Den Tag zu einem Sonntag machen

Lektor Jürgen Römer veröffentlicht am Sonntag eine Video-Andacht aus der Mündener Kirche 

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Aufnahme: Dr. Jürgen Römer zeichnet die Andacht aus der Mündener Kirche im Vorfeld auf. Freigeschaltet wird sie am Sonntag um 9 Uhr auf YouTube.

Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen können, bringt der Lichtenfelser Lektor Dr. Jürgen Römer die Kirche  zu den Menschen. 

Lichtenfels –„Wenn wir uns als Christen nicht mehr in der Kirche treffen, dort Gottes Wort hören und zusammen beten können, dann muss der Gottesdienst halt zu uns kommen“, sagt Dr. Jürgen Römer. Vor rund vier Jahren wurde er zum Lektor ausgebildet und ist damit befähigt, Pfarrerinnen und Pfarrer in der Kanzel zu vertreten. Am Sonntag um 9 Uhr schaltet er daher über YouTube aus der Kirche zu Münden einen Gottesdienst frei, den er aufgezeichnet hat.

Das ist die zweite Andacht, die er in dieser Form veröffentlicht. „Als engagierter Christ habe ich mich geärgert, dass die Kirchen schon eher geschlossen waren als die Möbelhäuser“, sagt er. „Niemals hat die Kirche ihren Gläubigen die Tür vor der Nase zugehauen – aber damals gab es auch kein Internet“, sagt der Historiker. 

"Besser, zu handeln"

Auf die Frage „Was kann ich selbst tun?“ fiel ihm ein: „Als Lektor kann ich Andachten auch selbst halten. Es sei besser zu handeln, „anstatt wie das Kaninchen vor der Schlange zu sitzen“, sagte er sich – und legte los. Da er vergangenen Sonntag den Gottesdienst in Dalwigksthal regulär hätte halten sollen, nahm er nach Abstimmung mit dem Kirchenvorstand im Vorfeld eine 20-minütige Andacht in der Dalwigksthaler Kirche auf und schaltete sie am Sonntag um 9 Uhr frei. Aufmerksam auf das Angebot machte er über Facebook und E-Mails.

„Mehr als 270 Mal wurde die Andacht bis Mitte der Woche bei YouTube angeklickt – so viele Menschen hätte ich mit einem normalen Gottesdienst nie erreicht. So lassen sich also auch viele erreichen, die lange nicht in einem Gottesdienst waren – das ist eine Chance,“ sagt Jürgen Römer. Er habe durchweg positive Reaktionen erhalten bis hin zu dem Satz: „Das hat den Tag erst zu einem Sonntag gemacht.“ So könne er sich vorstellen, in Zukunft auch vom normalen Gottesdienst in der Kirche eine Online-Fassung zu machen und zu veröffentlichen.

20-minütige Andacht per Video

Anfang der Woche fragte auch der Mündener Kirchenvorstand an, und so nahm er dieses Mal die Andacht für den morgigen Sonntag in der Kirche zu Münden auf. Insgesamt könne er sich das auch noch für Sachsenberg und Neukirchen vorstellen, er gehe das allerdings nur mit Zustimmung der Kirchenvorstände an.

Alles in allem benötige er für die Vor- und Nachbereitungen inklusive Aufnahme, Schnitt, Klangbearbeitung, Speichern und Laden sechs bis acht Stunden für eine 20-minütige Andacht. Er nehme alles mit einer eher amateurhaften Ausrüstung auf, „es kommt mir nicht auf die technische Perfektion an, sondern darum, ein Angebot zu machen“, betont der Lektor. Irgendwie in der Kirche zu sein, sei wohl doch gerade in dieser Zeit für viele Leute wichtig. 

"Es gibt einen Bedarf"

„Es tut mir allerdings leid für die älteren, treuen Gottesdienstbesucherinnen – sie erreicht man mit YouTube leider nicht“, sagt er bedauernd. „Jedenfalls gibt es einen Bedarf. Und wenn ich meinen kleinen Beitrag dazu leisten kann, den zu decken, dann mache ich das gern.“

Freigeschaltet wird die Andacht aus der Mündener Kirche am Sonntag um 9 Uhr auf dem YouTube-Kanal von Jürgen Römer. (md)

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