Tod durch Stacheldraht - Aufruf an Weide-Eigentümer

Hirsch verendet qualvoll im Wald zwischen Lichtenfels und Medebach

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Qualvoll verendet: Der sieben bis acht Jahre alte Hirsch hat vermutlich über Monate den quälenden Stacheldraht mit sich getragen, bis er sich letztlich an einem Baum stumpf strangulierte. 

Lichtenfels/Medebach. – Ein Hirsch ist im Gebiet des Forstgutes Faust qualvoll verendet, weil sich Stacheldraht in seinem Geweih verhedderte und er sich damit an einem Baumstumpf strangulierte.

„Es ist gut möglich, dass der Hirsch sich über Monate hinweg mit diesem Stacheldraht gequält hat, bis er an der Baumwurzel hängen blieb. Der Draht stammt nicht von dort, wo das Tier verendet ist. Der Todeskampf kann drei bis vier Tage gedauert haben“, schätzt Bernd Vogt.

Er ist seit zwölf Jahren Revierjäger beim Forstgut Faust, das seine rund 970 Hektar Privat- und knapp 500 Hektar Pachtflächen zu einem Drittel auf Lichtenfelser und zu zwei Dritteln auf Medebacher Gebiet besitzt. Der sieben bis acht Jahre alte und rund 200 Kilogramm schwere Zukunftshirsch wurde am 21. Januar auf Medebacher Gebiet gefunden, in der Gemarkung „Garten Eden“, sagt Bernd Vogt. Als Zukunftshirsche werden Tiere bezeichnet, die hochveranlagt und zu schonen sind.

„Rothirsche haben in der Brunft Mitte September bis Anfang Oktober die Eigenschaft, ihre sexuelle Erregung durch Aufwühlen des Bodens mit dem Geweih insbesondere in Wiesen kund zu tun“, erklärt der Revierjäger. Geraten sie dann in einen losen Draht, „versuchen sie ihn durch Streifen des Geweihes an Bäumen und Sträuchern wieder los zu werden, was in der Regel aber dazu führt, dass der Draht sich immer mehr um den Hals, also den Träger des Hirsches fest zurrt“, weiß der Fachmann und erklärt weiter: „In unserem Falle muss man davon ausgehen, dass der Hirsch diese entsetzlichen Qualen über drei Monate ertragen hat.“ 

Wegen der Wildunfälle durch losen Zaundraht hat das Forstgut Faust im seinem Wald alle Gatterzäune aus Metall entfernt und durch Hordengatter aus Holz ersetzt, erklärt Revierjäger Bernd Vogt. Damit werde verhindert, dass Wild durch Drahtzäune verende oder an den Läufen verletzt werde. 

Bedingt durch die Änderungen in der Landwirtschaft gebe es viel weniger Weidevieh, stattdessen werde auf Heu- und Silagegewinnung umgestellt. Deshalb spiele der Zustand der Zäune keine Rolle mehr, so dass es viele ehemalige Weiden gebe, wo nur noch Stacheldraht-Reste vom ehemaligen Weidebetrieb zeugten. Der sei nicht nur gefährlich für Hirsche, die sich mit ihren Geweihen darin verheddern und strangulieren können. Stacheldraht, vor allem wenn er verrostet ist, sei auch eine der Hauptquellen für den Wundstarrkrampf, eine in der Regel für das Tier tödliche Krankheit – und sofern er nicht sofort behandelt werde, auch für den Menschen.

Die Forstverwaltung Faust habe in ihrem Forst inzwischen alle Gatterzäune aus Metall entfernt und durch Hordengatter aus Holz ersetzt. Sie will damit verhindern, dass Wild durch Drahtzäune verendet oder an den Läufen verletzt wird.

Appell an alle Landeigentümer

Berufsjäger Bernd Vogt vom Forstgut Faust appelliert mit Nachdruck an alle Landeigentümer, Landwirte, Pächter, Förster und Forstwirte, keine losen Drähte im Wald zu belassen und Zäune wieder abzubauen, sobald sie nicht mehr gebraucht würden. Weidezäune sollten korrekt installiert werden, Draht und Pfähle nicht achtlos auf dem Boden liegen bleiben. Das Wild könne die dort lauernden tödlichen Gefahren für sich nicht erkennen.

Das unterstreicht auch Uwe Steuber, Bürgermeister in Lichtenfels. Auf dem Gebiet der Stadt liegt der Sitz des Forstgutes Faust. Eigentümer hätten grundsätzlich die Verpflichtung, auch im Rahmen des Natur- und Tierschutzes mögliche Gefahrenquellen zu beseitigen, „und ich appelliere daher an die Eigentümer, dem möglichst auch nachzukommen“.

Mehrere Opfer durch lose Zäune

Es ist nicht das erste Mal, das ein Hirsch qualvoll verendete, weil er sich durch losen Stacheldraht strangulierte. Im Oktober 2013 wurde in der Gemarkung Medebach III ein kapitaler Hirsch gefunden, der in der Forstverwaltung Faust auf den Namen „Hausmeister“ getauft worden war – der stärkste Hirsch der Region. Das Tier hatte sich im Stacheldraht einer aufgelassenen Weide verfangen und bei seinem Versuch, sich zu befreien, auch mehrere Pfähle aus der Erde gerissen. Der vergebliche Befreiungskampf muss über Stunden, wenn nicht Tage gegangen sein und führte schließlich wahrscheinlich zu einem Herzversagen durch Erschöpfung. Eine Woche später erlitten zwei weitere Hirsche in der Gemeindejagd Rhadern das gleiche Schicksal: Sie hatten sich in einem Elektrozaun an einem Maisfeld tödlich verkämpft. (md)

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