„Jeden Tag mindestens einmal feste lachen“

Ruth Rabe aus Rhadern feiert am 28. März ihren 100. Geburtstag

+
Fröhlich dem Leben zugewandt: 100 Jahre wird Ruth Rabe aus Rhadern heute.  

Ruth Rabe aus Rhadern feiert am Samstag, 28. März,  ihren 100. Geburtstag. 

Lichtenfels-Rhadern –Im gesegneten Alter von 95 Jahren nahm Ruth Rabe ein Patenkind in Bolivien an, sie unterstützt die SOS-Kinderdörfer und Ärzte ohne Grenzen – und reist für ihr Leben gern. Heute feiert sie ihren 100. Geburtstag.

Aufgrund der Corona-Krise begeht sie ihren Ehrentag nur mit ihren beiden Töchtern, die gebührenden Abstand halten (wie auch die Redakteurin beim Besuch). Im Herbst möchte sie nachfeiern – dann auch mit ihren fünf Enkeln und 15 Urenkeln.

Am 28. März 1920 erblickte Ruth Rabe, geborene Henning, in Wuppertal das Licht der Welt. Sie wuchs zusammen mit einer Schwester auf; ihre Mutter war Hausfrau, ihr Vater Schwebebahnschaffner. „Als ich in die Schule ging, haben wir jeden Morgen noch gemeinsam gebetet“, erinnert sich die Wahl-Rhadenerin. Nach der Volksschule und einem Haushaltungslehrjahr arbeitete sie in Haushalten und erlebte den Krieg in ihrer Heimatstadt mit Angriffen und Hunger.

Von Wuppertal nach Nieder-Schleidern 

Ihren Vater hatte es nach Kriegsende nach Alleringhausen verschlagen – und die Familie zog nach. Ruth Rabe kam in Nieder-Schleidern bei einer Bauernfamilie unter. „Im Sommer saßen wir manchmal abends vor dem Haus auf einer Bank, spielten Gitarre und sangen Volkslieder. Das ganze Dorf kam zusammen“, erinnert sie sich.

Dort lernte sie auch ihren späteren Mann kennen, Franz Rabe, der schwer verwundet aus dem Krieg zurückgekommen war. Sie gaben sich im Oktober 1949 das Ja-Wort. Um ihn heiraten zu können, konvertierte die Protestantin zum katholischem Glauben. 1951 und 1956 kamen die gemeinsamen Töchter zur Welt.

Landwirtschaft, Laden, Pflegekinder

Die junge Familie führte einen Kolonialwarenladen und eine kleine Landwirtschaft. „Wir hatten drei Schweine, Hühner und eine Kuh. Meine Kinder sollten nie hungern“, sagt die Jubilarin. Ihr Mann arbeitete zudem bei Conti und sie umsorgte 20 Jahre lang insgesamt 15 Pflegekinder. Manche blieben ein paar Wochen, andere mehrere Jahre. Anfang der 1970er Jahre gaben sie den Laden auf, 1974 die Landwirtschaft.

1986 starb ihr Mann, ein Jahr später bezog Ruth Rabe eine eigene Wohnung im Haus ihrer Tochter in Rhadern. Im Alter von 66 Jahren begann sie, allein die Welt zu bereisen.

Mit 66 Jahren....

Sie machte sich auf nach Kanada, Griechenland, Israel und zum Nordkap, reitete im Alter von 85 Jahren auf einem Kamel auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten, nichts war ihr zu viel, das Alter nur eine Zahl: „Ich habe mich gut gefühlt.“ Später fuhr sie mit Tochter oder Enkel los, gern an den Rhein oder die Ostsee. Mit 96 fuhr sie Sommerrodelbahn in Willingen. „Ich habe im Alter alles nachgeholt,“ sagt Ruth Rabe. So lange ihre Töchter mit ihr fahren, fährt sie überall hin, betont sie – inzwischen genügen ihr allerdings auch Tagesausflüge.

Täglich liest sie die Heimatzeitung, sieht fern und hört Radiovorträge, um auf dem Laufenden zu bleiben. „Ich mache Kreuzworträtsel und Sudoku“, erklärt sie: „langweilig ist mir nie“. Dass sich ihre Töchter so gut um sie kümmern, weiß sie dankbar zu würdigen.

"Alles Schlechte soll man weglassen"

Wie lässt sich in geistiger Frische ein hohes Alter erreichen? Ruth Rabe rät Zweierlei: „Alles Schlechte soll man weglassen“ – wie Zigaretten und Alkohol. „Und jeden Tag muss man mindestens einmal feste lachen.“ Ruth Rabe ist dem stets gefolgt und wird es auch weiterhin so halten: „Ich bin restlos zufrieden, dass ich erlebe, was ich erlebe. Alles weitere lasse ich auf mich zukommen.“  md

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare