Nach 22 Jahren Leerstand – Stadt hat das Gebäude in Rhadern abreißen lassen

Aus für Haus Hammerla in Rhadern

Haus Hammerla, Rhadern. Lichtenfels, Abriss, Ortsvorsteher Walter Seibel
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22 Jahre hat sich Ortsvorsteher Walter Seibel um eine Lösung für das Haus Hammerla in Rhadern eingesetzt. Nun ist es dem Erdboden gleich gemacht, nachdem eine Sanierung nicht mehr möglich war.

Nachdem es 22 Jahre lang leer gestanden hat, erstand die Stadt Lichtenfels das Haus Hammerla in Rhadern und ließ es abreißen. 

Lichtenfels-Rhadern – Es gibt Häuser, die werden zur Herausforderung. So wünschenswert die Sanierung wäre, so unmöglich scheint sie. Zu ihnen gehört das Haus Hammerla „Am Backhaus“ in Rhadern. Besser gehörte, denn vergangene Woche ist es abgerissen worden. Insgesamt 22 Jahre hat Ortsvorsteher Walter Seibel sich darum bemüht, eine Lösung für das Haus samt Scheune zu finden. So lange stand der Komplex leer. Eine Sanierung hätte Seibel willkommen geheißen, doch dazu war das Haus zu marode. „Und jetzt atme ich jetzt ganz tief durch, dass es nach all den Jahren endlich erledigt ist“, sagt Walter Seibel erleichtert.

Holz, Ziegel- und Bruchsteine, vor mehr als 200 Jahren über Monate hinweg mühselig verbaut, fielen vergangene Woche unter den Griffen eines Baggers innerhalb weniger Tage. „Wann das Haus genau erbaut wurden, konnten wir nicht genau festellen. Wir gehen aber davon aus, dass es um 1800 entstand“, sagt der 70-jährige Ortsvorsteher. Im Ortssippenbuch fand er einige Daten zu dem Haus. „Nach über 100 Jahren im Besitz der Familie Iske ging es später an die Familien Schnatz, Müller, Krüger und 1991 schließlich an Familie Hammerla“, fasst Walter Seibel zusammen.

Das Haus Hammerla am Backhaus in Rhadern entstand vermutlich um 1800.   

Nach dem Tod des letzten Besitzers im Jahr 1998 wurde es nicht mehr bewohnt. Nachdem auch der Erbe des Hauses Hammerla verstarb, ging es 2017 an eine Erbengemeinschaft. Seit 1998 hatte Ortsvorsteher Walter Seibel immer wieder schriftlich an Kehr- und Sicherungspflichten erinnert. Nachbar Hermann Iske säuberte schließlich über einige Jahre den Bürgersteig und die Dachrinne, wenn es erforderlich war, sagt Walter Seibel anerkennend. Vor allem vor hohen kirchlichen Feiertagen nahm er den Besen zur Hand, denn das Haus stand direkt gegenüber der Kirche. 

Stadt Lichtenfels zahlt symbolische Euro 

Im April 2017 hatte Walter Seibel Gelegenheit, direkt mit einem der Erben zu sprechen und fragte, ob sie nicht bereit wären, den Gebäudekomplex an die Stadt zu verkaufen. „Bürgermeister Steuber klemmte sich dann dahinter und im Dezember 2017 ließ ein Anwalt wissen, die Erben hätten sich geeinigt, das Haus abzugeben“, erinnert sich Walter Seibel. „Wir haben Haus und Grundstück für einen symbolischen Euro gekauft und im Haushalt 25 000 Euro für den Abriss eingestellt“, sagt Bürgermeister Uwe Steuber. Insgesamt lägen die Kosten aktuell bei 35 000 Euro.

Im September 2018 erteilte der Landkreis die Abrissgenehmigung. Bevor ein Lichtenfelser Unternehmen den Zuschlag bekam und den Gebäudekomplex dem Erdboden gleichmachte, musste die Dorfgemeinschaft anpacken: An sechs Tagen räumten zwischen sieben und 25 fleißige Helfer Haus, Scheune und Schuppen – „und das war richtig Arbeit“, sagt Walter Seibel.

Brunnen entdeckt

Nicht mal eine Woche dauerte es, und Haus Hammerla war abgerissen.  

Von zahlreichen Heizkörpern und Fenstern, die dort gelagert waren, über Holz, Einrichtungsgegenstände bis zu gefüllten Einmachgläsern und Linoleumböden musste alles herausgeschafft, getrennt und in Containern entsorgt werden. „Ein großes Danke an alle Helfer und die zwei Frauen, die uns mit Kaffee und Kuchen versorgten. Mit so einem großen Zuspruch hatte ich am Anfang gar nicht gerechnet“, freut sich Walter Seibel, der auch den politischen Gremien für ihre Entscheidung dankt.

Bei den Abrissarbeiten sei ein acht Meter tiefer Brunnen entdeckt worden. Der erhält zur Befestigung einen Ring und einen verschließbaren Deckel. Auch die Stromversorgung soll dort belassen werden. So könnte die Fläche später einmal zum Dorftreff mit Brunnen ausgebaut werden. Aktuell jedoch solle der hintere Teil der Fläche vermutlich eingesät und der vordere Teil an der Straße mit Splitt befestigt werden, sodass dort Autos parken könnten, sagt Seibel.

Wertvolles Erbe

Nicht alles von Haus Hammerla landete auf dem Abfallplatz. Unbehandeltes Holz holte sich ein Rhadener, die alte Haustür und Stallfenster sicherten sich Liebhaber historischer Hauselemente. Bruchsteine und Ziegelsteine fanden ebenfalls Abnehmer, etwa „in Münden, wo ein Backhaus entstehen soll“, freut sich Seibel. Ein Backhaus in Münden mit Steinen aus dem Weg „Am Backhaus“ in Rhadern: So bleibt doch noch etwas Wertvolles, Gemeinschaft förderndes vom Haus Hammerla – und die Herausforderung anzunehmen hat sich gelohnt. (md)

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