Forstingenieur Martin Wrosch kümmert sich seit Januar um den 2140 Hektar großen Lichtenfelser Forst

Neuer Stadtwald-Förster stellt sich vor

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Siegel überprüfen und Windwurf beseitigen: Der neue Revierförster Martin Wrosch, Auditor Nils Plusczyk, Bürgermeister Uwe Steuber, Harversterfahrer David Mantel und Forstwirt Ralf Emde sind im Lichtenfelser Stadtwald ordentlich eingespannt.   

Lichtenfels. Seit Januar 2018 hat die Stadt Lichtenfels offiziell einen neuen Förster: Der 32-jährige Martin Wrosch, mit forstlichen Wurzeln im Arnsberger Wald, kümmert sich seither um den rund 2140 Hektar großen Stadtwald.

Mit dem Wechsel der Stadt Lichtenfels von Hessen-Forst zu einem privaten Forstdienstleister fiel auch die Entscheidung, erstmalig einen eigenen Stadtförster einzustellen. In einem umfangreichen Auswahlverfahren unter vielen Bewerbern hat sich der studierte Forstingenieur auch aufgrund seiner praktischen Erfahrungen in verschiedenen Regionen Deutschlands auf dem Gebiet der Jagd und Waldarbeit als ausgebildeter Forstwirt durchgesetzt.

Dass die Aufgaben für den neuen Förster umfangreich, besonders herausfordernd und mitunter speziell sind, war allen Beteiligten von Beginn an klar: „Es gilt, insbesondere die vielen immer noch offenen Wunden, die der Sturm Kyrill im Jahr 2007 hinterlassen hat, endlich zu schließen“, erklärt Wrosch. Denn auf einer Fläche, die so groß ist wie 70 Fußballfelder, wächst immer noch kein neuer Wald: „Trockene Witterung, Borkenkäfer, Gras und Brombeeren waren schwierige Rahmenbedingungen und nicht immer wurde in der Vergangenheit forstlich richtig darauf reagiert“, erklärt der Forstingenieur: „Nicht zuletzt ein hoher Wildverbiss durch Rehe und Rotwild haben den jungen Bäumen ebenfalls im Wachstum arg zugesetzt“.

„Kyrill“ und „Friederike“

Vielen Bürgern sei der schlechte Zustand des Waldes aufgefallen, für die Stadt als Waldbesitzerin sei die Situation bereits seit längerer Zeit nicht mehr hinnehmbar gewesen. Denn es entstehen der Kommune dadurch jedes Jahr hohe Kosten bei gleichzeitigen Einnahmeverlusten. Zudem wurde die Stadt durch die forstliche Aufsichtsbehörde vor kurzem letztmalig darauf hingewiesen, dass die „katastrophalen Beeinträchtigungen der Waldbewirtschaftung durch den zu hohen Wildbestand“ im Stadtwald zukünftig nicht mehr toleriert und gegebenenfalls empfindlich bestraft würden (wir berichteten).

Im laufenden Jahr soll nun ein neutraler Gutachter den Einfluss des Wildes auf den Waldzustand feststellen. Die Untere Jagdbehörde habe das Verfahren genehmigt, betont Wrosch. Auf der Basis dieser Daten würden dann in Zusammenarbeit mit der Hegegemeinschaft die neuen Abschusszahlen festgelegt.

Als wenn es nicht genug Baustellen für den aus Berlin stammenden Förster Martin Wrosch gäbe, kommt aktuell auch noch die Bewältigung der Folgen des letzten Sturmes „Friederike“ hinzu: „Am 18. Januar sind in nur zwei Stunden fast so viele Bäume im Stadtwald umgeworfen worden, wie sonst in einem ganzen Jahr planmäßig geerntet werden“, erklärt er.

PEFC-Überprüfung

Vergangene Woche fand außerdem ein PEFC-Audit im Stadtwald statt, der nach PEFC zertifiziert ist. Es wurde untersucht, ob die geforderten Standards erfüllt werden. Dabei stellte der Auditor Niels Plusczyk „sehr starken Verbiss auf den zahlreichen Kulturflächen und der Naturverjüngung, sowie alte und frische Schälschäden“ fest und betont, dass die Abweichungen zu korrigieren seien. „Andernfalls ist das Siegel gefährdet“, erklärt Martin Wrosch.

Den  Bürgern der umliegenden Orte soll Gelegenheit gegeben werden, sich selbst ein Bild vom neuen Förster, seinen Ideen, der Situation im Stadtwald sowie den anstehenden Aufgaben und Arbeiten im Wald zu machen. Hierzu lädt die Stadt Lichtenfels unter Leitung des neuen Stadtförsters nach den Osterfeiertagen zu einer Waldführung ein. Im Anschluss an die rund zweistündige Führung sei ein gemeinsamer Ausklang an der Grillhütte Goddelsheim geplant. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben. (r/md)

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