Mehr Zusammenarbeit und Verbesserungsvorschläge  

Hegegemeinschaft Lichtenfels reagiert auf Kritik der Stadt:  „Mehr Äsungsflächen anlegen“

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Ein junge Rehbock sucht im Wald nach Nahrung.  

Lichtenfels. Im Lichtenfelser Stadtwald gibt es teilweise hohe Verbissschäden, die Stadt sieht die Jagdrechtsinhaber in der Pflicht und fordert höhere Abschusszahlen. Jagdpächter und Jäger in den Revieren des Stadtwaldes Lichtenfels sehen sich jedoch zu Unrecht an den Pranger gestellt.

  „Unsere Bereitschaft mitzuarbeiten ist klar da“, betont Dieter Brand, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Lichtenfels, ein Zusammenschluss von Jagdrechtsinhabern und Flächeninhabern. „Am Zustand des Lichtenfelser Waldes ist nicht nur das Wild schuld, oder die Jäger – es wurden auch forstliche und handwerkliche Fehler gemacht“, betont der Goddelsheimer: „Ich wünsche mir da eine bessere Zusammenarbeit“.

„Es gibt Reviere, in denen es mehr Verbiss gibt, und da muss auch etwas getan werden. Doch der Zustand insgesamt ist nicht katastrophal“, betont Stefan Umbach, Rehwildsachverständiger, Berufsjäger und Forstwirt. Er verweist auf das Verbissgutachten von 2015, in dem der Verbiss in einem Revier als gering bezeichnet wurde, in sieben Revieren als mäßig, und lediglich in jeweils zwei weiteren Revieren als mittel und stark.

„Umgehend reagiert“

Auf die Ergebnisse des Gutachtens sei umgehend reagiert worden, betont Dieter Brand: In den folgenden zwei Jagdjahren seien über 20 Prozent mehr geschossen worden, insgesamt 971 Tiere. In den beiden Jahren zuvor waren es 807 Tiere. „Wir tun also etwas dafür, denn wir wollen die Stadt ja nicht schädigen“, betont Brand, und verweist auf die Leistungen, die von den Jägerinnen und Jägern im Lichtenfelser Stadtwald erbracht wurden.

Pro Tier müsse durchschnittlich ein zeitlicher Aufwand von fünf Stunden investiert werden, mache bei 1788 Tieren 8890 Stunden. Bei einem Mindeststundenlohn von 8,50 Euro kommen 75 565 Euro zusammen. „Hinzu kommen Jagdpachtbeträge für den Stadtwald in Höhe von 160 000 Euro in den vier Jahren“, rechnet Dieter Brand vor. Die Arbeit sei ehrenamtlich für den Schutz des Stadtwaldes erbracht worden.

„Nur miteinander kann man die Aufgabe schaffen“, plädiert auch Peter Reuter, Forstwirt und seit 38 Jahren Jagdscheininhaber, für einen regelmäßigen Austausch von Jägern, Förstern, Pächtern und Waldbesitzern. So sollten bei Wieder- oder Neuanpflanzungen auch der Jagdpächter eingebunden werden, um zu beraten, wie die Fläche geschützt werden könne. Wichtig sei, die Durchforstung der Bestände rechtzeitig durchzuführen, um Sturmschäden zu vermeiden oder gering zu halten.

Wichtig sei auch das Anlegen von Bejagungsschneisen und revierverbessernde Maßnahmen. Die hatte auch der Vöhler Forstamtsleiter Dr. Gero Hütte-von Essen schon 2014 vorgeschlagen: Die natürliche Lebensweise der Tiere sei zu unterstützen, indem geeignete Wiesen in Talauen entwickelt würden, hatte er betont.

Strauß an Möglichkeiten

Die Vertreter der Hegegemeinschaft (kleines Bild, von links) Peter Reuter, Herbert Knipp, Dieter Brand und Stefan Umbach haben eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen.

Denn Rehe folgen einem Äsungsrhythmus: Alle vier Stunden gehen sie auf Nahrungssuche. Werden sie auf offener Fläche durch Menschen oder Maschinen gestört, oder finden sie auf den wirtschaftlich stark genutzten Wiesen nicht oder nur ungenügend Nahrung, müssten sie sich in den Wald zurückziehen, um dann dort Knospen und Blüten zu sich zu nehmen, erklärt Peter Reuter.

An geeigneten Stellen mehr Äsungsflächen anzulegen „hat sich vielerorts als sehr gutes Mittel gegen Verbiss erwiesen. Sie senken den Verbissdruck deutlich“, betont der Berufsjäger und Forstwirt Stefan Umbach. „Da sind auch Grundstückseigentümer gefragt, entsprechende Flächen zur Verfügung zu stellen,“ erklärt Herbert Knipp von der Hegegemeinschaft.

Mit diesem Strauß an Möglichkeiten könne für den Lichtenfelser Stadtwald viel gewonnen werden.

Gutachten und Abschussquote

er Lichtenfelser Stadtwald ist geplagt von Sturmschäden, außerdem kritisiert das Regierungspräsidium (RP) Kassel hohe Verbissschäden. So schreibt das RP in einem Schreiben an die Stadt Lichtenfels von „katastrophalen Beeinträchtigungen der Waldbewirtschaftung, die durch den Wildbestand verursacht werden“ und fordert die Stadt auf, durch „geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft dauerhaft gewährleistet werden könne – etwa durch einen höheren Abschuss von Schalenwild“. So drängen Stadt und Forst schon seit längerem auf höhere Abschussquoten, denn Neuanpflanzungen und Verbissschutz kosten Geld (wir berichteten). Die Abschussquote richtet sich nach Verbissgutachten, die alle drei Jahre erstellt werden; die Gutachten dienen als Parameter. Nach 2015 wird 2018 ein neues Verbissgutachten erstellt, danach werden die Abschusszahlen neu festgelegt, erklären Stefan Umbach und Herbert Knipp von der Lichtenfelser Hegegemeinschaft. Die Vertreter der Lichtenfelser Hegegemeinschaft nennen mehrere Gründe, warum Neuanpflanzung im Lichtenfelser Stadtwald nicht immer erfolgreich verlaufen sein könnten. „Eventuell wurde schlechtes Pflanzmaterial für die Wiederaufforstung verwendet. Und es kommt auch darauf an, wie gepflanzt wird“, nehmen die Forstwirte und Jäger mögliche handwerkliche Fehler in den Blick. Außerdem seien Gatter nicht repariert worden, „doch selbst in gegatterten Flächen kommen die Pflanzen nicht zufriedenstellend hoch“, verweist Dieter Brand auf zum Teil schlechte Bodenverhältnisse und Frühjahrstrockenheit.  

 

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