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Münden: Geht die Brandserie weiter?

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Von: Marianne Dämmer, Philipp Daum

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Feuer im Viehunterstand: Der Brand war Ende August 2021 der bis dato sechste in Münden. Es folgte einen Monat später ein Scheunenbrand. Ob noch ein Feuer in Medebach am 11. Januar 2022 und der Brand am Feuerwehrhaus am Wochenende zur Brandserie gehören, wird noch ermittelt. Unklar ist zudem, wer die Brände gelegt hat. Archivfotos: HPO-Media, PR
Feuer im Viehunterstand: Der Brand war Ende August 2021 der bis dato sechste in Münden. Es folgte einen Monat später ein Scheunenbrand. Ob noch ein Feuer in Medebach am 11. Januar 2022 und der Brand am Feuerwehrhaus am Wochenende zur Brandserie gehören, wird noch ermittelt. Unklar ist zudem, wer die Brände gelegt hat. © Archivfoto: HPO-Media, PR

Ist die Brandserie in Münden nach einem halben Jahr wieder in den Lichtenfelser Stadtteil zurückgekehrt? Das fragen sich die Bürgerinnen und Bürger in dem Dorf seit dem vergangenen Wochenende. Wie unsere Zeitung auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft in Kassel erfuhr, steht ein 28-Jähriger aus Waldeck-Frankenberg weiterhin im Zentrum der Ermittlungen.

Lichtenfels-Münden – Bisher habe man aber noch keinen Haftbefehl gegen den Mann ausgesprochen. Wie berichtet, hatte ein Brand in der Nacht von Samstag, 30. April, auf Sonntag, 1. Mai, das Feuerwehrhaus in Münden stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Feuer war in der angrenzenden Grillstation ausgebrochen und hatte sich blitzschnell über das Dach des Feuerwehrhauses ausgebreitet. Trotz des schnellen Eingreifens der Feuerwehr entstand erheblicher Schaden an dem Gebäude, das derzeit nicht nutzbar ist.

Die Grillstation, die komplett ausbrannte, war zum Zeitpunkt des Feuers unbenutzt und menschenleer gewesen – weshalb unter Lichtenfelser Brandschützern und Bewohnern des Dorfes der Verdacht geäußert wurde, dass es sich um Brandstiftung handeln könnte. Doch auch die Ereignisse in den vergangenen Monaten hatten diese Vermutung verstärkt.

Rückblick: In Münden hatte es Ende August 2021 innerhalb von zehn Tagen sechs Brände gegeben. Unter anderem war ein Viehunterstand, in dem auch Strohballen gelagert waren, abgebrannt. Einen Monat später ging in dem Lichtenfelser Stadtteil eine Scheune in Flammen auf.

Polizei bittet mehrfach darum, verdächtige Beobachtungen zu melden

Der Brand am Feuerwehrhaus am Wochenende ist damit der achte seit dem Spätsommer des zurückliegenden Jahres in Münden. Menschen und Tiere kamen bei den Feuern nicht zu schaden.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen längst von der Serie eines Brandstifters aus und baten in der Vergangenheit die Bevölkerung mehrfach darum, aufmerksam zu sein und Verdächtiges zu melden.

Zeugen gesucht

Um die Brandserie aufzuklären, bittet die Polizei um Mithilfe aus der Bevölkerung. Sie ist daher auf der Suche nach Zeugen, die etwas Verdächtiges bemerkt oder möglicherweise auch eine oder mehrere Personen zum Zeitpunkt der Brände an den Tatorten gesehen haben. Zeugen können sich unter der Telefonnummer: 05631/971-0 bei der Polizei in Korbach melden. Polizeisprecher Manuel Luxenburger betont, dass die Personalien der Zeugen „nicht nach außen dringen“ und dass die Vernehmungen bei der Polizei vertraulich behandelt würden. (dau)

Auch ein Brand im benachbarten Medebach am 11. Januar dieses Jahres wird im Zuge der Ermittlungen genauer untersucht – bislang gibt es aber keine konkreten Ergebnisse.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Manuel Luxenburger von der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg mit, dass die Brandursache zum jüngsten Feuer am Feuerwehrhaus in Münden noch ermittelt werde. Dass es sich um Brandstiftung handele, könne nicht ausgeschlossen werden.

Was den Scheunenbrand in Münden vor einem halben Jahr angeht, sagte Dr. Andreas Poppe von der Staatsanwaltschaft in Kassel, dass diesbezüglich ein Ermittlungsverfahren gegen einen 28-jährigen Mann aus Waldeck-Frankenberg wegen des Verdachts der Brandstiftung geführt werde.

„Nur ein auf Indizien beruhender anfänglicher Tatverdacht“.

„Gegen den Beschuldigten besteht nach wie vor nur ein auf Indizien beruhender anfänglicher Tatverdacht. Die bisher durchgeführten Ermittlungen haben keine weiteren Gesichtspunkte hervorgebracht, die für eine Täterschaft des Beschuldigten sprechen“, sagte der Staatsanwalt. Insbesondere existierten keine Zeugen, die die Tat beobachtet hätten oder Spuren am Tatort, die auf eine Brandlegung durch den Beschuldigten hindeuteten.

Ein Antrag auf Erlass eines Haftbefehls, der eine hohe Verurteilungswahrscheinlichkeit voraussetzen würde, sei dementsprechend nicht gestellt worden.

