Aufruf: Weiter Platt sprechen

Lichtenfelser Kindergärten erhalten Sonderpreis der WLZ-Aktion „Waldecks Wort“

Sonderpreis der WLZ-Aktion „Waldecks Wort“ : Redaktionsleiter Thomas Kobbe überreichte Vertretern der fünf Lichtenfelser Kindergärten die Schecks. Auch Platt-Sprachpaten und Bürgermeister Uwe Steuber waren gekommen. Vorn: Fürstenberger Kinder.

Fürstenberg. Auch die evangelischen Kindergärten in Lichtenfels haben sich an der WLZ-Aktion „Waldecks Wort“ beteiligt. Die Jungen und Mädchen haben mit Sprachpaten Platt geübt, Plakate mit Begriffen gemalt und Lieder auf Platt einstudiert. Dieses Engagement ist der Jury einen Sonderpreis wert.

WLZ-Redaktionsleiter Thomas Kobbe überreichte am Donnerstag in Fürstenberg Schecks über jeweils 50 Euro an die Erzieherinnen-Teams. Auch Sprachpaten kamen zur Preisübergabe ans Pfarrhaus. „Es war eine spontane Aktion“, sagte Bürgermeister Uwe Steuber – binnen weniger Tage hatten die Teams eine Präsentation vorbereitet, bei der Kinder aus allen fünf Einrichtungen im Pfarrhaus ihre Plakate vorstellen und sangen. „Schön, dass es so eine Anerkennung gefunden hat und honoriert wird,“ sagte Steuber. 

Er erhoffe sich von der Aktion eine „nachhaltige Wirkung“, daher fragte er bei den Erzieherinnen gleich nach, ob in den Kindergärten weiter Platt gesprochen werde. Die Sprachpaten sind jedenfalls dabei, in Fürstenberg engagiert sich weiter Wilfried Heidel. Auch Thomas Kobbe hofft, dass die Kinder angeregt werden, weiter „Platt zu schwatzen“. Die Sprachpaten könnten Geschichten vorlesen oder mit den Kindern einfach nur Platt sprechen. 

Darüber hinaus bemüht sich Steuber weiter, das Platt unter Erwachsenen zu pflegen, um es zu erhalten. Er verwies etwa auf die geplanten Platt-Stammtische der Ehrenamtslotsin Silke Friedewald-Isken. Im Vorstand der Lichtenfelser Bezirksgruppe im Waldeckischen Geschichtsverein wird derzeit außerdem über die Gründung eines plattdeutschen Arbeitskreises diskutiert – es wäre nach Diemelstadt, Diemelsee und Bad Arolsen der vierte. 

Wilfried Heidel hat bereits begonnen, ein Wörterbuch des „Förstenberjer Platts“ zu schreiben, „41 Seiten habe ich schon.“ Für Immighausen hat Prof. Helmut Emde ein Wörterbuch mit Sprachproben auf zwei CDs zusammengestellt.

„Das Platt ist Identität“

„Das Platt ist Identität“, sagte Heidel. Es gebe „Schlüsselbegriffe“, die sofort verrieten, „woher jemand kommt.“ Platt sei zudem „ein Stück Regionalkultur – schön, dass es wieder so in den Mittelpunkt gerückt ist,“ erklärte er. „Ich finde es gut, dass es auf breiter Ebene vorangetrieben wird, wir haben nicht mehr so viele, die es sprechen.“ Früher sei im Alltag und bei jeder Ratssitzung Platt gesprochen worden, „wir sind damit groß geworden.“ Heute gebe es in Fürstenberg noch 50 bis 60 Sprecher, die meisten seien in seinem Alter. Es gelte deshalb, junge Leute zu finden, die es weitertragen. 

Wobei Heidel bei Plattsprechern bereits ein Sprachwandel ausmacht – Hochdeutsch und sogar englische Wörter hielten Einzug, aus dem „Kespernbaum“ sei längst der Kirschbaum geworden. Dennoch sei wichtig, es weiter zu sprechen – sonst ergehe es dem Platt wie dem Latein, das in Texten noch vorhanden sei, aber nicht mehr im Alltag vorkomme. 

Ein plattdeutschen Arbeitskreis könne „ein guter Einstieg“ sein, um wieder mehr „Platt zu schwatzen“

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