Hohe Schäden durch Reh- und Rotwild bedrohen Aufforstung des Stadtforstes – RP mahnt

Verbiss im Lichtenfelser Wald: "Katastrophaler" Zustand

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Ein Platzhirsch hinter weiblichem Rotwild: Nicht nur heimisches Rehwild setzt dem Lichtenfelser Wald mächtig zu, sondern auch Rotwild, das aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen drückt.

Lichtenfels. „Friederike“ hat viel Schaden im rund 2000 Hektar großen Stadtwald von Lichtenfels angerichtet. Doch die Stadt hat noch ein weiteres, drängendes Problem: Die Verbissschäden sind so hoch, dass sich das Regierungspräsidium Kassel einschaltet. 

„Friederike“ hat viel Schaden im rund 2000 Hektar großen Stadtwald von Lichtenfels angerichtet. „Der Sturm hat drei Viertel des geplanten Jahreseinschlags hingelegt“, erklärte der Lichtenfelser Revierförster Martin Wrosch am Montag bei der Sitzung der Stadtverordneten in Goddelsheim. Die Bäume müssten nun schnell gerückt werden, denn bei einem trockenen Frühjahr drohe ein Befall mit dem Borkenkäfer und damit werde das Holz „massiv entwertet“.

Doch damit nicht genug: Die Stadt hat noch ein weiteres, drängendes Problem, das sie seit Jahren viel Geld kostet: „Die Verbissschäden durch heimisches Rehwild und aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen drückendes Rotwild sind so hoch, dass das Regierungspräsidium (RP) Kassel uns angemahnt hat, einen Zwischenbericht abzugeben und bis 2020 detailliert aufzulisten, welche Maßnahmen wir zur Senkung des Wildbestandes ergriffen haben und mit welchem Erfolg das geschah“, erklärt Bürgermeister Uwe Steuber.

Das RP spricht von „katastrophalen Beeinträchtigungen der Waldbewirtschaftung, die durch den Wildbestand verursacht werden“. Es sei durch „geeignete Maßnahmen“ sicherzustellen, dass eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft dauerhaft gewährleistet werden könne – etwa durch eine Erhöhung des Schalenwildabschusses.

Dabei bemüht sich der Magistrat der Stadt schon seit Jahren, Jagdgenossenschaften und Jagdpächter von anderen Abschussquoten zu überzeugen. „Es gibt Reviere, in denen das gut funktioniert“, lobt Steuber. Aber es funktioniert eben nicht in allen. 2016 hat der Magistrat aufgrund der besonderen Umstände sogar eigens eine Forstkommission gebildet. Denn: Allein vom Sturm „Kyrill“ vor elf Jahren sind immer noch 50 Hektar neu zu bestocken. Und auf vielen der nach „Kyrill“ wiederaufgeforsteten Flächen war der finanzielle Einsatz umsonst, weil die Areale schnell wieder verbissen wurden.

Da die Pachtverträge auslaufen, setzt der Magistrat sich dafür ein, die neuen Verträge, die ab 2020 gelten, entsprechend zu ändern. Außerdem finden derzeit Gespräche auf allen Ebenen statt, auch mit der Bezirksregierung in Arnsberg in Nordrhein-Westfalen, betont der Lichtenfelser Rathauschef.

Revierförster Martin Wrosch fand am Montag klare Worte. „Wir müssen handeln und die Jäger in die Pflicht nehmen, sonst sieht es um den Wald schlecht aus. Ein ,Weiter so’ darf es nicht geben“.

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