Therapeutisches Reiten auf dem "Hof mit Herz" in Lichtenfels-Goddelsheim

Kamelbaby Karl neu im Helferzoo

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Tonga passt sehr gut auf ihren Sohn auf.   

Der ‚Hof mit Herz’, wie Nadja Scriba ihr Zuhause in Lichtenfels-Goddelsheim liebevoll nennt, ist seit zwei Wochen auch das Zuhause von Kamelbaby Karl. Wie seine Mama hat er die Ruhe weg – das hilft bei der Therapie von Menschen mit Einschränkungen.

Auf das freudige Ereignis hat Familie Scriba 13 Monate warten müssen. So waren alle sehr erleichtert, als ein strammer Junge mit rund 45 Kilogramm ins Stroh fiel. Der kleine Hengst mit den großen dunklen Augen, den spitzen, weichen Lippen, den wolligen Kamelhaarhauben und kleinen runden Ohren ist ein Prachtkerl. Noch etwas wackelig auf den Beinen, strahlt er aber schon jetzt die Ruhe und Gelassenheit aus, die so typisch sind für Kamele. „Man kann stundenlang hier sitzen und ihnen zuschauen“, freut sich Naja Scriba und erzählt: „Es dauert dann nicht lange, und man wird selbst ganz ruhig und entspannt.“

Richtigen Umgang mit den Tieren gelernt

Karls Mutter, die 15-jährige Tonga ist allerdings jetzt besonders wachsam. Sie passt genau auf, wer sich ihrem Fohlen nähert.

Minuten nach der Geburt versteht Karl die Welt noch nicht.   

 „Sie ist eine sehr ruhige, entspannte Stute, die wir vor der Geburt schon mit großem Erfolg im therapeutischen Reiten eingesetzt haben“, berichtet die frischgebackene Kamelzüchterin und warnt: „Aber jetzt könnte sie auch unfreundlich werden, wenn sie eine Gefahr für ihren Sohn wittert. Sie hat deshalb ein Jahr Babypause bis er abgesetzt wird. Das ist schade, denn mit unserer zweiten Stute, Laila, ist sie ein tolles Therapieteam.“

Entspannung liegt im Wesen von Karl.   

Seit 2014 leben die intelligenten, lernfähigen Tiere in Goddelsheim, und Nadja Scriba hat den kamelgerechtem Umgang längst gelernt, ja, sogar eine Prüfung dazu abgelegt. „Wie bei allen Tieren überträgt sich ein ruhiges, selbstbewusstes Auftreten auch bei Kamelen vom Mensch aufs Tier. Bei der Erziehung ist es sehr wichtig, den Mittelweg zwischen vertrauensvollem Umgang und konsequenter Durchsetzung zu finden“.

Sechs Pferde, drei Ponys, zwei Hunde, eine Katze, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Enten, Gänse, Schildkröten und mit Karl jetzt drei Kamele leben auf dem Hof mit Herz. Und sie alle haben einen Job. Nadja Scriba bietet nämlich therapeutisches Reiten und tiergestützte Therapie in vielen Bereichen und für zahlreiche Probleme an.

Tonga passt sehr gut auf ihren Sohn auf.   

Die onkologische Fachkrankenschwester und Palliativschwester hat viel Erfahrung im Umgang mit Behinderten, psychisch Kranken bis hin zu Schwerstkranken und sterbenden Menschen aller Altersgruppen. Mit ihrem kleinen Zoo spezialisierte sie sich schon vor einigen Jahren auf die tiergestützte Therapie und das Reiten für Menschen mit Einschränkungen.

Für den Einsatz der Kamele hat sie außerdem eine spezielle Weiterbildung absolviert. „Ich setze die Kamele mit Erfolg im therapeutischen Reiten ein. Durch ihren Passgang sind sie sehr effektiv für Menschen mit Funktionseinschränkungen wie beispielsweise einer Halbseitenlähmung oder beim Schlaganfall.

Balsam für die Seele

Auch durch ihr ruhiges Wesen und ihre Größe eignen sie sich hervorragend für den Einsatz bei autistischen Menschen und sogar in der Onkologie. Es sind eben fremde Wesen mit großer Wirkung. Mit meinen Tieren kann man Ankommen, loslassen und sich wohlfühlen.“

Der kleine Karl ist in den vergangenen Tagen auch gut in Goddelsheim angekommen und fühlt sich dort sichtlich wohl. Nur mit dem Loslassen hat er es nicht eilig. Auch wenn in zwei Monaten schon Pflanzen auf dem Speiseplan stehen, so bleibt die Milch der Mutter ein Jahr lang eine wichtige Nahrungsquelle, und solange wird Tonga nicht im Therapieteam arbeiten können. Besuchen und streicheln aber kann man sie natürlich, denn – und dass weiß Nadja Scriba genau – Tiere sind Balsam für die Seele./Barbara Liese

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