Waldbewirtschaftung wird im Stadtwald geändert - Ausschüsse haben zugestimmt

Verbiss: Stadt Lichtenfels muss handeln

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Höhere Abschusszahlen: Mit dem Ziel, die Forsteinrichtung genehmigt zu bekommen, führt die Stadt Lichtenfels Eigenjagdbezirke ein. Verbessert sich die Situation, können sie temporären Charakter haben.   

Lichtenfels. Ein Schaden von rund 1,2 Millionen Euro durch Wildverbiss geht allein im Winter 2017/18 zu Lasten der Lichtenfelser Bürger, besagt ein Gutachten: Solche Verluste will die Stadt Lichtenfels nicht mehr tolerieren. Sie hat zum Ziel, die jagdliche Bewirtschaftung ihres Waldes zu ändern.

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und des Ausschusses für Agrar, Bauen, Energie und Umwelt haben sich am Dienstagabend mit deutlicher Mehrheit für die Änderungen ausgesprochen. Die Stadtverordneten beraten am 23. Oktober darüber.

Die Stadt steht mit dem Rücken zur Wand. Unternimmt sie nicht mehr als bisher gegen den hohen Wildverbiss, droht ihr nicht nur der Verlust des Vermarktungs-Zertifikats. Das Regierungspräsidium (RP) Kassel hat außerdem klar gemacht, das Forsteinrichtungswerk (Betriebsplan) nicht zu genehmigen, wenn die Auflagen, die es der Stadt gestellt hat, nicht erfüllt werden (wir berichteten). Die Beeinträchtigungen der Waldbewirtschaftung durch Wild bezeichnete das RP als „katastrophal“.

Revierscharfes Gutachten

Die Stadt als Waldbesitzerin ist verpflichtet, bis zum 31. Mai 2020 einen Zwischenbericht zur Situation im Waldbestand bei der Oberen Waldbehörde abzugeben und aufzulisten, was sie zur Senkung der Wildbestände unternommen hat. Die bisherigen Bemühungen des Magistrats, Jagdgenossenschaften und Jagdpächter von höheren Abschussquoten zu überzeugen, hätten nur in einigen Revieren geklappt, in anderen Revieren sei der Verbiss stetig gestiegen, hatte Bürgermeister Uwe Steuber schon im Frühjahr erklärt. Nun ist der Zustand erstmals jedoch auch mit Zahlen belegt. „Durch ein umfangreiches Verbissgutachten wurden revierscharf die entstanden Verbissschäden aufgenommen und klar beziffert“, schreibt Steuber in der Vorlage zur Stadtverordnetensitzung.

Dabei kann die Stadt derzeit nur dort einwirken, wo die Pachtverträge auslaufen und neu verhandelt werden können: In Revieren in Sachsenberg, Goddelsheim und Münden, wo ab 2020 neue Verträge gelten. In Goddelsheim und Münden will die Stadt Teile ihres Waldes zu Eigenjagdbezirken ausweisen, um Bejagung und Verbissbelastung direkt zu steuern. Für Teile des Waldes in Sachsenberg wurde ein anderes Modell gefunden, lobte Stadtrat Karl-Hendrick Oppermann konstruktive Mitarbeit. Er führte die Sitzung in diesem Punkt.  In Sachsenberg habe die Jagdgenossenschaft den Vorschlag gemacht, einen gemeinschaftlichen Jagdbezirk zu belassen, in einem besonders von Verbiss betroffenen Teil die Ausübung des Jagdrechts aber der Stadt zu überlassen; sie kann dort etwa Begehungsscheine vergeben.

Keine Pauschalen mehr

Die Abschaffung der Pauschalen für Wildschäden an Forstkulturen ist eine weitere Maßnahme: Die Stadt will bei der Unteren Jagdbehörde regelmäßig größere Verbiss- und Schälschäden melden. Zahlungspflichtig sind dann, je nach Pachtvertrag, Jagdpächter oder Jagdgenossenschaft. Auch eine Nachweispflicht für Abschüsse soll eingeführt und 2019 deutlich höhere Abschusszahlen mit der Hegegemeinschaft festgelegt werden. Im Wegebau will die Stadt die Regelungen belassen. Die Stadt hat zum Ziel, dass die im Jagdrevier vorkommenden Hauptbaumarten ohne Schutz verjüngt werden können, wie im Bundesjagdgesetz festgesetzt. Eine Verbissquote von maximal 15 Prozent soll erreicht werden. Derzeit sind es teilweise 37 Prozent.

„Der Wald gehört allen Bürgern in Lichtenfels. Wir können nicht dort 1,2 Millionen Euro Schaden allein in einem Winter hinnehmen, um an anderer Stelle die Steuern erhöhen zu müssen. Nur ein kleiner Teil der Bürger sind Jagdgenossen“, sagte Eckhard Schnatz, Mitglied der Forst-Kommission, zum Abschluss der Sitzung. (md)

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