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MdB Esther Dilcher im Gespräch mit Waldeck-Frankenberger Waldbesitzern

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Waldbesitzer im Gespräch mit MdB Esther Dilcher (rechts): Von links: Charlotte Regenbogen-Backhaus, Martin Vollbracht, Heide-Rose Barbe, Martin Wrosch, Hilmar Potente, Tobias Canisius, Henning Scheele, Hendrik Block und Carl-Anton Prinz zu Waldeck und Pyrmont. Das
Waldbesitzer im Gespräch mit MdB Esther Dilcher (rechts): Von links: Charlotte Regenbogen-Backhaus, Martin Vollbracht, Heide-Rose Barbe, Martin Wrosch, Hilmar Potente, Tobias Canisius, Henning Scheele, Hendrik Block und Carl-Anton Prinz zu Waldeck und Pyrmont. Das © Marianne Dämmer

Den Dialog zu Waldbesitzern gesucht hat Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher (SPD) bei ihrem Wahlkreisbesuch in Lichtenfels.

Lichtenfels – Mehrere Stunden widmete sie sich den Anliegen der Waldeck-Frankenberger Waldbauern und besuchte auch den Lichtenfelser Bürgerwald, dessen Anfänge sie im April ebenfalls verfolgt hatte. Die Gelegenheit zum Gespräch nutzte unter anderem der Kreisvorstand des Waldbesitzerverbandes Waldeck-Frankenberg (siehe weiteren Artikel).

Der Lichtenfelser Bürgermeister Henning Scheele, gleichzeitig Vorsitzender des Kreiswaldbesitzerverbandes, dankte Esther Dilcher, dass sie sich im Bundestag für den Wald stark mache und für das Thema Wald immer ein offenes Ohr habe. „Sie haben sich stark für uns eingesetzt, das freut uns“, betonte auch Carl-Anton Prinz zu Waldeck und Pyrmont, Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes: „Wir stehen vor großen Herausforderungen.“

An mehreren Stellschrauben drehen

An mehreren Stellschrauben müsse gedreht werden, um die Waldbesitzer – ob privat oder kommunal – in die Lage zu versetzen, Wiederaufforstung und klimabedingten Waldumbau zu stemmen. Um die Kahlflächen aufzuforsten, seien in den kommenden Jahren hohe Millionenbeträge erforderlich. „Abgesehen davon, dass die Forstwissenschaft besser unterstützt werden muss, brauchen wir eine Anschubfinanzierung über GAK-Mittel, um die Wiederaufforstung zu schaffen“, so Prinz Waldeck.

GAK steht für die „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ und gilt in Deutschland als Hauptinstrument der nationalen Agrarstrukturförderung. GAK werde von den Ländern zu 30 bis 40 Prozent kofinanziert, das sei in Hessen allerdings „schlecht gelaufen“, sagte Esther Dilcher.

„Mir vor Ort ein Bild machen“

Hintergrund des Besuchs von Esther Dilcher sind die Haushaltsberatungen und die aktuelle Beratung auf Bundesebene über die Honorierung der Wald-Ökosystemleistungen. Die Bundestagsabgeordnete ist im Haushaltsausschuss des Bundestages und damit auch beim Thema Förderung beteiligt. „Ich nutze die Gelegenheit, mir vor Ort ein Bild zu machen und Fragen an die Praktiker zu stellen“, sagte die Bundespolitikerin.

An dem Gespräch nahm der Kreisvorstand des Waldbesitzerverbandes Waldeck-Frankenberg teil, mit Charlotte Regenbogen-Backhaus, Hendrik Block als Forstbetriebsleiter der Domanialverwaltung, Tobias Canisius und Martin Vollbracht sowie dem Vorsitzenden, dem Lichtenfelser Bürgermeister Henning Scheele. Außerdem schloss sich Carl-Anton Prinz zu Waldeck und Pyrmont an, neuer Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes, in dessen Vorstandsriege Henning Scheele vor kurzem neu gewählt wurde.

Der Lichtenfelser Stadtförster Martin Wrosch sowie der SPD-Stadtrat Hilmar Potente und die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Heide-Rose Barbe nahmen ebenfalls teil. (md)

Leider gebe es bei der Genehmigung von Förderanträgen einen riesigen Rückstau und lange Bearbeitungszeiten, monierte Prinz Waldeck. Außerdem seien Förderungen nicht an die Praxis der Forstwirtschaft angepasst – gefördert sollten die Baumarten, die die Forstwissenschaft jeweils regional empfehle, anstatt bundesweit pauschale Vorgaben zu machen, unterstrichen der Lichtenfelser Stadtförster Martin Wrosch und Henning Scheele.

„Fristen entsprechen nicht der Realität“

Förderanträge zu stellen sei problematisch – die Fristen würden nicht der Realität des Forstbaus entsprechen. Bis Mittel freigegeben würden, verstreiche oft viel zu viel Zeit, sagte Wrosch, die Fördertöpfe zudem schnell leer. Auch sei es schwierig, Pflanzgut zu erhalten und Pflanzer zu finden, erklärten Tobias Canisius und Martin Wrosch, der anhand des rund 2,5 Hektar großen Bürgerwaldes Lichtenfels erklärte, wo noch der Schuh drückt: Nach der Pflanzung im Frühjahr sei inzwischen viel Begleitvegetation aufgelaufen, „die Kulturpflege kostet 600 bis 700 Euro pro Hektar, die Kosten sind aber nicht förderfähig. Die Kosten steigen, der Ertrag sinkt. Nun ist auch noch der Markt in die USA eingebrochen“, sagte Wrosch.

Im Febraur 2022 seien im Lichtenfelser Beritt rund 4000 Festmeter durch Windwurf gefallen, das sei über ein Drittel der Jahreseinschlagsmenge. Der Lichtenfelser Forst habe seine Flächen schnell und gut gesäubert, um die Borkenkäfer in Schach zu halten. „Doch wir können noch so sauber arbeiten – wenn die Nachbarn nicht aufräumen, nutzt das leider nichts“. (Von Marianne Dämmer)

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