Wegen der weiteren Brände in Münden führe die Staatsanwaltschaft Kassel ein Verfahren gegen Unbekannt, da sich diesbezüglich bislang keine Anhaltspunkte für die Täterschaft einer bestimmten Person ergeben hätten.

Zusammenhang zwischen den Taten wird untersucht

Heißt im Klartext: Der 28-jährige Waldeck-Frankenberger wird mit den anderen Bränden in Münden aktuell nicht direkt in Verbindung gebracht. Allerdings teilte Dr. Poppe unserer Zeitung auch mit, dass trotzdem weiterhin ein Zusammenhang zwischen den Taten – auch zu dem Brand vom 11. Januar 2022 in Medebach – untersucht werde. Der 28-jährige Beschuldigte werde anwaltlich vertreten und habe sich zu diesen Tatvorwürfen bislang nicht geäußert. Die Ermittlungen dauerten an. (Von Philipp Daum)

„Das ist eine schlimme Situation für die Mündener“

Die Stadt Lichtenfels reagiert auf die Brandserie in Münden mit einer Reihe von Aktionen, betonen Bürgermeister Henning Scheele und Stadtbrandinspektor Klaus Debus. „Wir sehen eine „unklare, hohe Gefährdungslage und reagieren nach unseren Möglichkeiten entsprechend auf mehreren Ebenen“, erklärt Scheele.

Bürgermeister Henning Scheele., Lichtenfels, Hessen
Bürgermeister Henning Scheele © Marianne Dämmer

So sei eine erhöhte Alarmbereitschaft angeordnet worden: Von den südlichen Stadtfeuerwehren in Dalwigksthal, Sachsenberg, Neukirchen und Münden müsse nachts immer eine gewisse Anzahl von Brandschützern direkt einsatzbereit sein, sagt Stadtbrandinspektor Klaus Debus. Außerdem sollen die vier Feuerwehren samt der Medebacher Wehr ab sofort immer gleichzeitig in einer großen Stärke ausrücken – bislang wurde nach Sichtung der Lage nachalarmiert.

Alarmierungssicherheit gegeben

Auch wenn durch den jüngsten Brand am Feuerwehrhaus eine Sirene ausgefallen sei – „die Alarmierung der Feuerwehren ist 100-prozentig gesichert“, versichert Klaus Debus: Inzwischen seien alle Feuerwehrkameradinnen und -kameraden in Münden mit einem Pager (Funkmelder) ausgerüstet.

Stadtbrandinspektor Klaus Debus, Lichtenfels/Hessen
Stadtbrandinspektor Klaus Debus © Archivfoto: Osterhold

Außerdem gebe es eine weitere Sirene im Ort, die funktionstüchtig sei. Drittens würden die Brandschützerinnen und Brandschützer von der Leitstelle über einen so genannten „DE-Alarm“ auf ihr Handy in Kenntnis gesetzt. „DE-Alarm“ ist eine Alarmierungs-App für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, kurz BOS. Sie informiert Rettungs- und Feuerwehrkräfte über aktuelle Einsätze durch die zugehörigen Einsatzleitstellen und dient als professionelle Ergänzung zu Pagern. Die Stadt Lichtenfels gehöre aktuell zu den wenigen Kommunen im Landkreis, die über diese App zusätzlich alarmiert werde, erklärt Klaus Debus.

Nach dem Ausfall der Sirene auf dem Feuerwehrhaus soll nun im Eilverfahren außerdem eine Mastsirene aufgebaut werden, unterstreicht der Rathauschef. Weiterhin bleibe nachts in den Straßen von Münden das Licht an. Das sei bereits nach dem zweiten Brand umgesetzt worden.

Aufruf, weiterhin wachsam zu sein

„Als Ordnungsamtsbehörde greifen wir nach unseren Möglichkeiten ergänzend und flankierend zum Schutz der Bevölkerung in Münden ein“, betont Henning Scheele – was das im Detail bedeutet, will der Rathauschef aus strategischen Gründen nicht erläutern. Henning Scheele und Klaus Debus rufen die Mündener auf, „weiterhin wachsam zu sein und sich zu melden, wenn sie etwas Verdächtiges sehen“.

Die Grillhütte in Münden ist Opfer der Flammen geworden, das angrenzende Feuerwehrhaus hat schwere Schäden davon getragen.
Die Grillhütte in Münden ist Opfer der Flammen geworden, das angrenzende Feuerwehrhaus hat schwere Schäden davon getragen. © HPO-Media, PR

Explizit dankt der Rathauschef „den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren aus Lichtenfels und Medebach für ihren Einsatz am Samstag – und den Mündener Feuerwehrleuten für ihr schnelles Eingreifen vor Ort. Sie hatten das relativ neue Feuerwehrfahrzeug aus der Gefahrenzone gebracht und auch viele andere Materialien vor dem Feuer gerettet“, sagt Bürgermeister Henning Scheele mit Blick auf den Brand, der in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Grillhütte und das Feuerwehrhaus ruinierte.

Für die Mündener sei die Situation sehr belastend – körperlich und emotional ganz besonders herausfordernd für die Feuerwehrleute und die Wehrführung. „Das ist eine schlimme Situation für die Mündener, das tut mir in der Seele weh. Ich hoffe, dass der Schrecken bald aufhört“. (Von Marianne Dämmer)

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