"Hessen Brass" gibt fulminantes Konzert  

Atemberaubende Bläsermusik in Sachsenberg  

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Unter, zwischen, neben den Balken: Das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte junge Bläserensemble „Hessen Brass“ sorgte in „Onkel Christians Scheune“ neben der Bäckerei Weber in Sachsenberg für ein ganz besonderes Raum- und Konzerterlebnis.   

Lichtenfels-Sachsenberg – Kann Bläsermusik atemberaubend sein? Ja, das bewies das Ensemble „Hessen Brass“  bei einem fulminanten Konzert in „Onkel Christians Scheune“ in Sachsenberg.

Das zwölfköpfige Ensemble begrüßte Gastgeber Dirk Weber an dem „besonderen Ort für besondere Musik“. Zwei Stunden lang erlebten die Zuhörer hochprofessionelle Instrumentalmusik von jungen Blechbläsern, die derzeit alle noch an Hochschulen in Deutschland und England studieren und dabei ihren blitzenden Blechen mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit schwierigste Werke zwischen Barock, Klassik und Moderne entlocken.

Als die elf Bläser und eine Bläserin in Sachsenberg auf ihrer Hessen-Brass-Tournee ankamen und die ausgekernte, renovierte Scheune mit Tenne, Balken und erhöhtem Getreideboden als Bühne sahen, gab es erst einmal ratlose Gesichter: Wohin mit den Posaunen, wohin mit dem Vibrafon?

Dann verteilte sich aber alles so elegant, dass es beim Konzert einen wunderbaren Raumklang mit dem Effekt von sich begegnenden Doppelchören gab, während Schlagzeuger Florin Hock direkt vor dem Publikum die Metallröhren vibrieren ließ.

Aus Mozarts „kleiner“ machten die jungen Musiker zu Beginn schon mal gleich eine „große Nachtmusik“. Mit viel Humor kündigten die Hornisten Jan Polle und Frank Radke eine „beschwipste Fledermaus“ aus der gleichnamigen Strauß-Operette oder eine „zauberblasende“ Papageno-Melodie an, mozart-zart durch die Mundstücke gehaucht, beim „Alla Turca“ auch in den weitesten Blechblas-Mensuren mit virtuos schmalen Läufen aus Zweiunddreißigstel-Noten. Wie gesagt: beim Zuhören schon atemberaubend.

Großes Repertoire und Zugaben 

Das Repertoire von Hessen-Brass reichte von sinfonischer Blasmusik bis hin zum Big-Band-Swing, von Präludium und Fuge über das Thema B-A-C-H über El Pasodoble, Opernohrwürmer, ABBA-Evergreens, Comedian Harmonists bis zu Leroy Andersons „Typewriter“ mit echter Schreibmaschine und einem Mann an der Klingel. Die Freunde kultivierter Bläsermusik aus der Region hatten größtes Vergnügen, genossen bei aller Perfektion die unterhaltsame Choreografie und freuten sich besonders über das Wiedersehen mit den heimischen Posaunisten Christian Traute aus Allendorf/Eder und Julius Joachim aus Bad Wildungen.

Es gab zum Schluss vom verzauberten Publikum stehenden Beifall, ein Ehren-T-Shirt für den Gastgeber (und selbst Posaunenbläser) Dirk Weber und als zweite Zugabe das sanfte Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“ von Johannes Brahms. Natürlich auch das ein bisschen ver-swingt, versteht sich, damit der Abschied nicht noch schwerer würde. (Karl-Hermann Völker)

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