Stadtwald behält Zertifikat – Weiter Vermarktung nach PEFC-Standard

Audit bestätigt Lichtenfelser Weg

„Prüfung“ bestanden: (von links) PEFC-Auditor Nils Pluszyk, Bürgermeister Henning Scheele, die städtischen Forstwirte Ralf Emde, Klaus Wilke und Jonas Grosche sowie Forstoberinspektor Martin Wrosch sind zufrieden mit dem Ausgang des Vermarktungs-Nachaudits im Lichtenfelser Stadtwald.
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„Prüfung“ bestanden: (von links) PEFC-Auditor Nils Pluszyk, Bürgermeister Henning Scheele, die städtischen Forstwirte Ralf Emde, Klaus Wilke und Jonas Grosche sowie Forstoberinspektor Martin Wrosch sind zufrieden mit dem Ausgang des Vermarktungs-Nachaudits im Lichtenfelser Stadtwald.

Lichtenfels – Nachdem die Stadt Lichtenfels unter anderem ihr Bejagungskonzept im Stadtwald geändert hat, ist sie aus einer Nachbeurteilung zur PEFC-Zertifizierung erfolgreich herausgegangen: Die Zertifizierung des Waldes nach PEFC-Standards bleibt laut Nachaudit bestehen.

Hauptthema beim Nachaudit waren die hohen Wildschäden und die Frage, ob die Stadt seit dem letzten PEFC-Audit 2018 Maßnahmen ergriffen hat, die Wildbestände zu regulieren. „Es gab nun keine Beanstandungen mehr“, erklärt Bürgermeister Henning Scheele. „Die Urkunde wurde verlängert, unser Holz ist damit weiter vermarktbar“, führt der Lichtenfelser Stadtförster, Forstoberinspektor Martin Wrosch, hinzu. PEFC-Auditor Nils Pluszyk habe sich „sehr positiv und lobend über die Entwicklung ausgesprochen und uns darin bestärkt, dass wir – unter so schwierigen Bedingungen wie nie zuvor – auf dem richtigen Weg sind“, erklärt Henning Scheele.

Zur Erinnerung: 2018 drohte der Stadt Lichtenfels aufgrund hoher Verbissschäden im rund 2140 Hektar großen Stadtwald der Verlust des Vermarktungs-Zertifikats PEFC. Außerdem drohte das Regierungspräsidium (RP) Kassel, das Forsteinrichtungswerk, also den Betriebsplan, nicht zu genehmigen, wenn die Auflagen, die das RP der Stadt gestellt hat, nicht erfüllt werden. Die Beeinträchtigungen der Waldbewirtschaftung durch das Wild hatte das RP damals als „katastrophal“ bezeichnet.

Das RP verpflichtete die Stadt, bis zum 31. Mai 2020 einen Zwischenbericht zur Situation des Waldbestandes bei der Oberen Waldbehörde abzugeben und aufzulisten, was sie zur Senkung der Wildbestände und zum Schutz des Waldes unternommen hat.

Daraufhin hat die Stadt gegen zum Teil große Widerstände vier Eigenjagdbezirke eingerichtet, um Bejagung und Verbissbelastung dort direkt zu steuern, in anderen Revieren neue Pachtverträge ausgearbeitet. Außerdem hat sie die Pauschalen für Wildschäden abgeschafft und eine Nachweispflicht für Abschüsse festgelegt.

Beim Nachaudit sei nun anerkannt worden, dass die Stadt ihre rechtliche Möglichkeiten genutzt habe, um angepasste Wildbestände zu erreichen: Eine neue Präambel zu den Jagdpachtverträgen, die Gründung von Eigenjagdbezirken in Regiebejagung, das Erstellen von externen Gutachten zur Verbissbelastung und zur Einschätzung der Vermögensschäden durch Wildverbiss, die Umsetzung rechtlicher Verfahren – Stichwort Wildschadensmeldung.

„Wir sind angehalten, die getroffenen Maßnahmen kontinuierlich auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen – aber das versteht sich ja von selbst“, sagt der Rathauschef. Neben der Prüfung der Unterlagen besichtigte der Auditor auch Aufforstungsflächen und Unternehmereinsätze. Dort habe es ebenfalls keine Beanstandungen gegeben, die PEFC-Richtlinien würden im Stadtwald Lichtenfels eingehalten, lobte Bürgermeister Scheele auch „die Mannschaft – unsere Forstwirte sind mit viel Herzblut engagiert.“

Projekt: „Wald 2030“ – Finanzielle Hilfen gefordert

Die Stadt Lichtenfels will stärker in den Blickpunkt rücken, „was für eine wichtige Bedeutung Wald für unsere gesamte Gesellschaft, für unsere Zukunft hat“, sagt Bürgermeister Henning Scheele. Unter dem Titel „Wald 2030“ will sie ein Gesamtkonzept entwickeln, das Kindergärten, Schulen und Bevölkerung einbindet.

Wald sei ein Wirtschaftsfaktor. „An Holzwirtschaft hängen Arbeitsplätze, auch deshalb müssen wir jetzt die richtigen Weichen stellen“. Wald habe aber noch eine viel größere, höhere Bedeutung, „er ist ein für uns alle sehr wichtiges Ökosystem, ist Wasserspeicher und Sauerstoffproduzent, er bindet CO2, wirkt temperaturregulierend, dient der Erholung und Freizeitgestaltung der Menschen, steigert die Lebensqualität. Deshalb dürfen wir Wald nicht auf den wirtschaftlichen Aspekt reduzieren – gerade in Zeiten des Klimawandels“, sagt Scheele.

„Wir müssen über alle Ebenen daran arbeiten, ihn als Ökosystem zu erhalten. Was wir heute tun oder nicht tun, baden unsere Enkel aus“, unterstreicht der Rathauschef: „Wald ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der wir alle gemeinsam arbeiten müssen und so ist es auch aller Aufgabe, die durch Stürme, Klimawandel und Borkenkäfer entstandenen Kahlflächen wieder aufzuforsten. Und wenn wir das nachhaltig tun wollen, was mit Blick auf die kommenden Generationen dringend geboten ist, können wir das nicht ohne Hilfen von Bund und Land tun“, fordert er finanzielle Unterstützung für die Wiederaufforstung.

„Finanzielle Hilfe sollte schnell und unbürokratisch gegeben werden“, betont der Lichtenfelser Stadtförster, Forstoberinspektor Martin Wrosch. Genehmigungsprozesse dauerten zu lange, außerdem seien sie an Baumarten, nicht aber an Bodenbeschaffenheiten gebunden. „Wenn wir nur nach Förderung anpflanzen, bekommen wir die falschen Bäume für unsere Standorte“, bemängelt der Fachmann.

So seien für viele Lichtenfelser Standorte etwa Roteichen ideal, „die werden aber nicht bezuschusst“. Wünschenswert wäre auch, Kulturpflege förderfähig zu machen. Sie sei enorm wichtig für die Gesundhaltung des Bestandes: „Wird nicht gepflegt, kommen Mäuse und zerstören den Bestand: Gras-Maus-Aus,“ sagt Martin Wrosch. „Wir brauchen weniger Bürokratie und Regulation, der Flächenmanager muss entscheiden. Eine pauschale Zuweisung würde uns in Lichtenfels viel mehr helfen,“ unterstreicht er.

„Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Aufgabe jedenfalls bewusst und bilden einen Forstwirtschaftsmeister aus“, sagt Bürgermeister Scheele. (Von Marianne Dämmer)

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