Auszeichnung „Anerkannter LAG-Stall“

Sterne für den Reiterhof Mees in Sachsenberg

Prädikat für artgerechte Pferdehaltung: Martin und Katharina Mees mit Pferd „Wonder“ im neuen Senioren-Aktivstall freuen sich über die LAG-Zertifizierung ihrer Aktivlaufställe. Bereits 2015 erhielten sie den Landespreis für artgerechte Tierhaltung.
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Prädikat für artgerechte Pferdehaltung: Martin und Katharina Mees mit Pferd „Wonder“ im neuen Senioren-Aktivstall freuen sich über die LAG-Zertifizierung ihrer Aktivlaufställe. Bereits 2015 erhielten sie den Landespreis für artgerechte Tierhaltung.

Sterne für den Reiterhof Mees in Sachsenberg: Die Laufstall-Arbeitsgemeinschaft (LAG) für artgerechte Pferdehaltung hat den Reiterhof am Steinberg mit dem Prädikat „LAG-Stall“ ausgezeichnet.

Lichtenfels-Sachsenberg – Sieben Kategorien werden in einem differenzierten Bewertungssystem geprüft, angelehnt an die Grundbedürfnisse der Pferde. Sechs davon sieht die Kommission auf dem Reiterhof als „sehr viel mehr als erfüllt,“ eine als „mehr als erfüllt“, freuen sich Katharina (35) und Martin (38) Mees über die Auszeichnung. Das Ehepaar wird den Reiterhof, auf dem es derzeit 75 Plätze gibt, einmal übernehmen.

Bereits vor über 25 Jahren haben die Betreiber, Karin und Volker Mees, damit begonnen, die Pferdehaltung auf ihrem Hof umzugestalten, um eine möglichst artgerechte und stressfreie Unterbringung der Tiere zu erreichen. Es entstanden Paddockboxen mit täglichem Weidegang und Winterauslauf. „Wir haben einfach gemerkt, dass es für die Tiere gut ist– und damit auch für die Menschen. Die Pferde waren ausgeglichener, weniger krank, die Arbeit mit den Tieren hat mehr Spaß gemacht“, sagt Martin Mees.

Die Fütterung im Aktivlaufstall ist automatisiert, Kraft- und Mineralfutters wird stündlicher portioniert.

2013 hat Familie Mees sich entschlossen, weiterzugehen und die erste Aktivstallherde einzurichten, jeweils ein weiterer Aktivstall folgte 2016 und 2020. Darin sind die Herden getrennt nach Stuten und Wallachen. Im jüngsten Aktivstall leben Senioren und Rekonvaleszenten. Angepasst an ihre Bedürfnisse ist die Fläche deutlich ebener angelegt, außerdem haben sie eine extra große Liegehalle und eine besonders weiche Stroheinlage. Rund 3000 Quadratmeter fasst ein Laufhof jeweils, etwa 20 Pferde leben zusammen.

Stichwort Aktivstall

In Aktivställen wird Pferden eine strukturierte und große Auslauffläche zur Verfügung gestellt, die rund um die Uhr genutzt werden kann. Damit sich die Pferde viel bewegen, wie sie es von ihrer natürlichen Lebensweise in der Steppe gewöhnt sind, werden die unterschiedlichen Funktionsbereiche räumlich voneinander getrennt.

So gibt es Ruheräume und Liegebereiche, Raufutterbereiche und Stationen, wo sie Kraft- und Mineralfutter erhalten. Es gibt zudem frei zugängliche Tränken, Laufwege über unterschiedliche, matschfreie Bodenbeläge sowie Sandplätze zum Wälzen und Spielen.

Aktivställe kommen den natürlichen Lebensbedürfnissen von Pferden sehr weit entgegen“, erklärt Martin Mees vom Reiterhof in Sachsenberg die Entscheidung für diese Haltungsform: „Pferde sind Herdentiere. Also leben sie in unserem Stall auch in Gruppenhaltung, die Herde ist 24 Stunden zusammen, die Tiere fressen, ruhen, toben zusammen, das Gefüge wird nicht auseinandergerissen“.

Wie sie in der freien Wildbahn einen großen Teil des Tages mit Fressen beschäftigt sind, so erhalten sie auch im Aktivstall häufige Mahlzeiten über den Tag verteilt. „Sie tragen einen Sender am Hals, der eine zeitgesteuerte, individuelle Intervallfütterung ermöglicht – das Futter wird stündlich portioniert, was sie wiederum animiert, sich mehr zu bewegen“, erklärt Martin Mees. „Pferde, die viel Futter vertragen, bekommen entsprechend größere Portionen als Pferde, die keine guten Futterverwerter sind. Das gilt auch für den Weidegang: Wer mehr verträgt, darf auch länger auf die Weide“, sagt Katharina Mees: „Wie das funktioniert, lernen die Tiere schnell.“ (md)

Für die Zertifizierung beworben hat sich Familie Mees, „weil wir einen externen Blick auf das haben wollten, was wir bis jetzt geschaffen haben: Was ist gut, was können wir noch besser machen?“, erklärt Katharina Mees. Nach einer aufwendigen Dokumentation inspizierte eine LAG-Kommission den Reiterhof am Steinberg – und vergab Sterne für Bewegung, Ernährung, Ruheverhalten, Sozial-/Komfortverhalten, Gesundheit, Bauliche Anlagen und Klima.

Viel Licht und Luft

Die Familie unterhält noch eine Landwirtschaft, um das Stroh und den überwiegenden Teil des Grundfutters selbst herzustellen. Dabei werden regelmäßig Futterproben genommen. „In den vergangenen beiden Jahren war das Heu sehr zuckerreich. Daher haben die Tiere dann etwas weniger bekommen“, sagt Katharina Mees.

Beheizbar und frostsicher sind die Tränken in den Aktivställen.

Da Pferde in ihrem ursprünglichen Lebensraum, der Steppe, immer an der Luft und dem Klima ausgesetzt sind, wird ihnen auch im Aktivstall viel Licht und Luft geboten, es gibt große, mit Stroh eingestreute Liegehallen, wobei es auch noch Integrations-, Kranken- und Quarantäneboxen gibt. „Der Kniefalltest zeigt, ob das Lager auch weich genug ist“, sagt Martin Mees und lacht. Auch die Untergründe sind unterschiedlich: Vom ausrangierten Kunstrasen des Fußballplatzes über Schotter bis hin zu Sand und leicht zu reinigendes Pflaster rund um die Fressplätze ist alles vorhanden.

Von den 75 Pferden, die auf dem Hof stehen, leben die meisten in einem der Aktivställe. Die Tiere sind tiefenentspannt, überhaupt nicht schreckhaft. „Am Anfang kann es kleine Auseinandersetzungen geben, bis die Rangordnung verhandelt ist, dann klappt das Zusammenleben harmonisch. Es entstehen richtige Freundschaften zwischen den Tieren“, sagt Martin Mees: „Es ist uns wichtig, artgerechte Pferdehaltung weiter nach vorn zu bringen. Wir würden uns auch wünschen, dass mehr Pferde in Gruppen gehalten werden – es ist so gut für ihr Sozialverhalten. Sie lernen dann einfach schon früh, wie sie sich verhalten sollten im Umgang mit anderen Pferden, sie sind viel ausgeglichener“. (Von Marianne Dämmer)

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