch-)Bücher. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und lebt in der Nähe von Köln. (ren)

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