Kommunalwald: Eigenjagdbezirke werden eingerichtet – Offen für gemeinsame Lösungen

Verbiss: Stadt Lichtenfels handelt

Jagd, Rehe, Wald, Lichtenfels (Hessen)
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Jagd in Lichtenfels: Ein komplexes Thema, das viele verschiedene Interessen und 18 Reviere betrifft. Die Stadtverordneten haben eine klare Richtung vorgegeben – die gemeinsame Lösungen nicht ausschließt.

Lichtenfels. Teile des Stadtwaldes Lichtenfels werden zum 1. April 2020 in den Gemarkungen Münden und Goddelsheim in Eigenjagdbezirken geführt. Das haben die Lichtenfelser Stadtverordneten bei einer Enthaltung mit großer Mehrheit am Dienstagabend in Goddelsheim beschlossen.

Allerdings lassen sie eine Tür für weitere Verhandlungen offen: Einmütig stimmten sie auch dafür, dass gemeinsame Lösungen, die mit allen Beteiligten erarbeitet wurden, im Mittelpunkt stehen.

„Die gefunden Lösungen können auch dazu führen, dass die Bildung von Eigenjagdbezirken nur temporären Charakter haben können oder erst gar nicht eine Bildung erfolgen muss“, heißt es in der Beschlussfassung. Außerdem wird die Wildschadenspauschale abgeschafft und die Nachweispflicht ausgeweitet. Den finanziellen Zuschuss zum Wegebau will die Stadt aufrecht erhalten.

Zeitliche Begrenzung möglich

Eckhard Schnatz (CDU) machte deutlich, dass alle Beschlüsse in der Forstkommission fraktionsübergreifend getroffen worden seien. Seit 1994 gehe der Verbiss kontinuierlich nach oben. Der Stadt und den Bürgern entstehe ein großer wirtschaftlicher Schaden.

„Sinken die Einnahmen der Stadt an einer Stelle, müssen sie an anderer Stelle gesteigert werden: Wir treffen heute eine Entscheidung, die allen Lichtenfelsern helfen soll, zusätzliche finanzielle Belastungen zu vermeiden“, betonte Friedrich Schüttler (SPD). „Wir haben aber auch Brücken formuliert, über die gegangen werden kann.“

„Seit 30 Jahren hatten gute Worte und Bitten keinen Erfolg. Jetzt ist ein Punkt erreicht, wo Taten folgen müssen. Wir können nicht zum Nutzen von Einzelnen das Gemeinwohl aller riskieren“, unterstrich Dorli Rauch (Grüne).

Manuel Mitze von der Wählergemeinschaft Lichtenfels (WGL) sagte, auch in Zukunft müsse ein großer Teil des städtischen Waldes von Jagdgenossenschaften ortsnah und kompetent verwaltet werden, die Entscheidung zur Eigenjagd als letzte Möglichkeit sei jedoch richtig. Sie sollte aber nur zeitlich begrenzt sein. Friedhelm Emde von der FDP sagte ebenfalls die Zustimmung seiner Fraktion zu.

Noch kleines Zeitfenster

Angela Scheuermann, Ortsvorsteherin aus Münden, wurde Rederecht zugesprochen. In Münden bliebe nach der Entscheidung zum Eigenjagdbezirk eine „reine Feldjagd als Scherbenhaufen zurück“, auch den Landwirten vor Ort sei mit der Lösung nicht geholfen. Sie plädierte dafür, das Thema Eigenjagdbezirke in die Ausschüsse zurückzubringen. Dem kamen die Stadtverordneten nicht nach.

Helmut Wolf (SPD) sagte abschließend: „Wir vernichten systematisch städtisches Eigentum,“ das könne nicht sein. Er vermisse konstruktive Vorschläge von den Jagdpächtern. „Wir haben nur noch ein kleines Zeitfenster, doch die Tür ist offen, der Ball liegt jetzt bei ihnen“, sagte er.

"Tragen Beschluss voll mit"

Oberstes Ziel der Lichtenfelser Stadtverordneten: Die Auflagen des Regierungspräsidiums (RP) Kassel als Obere Jagdbehörde und Forstaufsicht zu erfüllen. Das RP hatte mit Blick auf teilweise sehr hohe Verbissschäden von „katastrophalen“ Zuständen im Stadtwald gesprochen und die Kommune angewiesen, für eine nachhaltige Forstwirtschaft zu sorgen. Sonst könne die nächste Forsteinrichtung, wie der Betriebsplan genannt wird, nicht genehmigt werden. Zu einem ähnlichen Schluss kam ein PEFC-Audit – damit droht der Stadt auch der Verlust des Vermarktungs-Zertifikats. 

Dass sie „mit dem Rücken zur Wand stehen und im Sinne aller Lichtenfelser Bürger handeln müssen“ (Eckhard Schnatz, CDU) machten am Dienstag die Vertreter aller Fraktionen einmütig klar.

 Karl-Hendrik Oppermann, aktiv in der 2016 gegründeten Forstkommission, hatte in Vertretung des Bürgermeisters den Tagesordnungspunkt geleitet. Nach Paragraf 25 der Hessischen Gemeindeordnung nahmen an Beratung und Beschluss nicht teil Bürgermeister Uwe Steuber, Friedrich Göge, Horst Wendt, Manfred Stracke, Andreas Gunia und Gerhard Buckert. Sie haben Funktionen in Jagdgenossenschaften und dergleichen. Nach der Sitzung unterstrichen sie jedoch unisono gegenüber der WLZ, die Entscheidung der Stadtverordneten „voll mitzutragen“. (md) Zu diesen Thema auch interessant: Verbiss im Lichtenfelser Wald: "katastrophaler Zustand" und "Hegegemeinschaft Lichtenfels reagiert auf Kritik"

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