Stadtwald Lichtenfels – Kommune erhält PEFC-Urkunde

Lichtenfels: Gütesiegel verschafft Möglichkeiten

PEFC-Siegel für die Stadt Lichtenfels: (von links) Stadtförster Martin Wrosch, Forstwirte Jonas Grosche, Ralf Emde und Klaus Wilke sowie Bürgermeister Henning Scheele.
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PEFC-Siegel für die Stadt Lichtenfels: (von links) Stadtförster Martin Wrosch, Forstwirte Jonas Grosche, Ralf Emde und Klaus Wilke sowie Bürgermeister Henning Scheele.

Wer Wald besitzt, steht derzeit vor großen Herausforderungen. Die Stadt Lichtenfels hat eine Hürde genommen: Sie kann weiterhin mit dem PEFC-Siegel werben, die Urkunde wurde ihr neu überreicht.

Damit hat sie die Möglichkeit, ihr Holz zu vermarkten – und Förderungen zu erhalten. Das stand vor zwei Jahren auf der Kippe, unter anderem aufgrund extrem hohen Verbisses an Jungkulturen. Deshalb war ein Nach-Audit anberaumt worden, das im Mai stattfand (wir berichteten).

Lichtenfels - Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht, unter anderem Eigenjagdbezirke geschaffen und Pachtverträge geändert, das Nachaudit verlief erfolgreich. „Die Urkunde ist gültig bis Anfang Dezember 2025 – das Siegel sichert uns Marktzugänge und die Möglichkeit, zum Beispiel die Nachhaltigkeitsprämie des Bundes zu beantragen“, erklärt Bürgermeister Henning Scheele.

„Wir rechnen mit einem knappen sechsstelligen Betrag“, sagt der Rathauschef – und dankt Stadtförster Martin Wrosch und den Lichtenfelser Forstwirten Klaus Wilke, Ralf Emde und Jonas Grosche „für ihre nicht ganz einfache Arbeit“. Die drei Fachleute haben gerade ein halben Hektar großes Areal im Sachsenberger Homberg mit rund 5000 Roteichen-Stecklingen bestückt. „Roteichen wachsen schneller als andere Eichen, deshalb haben wir sie im Reinbestand gepflanzt. Weil sie eine Delikatesse fürs Wild sind, schützen wir sie mit einem Gatter – sonst hätten sie keine Chance“, sagt Forstoberinspektor Martin Wrosch.

Drumherum wachsen vor allem Lärche, Kiefer und Douglasie, auf gutem, feuchten Standort haben sich aber auch einige Fichten selbst angesiedelt, „sodass ein gesunder Laub-Nadel-Mischwald entsteht“, sagt Wrosch. Insgesamt haben die Forstwirte im Herbst 20 000 Roteichen gesetzt, weitere 30 000 sollen im kommenden Frühjahr folgen. Das hört sich viel an für Laien, doch: „Wir haben 250 Hektar Freifläche, die 50 000 Roteichen reichen gerade mal für fünf Hektar“, sagt Wrosch und macht deutlich, vor welchen Herausforderungen die Stadt steht, will sie die Freiflächen – entstanden durch Windwurf, Trockenheit und Borkenkäfer – in ihrem rund 2140 Hektar großen Stadtwald wieder gesund und nachhaltig aufforsten.

„Douglasie und Lärche sind die Klimabaumarten, wir setzen daher aktiv darauf, sie zu pflanzen“, erklärt der Lichtenfelser Stadtförster. Auch die Roteiche zähle zu den vielversprechenden Klimabaumarten. Weil nicht heimisch, werde sie allerdings nicht gefördert. „Das wird sich aber hoffentlich bald ändern“, sagt Martin Wrosch. »

Waldschäden in Lichtenfels: „Spitze erreicht“

Bei den Kalamitäten erreichen wir in diesem Jahr den Höhepunkt. Wir hatten teilweise drei Harvester gleichzeitig im Einsatz, die Schadholz aus dem Wald geholt haben. Aktuell haben wir das Zweieinhalbfache des üblichen Jahreseinschlags – normal schlagen wir 9800 Festmeter, jetzt sind es 25 000“, erklärt der Lichtenfelser Stadtförster Martin Wrosch: „In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben wir durch Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer das Fünffache des Jahreseinschlags. Das Holz wird uns in den nächsten Jahren fehlen.“ Viele Bestände seien für Jahrzehnte nicht nutzbar.

„Ohne finanzielle Unterstützung wird es schwierig, den Wald nachhaltig zu bewirtschaften, also auch nur eine schwarze Null zu garantieren.“ „Wir hoffen, 2021 und 2022 durch Fördermittel wirtschaftlich halbwegs über die Runden zu kommen, doch mittelfristig reicht das nicht aus, da muss die Ökosystemleistung finanziell vergütet werden“, sagt der Lichtenfelser Rathauschef Henning Scheele. (md)

Von Marianne Dämmer

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