Mündener nimmt im Alter von 85 Jahren Abschied von dem Ehrenamt

Lichtenfels: Helmut Grebe 46 Jahre Ortsgerichtsschöffe

Helga und Helmut Grebe. Nimmt Abschied als wahrscheinlich dienstältester Ortsgerichtsschöffe: Helmut Grebe. Seine Frau Helga hat ihn immer unterstützt.
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Nimmt Abschied als wahrscheinlich dienstältester Ortsgerichtsschöffe: Helmut Grebe. Seine Frau Helga hat ihn immer unterstützt.

Nach 46 Jahren im Amt nimmt der Mündener Helmut Grebe Abschied vom Ehrenamt des Ortsgerichtsschöffen.

Lichtenfels-Münden – „Das Land Hessen ehrt nur für 25 und 40 Jahre. Es geht nicht davon aus, dass jemand 46 Jahre das Amt des Ortsgerichtsschöffen wahrnimmt“, sagte Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling, Direktor des Korbacher Amtsgerichtes, bei der Verabschiedung von Helmut Grebe.

Und so bekam der Mündener, nachdem er zum 25- und 40-jährigen ausgezeichnet worden war, zum Abschied nach 46 Jahren ehrenamtlicher Arbeit im Ortsgericht Lichtenfels II das, was auch seine Kollegen als Dank vom Gericht erhielten: eine Flasche Wein und eine Urkunde. Auch eine Feierstunde, die den Namen verdient, wurde wegen Corona verschoben.

Dafür aber gab es viel Lob und Wertschätzung für seine Leistung: Von seinen 85 Lebensjahren hat er sich 46 Jahre im Ortsgericht als Schöffe eingebracht. Bürgermeister Henning Scheele sprach von einer „historischen Leistung. Für das Engagement kann ich mich vor ihnen nur verneigen“.

Schreinermeister Helmut Grebe war von Anfang an dabei – gleich, als nach der Gebietsreform (1974) das erste Ortsgericht ins Leben gerufen wurde. Die Stadtverordnetenversammlung wählte ihn im März 1975, Ende April wurde er vereidigt. „So ist dann ein Jahr nach dem anderen dahingegangen“, sagt der 85-jährige.

Nur einmal musste er eine Sterbefallanzeige bearbeiten, als der Vorsitzende und sein Stellvertreter nicht da waren. Er kam vor allem dann zum Einsatz, wenn Gebäude oder Grundstücke geschätzt werden mussten. „Das Schätzen dauerte damals gut einen halben Tag“, erklärt der Mündener: „Wir mussten Gebäude und Räume ausmessen, und später saßen wir noch Stunden bei Götzen Otto, der den Vorsitz inne hatte, und haben gerechnet. Heute geht das mit Computer und Programmen viel schneller.“ Dabei sei die Vergütung gering gewesen, „aber ich habe das auch nicht für das Geld gemacht“, sagt Helmut Grebe. Die Aufgaben seien sinnvoll, das Miteinander immer gut gewesen.

Sie konnten aber auch schon mal zwischen die Fronten geraten: In einem Erbfall waren einmal beide Parteien bei einer Schätzung anwesend. Sie fingen an, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, die Diskussion wurde immer lauter und heftiger. „Wir haben unsere Aufmaße so schnell wie möglich erledigt und uns dann lieber zurückgezogen“, sagt Grebe und lacht. Auch über eine Jagdhütte geriet das Ortsgericht mal – unverschuldet – in die Schusslinie – „aber das ist alles Vergangenheit“.

Helmut Grebe ist das letzte lebende Gründungsmitglied des Schützen- und des Verkehrsvereins, ist seit 70 Jahren im Gesangverein, engagierte sich mit seiner Frau Helga, die ihn voll im Geschäft unterstützte und zwei Kinder großzog, in der Tschernobylhilfe.

Beide haben von früh bis spät gearbeitet – und sich gerade deswegen auch Zeit genommen, zu reisen. Nach so vielen Jahren sei es gut, den Hut zu nehmen und den Jüngeren das Feld zu überlassen, sagt Helmut Grebe. Vor Langeweile hat er keine Bange. Er interessiert sich für Elektrik und Computer, hat sogar eine Orgel gebaut. Außerdem wollen noch viele Filme und 30 000 Fotos bearbeitet werden. Von Marianne Dämmer

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