17-jährige Marie-Claire Rosenstengel hat als Pferdefreundin ein außergewöhnliches Hobby

Auf dem Weg zum "Repaint"-Profi: Fürstenbergerin malt Modellpferde um

Repaint, Cust, Fürstenberg
+
Marie-Claire Rosenstengel zeigt ihr Lieblingspferd, das sie „repaintet“ hat.

Fürstenberg. Dutzende Pferdeköpfe ragen über den Rand des Regalbodens im Zimmer von Marie-Claire Rosenstengel. Ein Pferd steht neben dem anderen, alle individuell ausgesucht und viele davon farblich neu gestaltet. „Repaintet“, umgemalt, heißt das im Fachjargon der Modellpferdefreunde. Die 17-jährige Marie-Claire ist darin inzwischen so gut, dass sie Pferde sogar im Auftrag neu bemalt.

Insgesamt mehr als 250 Modellpferde besitzt die junge Fürstenbergerin, die meisten von ihnen sind auf dem Regal aufgestellt. Ganz oben stehen die Off-Modelle, sortiert nach Jahr und Modell: „Sie bleiben, wie sie sind“, sagt ihre Besitzerin. Dann fällt ihr Blick auf die Reihe darunter. „Die sind alle schon repaintet“, erklärt Marie-Claire, die in Korbach an den Beruflichen Schulen ihr Fachabitur im Fach Sozialwesen macht. Jedes Pferd trägt eine Startnummer, auch Rasse und Name sind genannt. „Das ist wichtig, sonst werden sie nicht bewertet“.

Marie-Claire ist pferdebegeistert durch und durch. Klar, dass sie reitet. Außerdem schreibt sie im Internet Pferderomane, für die sie bereits ausgezeichnet wurde (wir berichteten). Viel Freizeit investiert sie längst auch in das Repainten der Modellpferde von Schleich und Breyer, in Größen im Maßstab von etwa 1:32 bis 1:9.

Schneiden und modellieren

Mit dem Repainten im Auftrag kann sie ihr Hobby inzwischen refinanzieren. Pferdefreunde schicken der Fürstenbergerin ein Foto von ihrem Lieblingspferd, mit Hilfe dessen Marie-Claire ein Modell aussucht, das dem Original von der Statur her ähnlich sieht. Anschließend sorgt sie für die richtige Farben und Nuancen. Manchmal muss sie auch etwas rabiater werden, die Mähne oder den Schweif abschneiden und passend neu modellieren, um der Vorlage gerecht zu werden.

Repaint: Mit Farbpuder wird Schicht für Schicht aufgetragen, bis das Original erreicht ist: Fell, Mähne, Blässe, Nüstern, Ohren – überall müssen Farben und Schattierungen detailgetreu getroffen sein

Das nennt sich dann „cust“. „Hin und wieder modelliere ich sogar die Beine um, damit sie anatomisch korrekt aussehen“, sagt die junge Reiterin. Das Ziel: Das Tier soll wie das echte aussehen. Für Freunde hat sie auch schon Wildschweinchen, Wölfe und Katzen neu bemalt.  Würden sie auf Messen ausgestellt und platziert, steige ihr Wert. Sie selbst hat schon Platzierungen bei Messen erzielt.

Qualität verdoppelt Wert

Etwas ganz besonders sind dabei Sondermodelle: „Sie verdoppeln jedes Jahr ihren Wert. Sobald sie aber eine Macke haben, sind sie wertlos“, erklärt sie.

Eins ist klar: Das Hobby rund um „Repaint“ und „Cust“, ums Ummalen und Modellieren, ist nichts für ungeduldige Gemüter. Allein für die Grundierung, die mindestens in sechs Schichten aufgetragen werden muss, braucht Maire-Claire Rosenstengel drei Stunden. „Die Schichten müssen sehr dünn und fein aufgetragen werden, damit man die Fellstruktur noch gut erkennen kann“, erklärt die 17-Jährige. 

Dabei gehe ein Rappe schneller als ein Brauner, „denn schwarz deckt schneller ab“. Ein Fuchs sei die größte Herausforderung, „er ist die hohe Kunst im Repaint“, sagt Marie-Claire. Bei einer der Modellpferde-Basare und -Feste, die sie regelmäßig besucht, ist sie dem Geheimnis aber näher gekommen: „Um die Fuchs-Farbe zu treffen, muss Orange als Grundfarbe eingesetzt werden, hat mir eine alte Dame verraten“. 

48 Stunden Arbeit

Muskelpartien und Falten werden herausgearbeitet. Matter Klarlack macht das Farbpuder haltbar.

Schicht für Schicht bringt die Fürstenbergerin mit Pinseln aus Kunsthaar feinen Farbstaub auf, arbeitet die Muskeln heraus und versucht, auch feinste Farbschattierungen zu treffen. Hat das Original viele Stichelhaare – feine weiße Haare im Farbkleid – muss sie mit Spezialwerkzeug jedes Haar einzeln aufbringen. 

 „Dann brauche ich für ein Pferd schon mal 48 Stunden, bis es fertig ist“, sagt sie. Grundsätzlich werde immer in der hellsten Farbe grundiert und dann nach und nach dunkler schattiert, bis der Original-Farbton getroffen sei. Mit mattem Klarlack wird alles konserviert. Und was, wenn ihr das Ergebnis mal nicht gefällt? „Dann wische ich mit Nagellackentferner alles wieder weg – und beginne neu,“ sagt Marie-Claire und lacht.

Traumberuf: Tierarzthelferin oder Pferdewirtin

Im Sommer 2019 hat Marie-Claire Rosenstengel ihr Fach-abi in der Tasche, derzeit ist sie auf der Suche nach einer Lehrstelle. Auch die soll sich rund um Tiere drehen: Sie möchte Tierarzthelferin oder Pferdewirtin werden. (md)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare