„The Twiolins“ schlagen Brücke von Vivaldi zu Piazzolla

Korrespondenzen zweier Meister auf Burg Lichtenfels

Musikalischer Brückenschlag: Die Geschwister Marie Luise und Christoph Dingler präsentierten bei ihrem Violinkonzert auf Burg Lichtenfels Korrespondenzen, die sie zwischen den Werken von Vivaldi (Barock) und Piazolla (Tango) entdeckt hatten.
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Musikalischer Brückenschlag: Die Geschwister Marie Luise und Christoph Dingler präsentierten bei ihrem Violinkonzert auf Burg Lichtenfels Korrespondenzen, die sie zwischen den Werken von Vivaldi (Barock) und Piazzolla (Tango) entdeckt hatten.

„Musik, die alle Sinne anspricht“, unter diesen Vorzeichen präsentierte Gastgeber Tan Siekmann das Duo „The Twiolins“ beim Konzert auf Burg Lichtenfels. Die Musiker präsentierten das Doppelprogramm „Acht Jahreszeiten“ mit Arrangements von Christoph Dingler.

Lichtenfels-Dalwigksthal – Beim Bearbeiten von Antonio Vivaldi für kleinere Besetzungen stellten sich spontane Assoziationen zu einem Gegenstück von Astor Piazzolla ein. Bei genauerem Hinsehen stieß der Bratschist denn auch auf verborgene Korrespondenzen zwischen den Werken des venezianischen Barockmeisters und der Kompositionsweise des Begründers des Tango Nuevo, der sein Handwerk am Pariser Konservatorium verfeinert hatte und dabei auch die Stile früherer Epochen studiert und für sich fruchtbar gemacht hatte.

Auch wenn die beiden überaus populären Klassiker über eine unverwechselbare Handschrift und deshalb über hohen Wiedererkennungswert verfügen, so versprach die Differenz von rund 250 Jahren doch eher ein Kontrastprogramm als eine Fülle von bislang überhörten Korrespondenzen.

Gerade in der Eröffnung mit Vivaldis Frühling im Wechsel mit den Sätzen aus der Engel-Triologie spielten unüberhörbare Unterschiede zwischen barocker Gemächlichkeit und den nervösen Energieausbrüchen der modernen Großstadt eine ebenso große Rolle wie bislang nie gehörte Verbindungen über die Jahrhunderte. Diese Einsicht in die verborgenen Korrespondenzen stellte sich eher in der Mitte eines Satzes als beim erstmaligen Erklingen der Sequenz ein.

Trotz allen Unterschieden im Temperament der beiden Meister erwies sich die Kompositionsmethode in Sequenzen und deren Variation in Tonart- und Stimmungswechsel als gemeinsames Stilmittel. Sowohl in der Haupt- wie in der Begleitstimme beherrschen beide Komponisten die Kunst des Übergangs.

Im Duett mit seiner älteren Schwester Marie Luise, die als Primaria überwiegend den melodischen Part gestaltete, leistete Christoph Dingler bis in die feinste Nuance den überzeugenden Nachweis für seine musikalischen Einsichten. Eine zusätzliche dynamische Steigerungskurve zum rasanten Finale Furioso brachte die Zuhörer ins Staunen über die technischen Fähigkeiten des Duos, das bei den populären Presto am Ende von Sommer und Winter zuletzt sämtliche Geschwindigkeitsrekorde brach.

Mit einem vergleichsweise gemächlichen Tempo im eröffnenden Allegro von Frühling und Herbst ließen sich die in Mannheim ausgebildeten Virtuosen auch hinreichend Spielraum in Sachen accelerando über jeweils 45 Minuten.

Für die zweite Hälfte bekam der jüngere Komponist den Vortritt – erst Tango dann Barock, mit denkbar niedriger Einstiegsschwelle für die regelmäßigen Konzertbesucher in Waldeck-Frankenberg: Schließlich erklingt „Adios Nonino“ alle Jahre wieder mindestens ein mal pro Saison in den Konzertprogrammen im Kreis. Die Korrespondenzversion von Christoph Dingler bieten einen erfrischend anderen Zugang mit hohem musikalischen Eigenwert. (Von Armin Hennig)

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