Gotteshaus noch geschlossen - Statik im Chorraum muss stabilisiert werden

Querträgerbalken in Goddelsheimer St. Martinskirche fast weggefault

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Einsturzgefährdet war der Chorbogen in der Goddelsheimer St. Martinskirche. Aus dem geplanten Anstrich wurde eine Komplettsanierung des Chorbogens und Chorraumes.

Die St. Martinskirche in Goddelsheim ist noch für Besucher gesperrt, der Chorbogen ist einsturzgefährdet und muss grundhaft saniert werden. 

Lichtenfels-Goddelsheim –Eigentlich sollte die Evangelische St. Martinskirche in Goddelsheim nur einen neuen Farbanstrich erhalten und nur drei Monate geschlossen sein. Jetzt ist das Gotteshaus immer noch nicht zugänglich, und die Verschönerung ist in den Hintergrund gerückt, weil viel schwerwiegendere Mängel beseitigt werden müssen.

Gerhard Kuhnhenne, Kirchenältester

Insgesamt rund 180 000 Euro sollte die Farb-Renovierung kosten – Reinigung der Wände und Decken sowie Festigung der teilweise losen Putzschichten inklusive. Dafür hatte die Gemeinde über Jahre hinweg mit Aktionen und Konzerten Geld gesammelt, insgesamt nahezu 40 000 Euro an Eigenmitteln angespart. Mit einem Konzert des MGV Goddelsheim und des Männerquartetts Odessa Ende Juni verabschiedete die Gemeinde das Gotteshaus in die Renovierungspause, einen Tag später wurde schon mit den Vorabreiten begonnen.

Ehrenamtlich säuberten Gemeindeglieder die Wände in mühevoller Kleinarbeit von Spinneweben und Staub. Nachdem eine Fachfirma das Gerüst aufgebaut hatte, wurden Risse im Chorbogen entdeckt. „Feine Risse waren schon seit vielen Jahren – etwa 20 Jahre nach der letzten Renovierung im Jahr 1978 – in der Putzschicht des Chorbogens zu sehen. Sie wurden auf die verschiedenen Baumaterialien Holz, Stein und Putz zurückgeführt“, erklärt Kirchenältester Gerhard Kuhnhenne.

Kirche gesperrt

Balken im Chorbogen waren morsch. Die Statik muss verbessert werden.   

Die Experten schauten genauer hin, entdeckten einen Spalt und Fäulnis am Balken. „Je mehr Putz sie abschlugen, desto mehr Schäden traten zutage“, sagt Gerhard Kuhnhenne: „Der innere der tragenden Querträgerbalken war fast weggefault. Die ganze Konstruktion war morsch – dabei sollte der Chorbogen ein massives Sandsteinmauerwerk tragen. Das hätte alles einstürzen können.“ Die Kirche wurde daher sofort für die Öffentlichkeit gesperrt. 

Bei den Untersuchungen des Chorbogens und Chorraumes in der St. Martinskirche in Goddelsheim stellten die Experten auch einen Befall des Eichenporlings fest, eine Art Schwamm. Der wird bei den Sanierungsarbeiten ebenso entfernt wie alle geschädigten Hölzer, erklärt Kirchenältester Gerhard Kuhnhenne. Das Mauerwerk müsse aufwendig gestützt werden, ehe neue Hölzer eingebaut werden können. Nach dem Gutachten des zuständigen Ingenieurbüros Albrecht werden die tragenden Balken durch Stahlträger ersetzt, um die Statik zu verbessern.

Kosten in Höhe von rund 300.000 Euro

Für die Grundinstandsetzung der Chordecke samt Bogen hat das Kasseler Ingenieurbüro Gesamtkosten in Höhe von 299 000 Euro berechnet – für Gerüstarbeiten, Putz- und Malerarbeiten, Zimmerer- und Maurerarbeiten, Schwammsanierung, Elektroinstallation plus Bauschlussreinigung sowie Baunebenkosten

Durch die Abdeckung hindurch lässt sich die Chorbogenkonstruktion erkennen. Foto: Marianne Dämmer

Bis zu den Corona-Schutzmaßnahmen fanden die sonntäglichen Gottesdienste in den Kirchen in Rhadern und Fürstenberg statt, die zum Kirchspiel Goddelsheim gehören, sowie einmal im Monat auch im neuen Gemeindezentrum direkt neben der Kirche. Dort fanden auch die Beerdigungen statt. Wie lange es dauert, bis die Goddelsheimer wieder einen Gottesdienst in ihrer eigenen St. Martinskirche feiern können, stehe derzeit noch nicht fest. „Jetzt laufen die Ausschreibungen. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr wieder in die Kirche können“, sagt Kirchenältester Gerhard Kuhnhenne. (md)

Spendenkonto: KKA Korbach, Verwendungszweck: Sanierung Kirche Goddelsheim, EKK Kassel, IBAN: DE31 5206 0410 0001 1001 06.

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