Drehen sich bald Windräder am Mühlenberg?

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Windräder im Wald: Wie hier in Baden-Württemberg könnten auch bald zwischen Vöhl und Lichtenfels Windräder aus dem Wald ragen

Vöhl/Lichtenfels. Im Grenzgebiet zwischen Vöhl und Lichtenfels könnten bis zu sieben Windkraftanlagen entstehen. Eine Bürgerinitiative in Lichtenfels macht bereits mobil und hat Flyer in beiden Kommunen verteilt. Allerdings: Noch ist nicht klar, ob die Windräder am Mühlenberg überhaupt gebaut werden.

Gelegen zwischen den Lichtenfelser Ortsteilen Immighausen und Fürstenberg sowie zwischen den Vöhler Ortsteilen Herzhausen und Buchenberg befindet sich die 102 Hektar große Fläche, auf der die 230 Meter hohen Windräder entstehen könnten.

Das Verbands-Energie-Werk (VEW) wäre Betreiber der Anlagen und hat bereits eine Gesellschaft mit Sitz in Vöhl gegründet. Dennoch ist unklar, ob der Windpark kommt. Denn: „Derzeit wird noch das artenschutzkundliche Gutachten erstellt“, sagt Stefan Kieweg, Prokurist von VEW. Über eine gesamte Vegetationsperiode würden Vögel und Fledermäuse beobachtet. Im Spätherbst werde diese Phase abgeschlossen sein, im Frühjahr 2018 soll dann feststehen, ob aus naturschutzrechtlicher Sicht ein Windpark überhaupt möglich ist. Auch andere relevante Punkte wie Tiefflugzonen für Hubschrauber oder Kampfjets, Beeinflussungen von militärischen und zivilen Radaranlagen sowie Grundwasser- und Bodendenkmalschutz müssten noch geprüft werden.

Die Ergebnisse aller Prüfungen haben Einfluss auf die Genehmigungsfähigkeit. Sieben Windräder im Lichtenfelser Stadtwald und auf dem Gebiet des Forstamtes Vöhl möchte VEW bauen, „in der Realität werden es aber sicher weniger“, so Kieweg. Sofern das Vorhaben genehmigt wird, könnte der Bau der Anlagen frühestens 2019 beginnen, so die Einschätzung.

Info-Veranstaltung geplant

Auch Uwe Steuber, Bürgermeister von Lichtenfels, verweist auf das derzeit laufende Gutachten zur Tierwelt. „Es ist noch nichts entschieden.“ Dennoch habe er bereits die Stadtverordneten und auch die betroffenen Ortsbeiräte informiert. Steuber verfolge mit Spannung, wie es weitergehe, sagt er. Denn das nahe Gebiet Höhnscheid sei aufgrund der Tierwelt nicht weiter als Windradstandort verfolgt worden. Alles stehe noch am Anfang. In Vöhl seien keine Gemeindeflächen betroffen, sagt Bürgermeister Matthias Stappert. Die entsprechenden Flächen gehören Hessen-Forst. Und: „Noch ist nichts in Stein gemeißelt. Ich kann die Ängste aber durchaus nachvollziehen und ich habe Verständnis für die Windkraftgegner.“

Christine Scheffer, Ortsvorsteherin von Herzhausen, hat eine Bürger-Infoveranstaltung organisiert. Sie findet voraussichtlich am Dienstag, 30. Mai, ab 19 Uhr im Bürgerhaus Herzhausen statt. Dort sollen die Planungen vorgestellt und Fragen der Bürger beantwortet werden.

Das Forstamt Vöhl gehöre als Teil von Hessen-Forst zur Landesexekutive, deshalb  wolle man auch das Zwei-Prozent-Ziel des Landes unterstützen, sagt Dr. Gero Hütte-von Essen, Forstamtsleiter in Vöhl. Ihm tue es auch weh, dass Bäume gerodet würden. Gleichzeitig werde das, was weggenommen wird, auch wieder aufgeforstet und zwar in gleicher Größe. Am Mühlenberg stehen hauptsächlich Douglasien. Ein Teil von ihnen sei noch jung, da sie erst nach Kyrill gepflanzt wurden. Sollte das Vorhaben genehmigt werden, werde man versuchen, Windräder von wertvollen Baumbeständen fernzuhalten, um möglichst wenig forstlichen Schaden anzurichten.

"Medizinisch nicht vertretbar"

Schon vor zwei Jahren gründete Dr. Stephan Kaula mit einigen Mitstreitern die Initiative Mensch und Natur Edertal mit Blick auf den möglichen Windpark am Mühlenberg. Jetzt hat er, um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen, 1600 Flyer in vielen Ortsteilen der beiden Kommunen verteilt. Die gesundheitlichen Gefahren sind es, die Kaula umtreiben.

„Inzwischen ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Infraschall körperliche Veränderungen bewirkt“, sagt der Allgemeinmediziner. Schlafstörungen, Tinnitus, Bluthochdruck und Gereiztheit sowie innere Unruhe könnten ausgelöst werden. „Und das in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometern um ein Windrad.“ Mit Mediziner-Kollegen und dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestags habe er bereits gesprochen, auch habe er eine Mail an jeden einzelnen Abgeordneten des Bundestags geschrieben, wie er sagt. Stephan Kaula will deutlich machen, dass der Schaden auf den Menschen durch Windräder noch nicht abzuschätzen sei, Studien müssten deshalb dringend fortgeführt werden. 

Bis diese Untersuchungen abgeschlossen sind, so sagt der Lichtenfelser, der nahe dem geplanten Windpark lebt, müssten alle Vorhaben gestoppt werden. Noch immer würden die Gesundheitsschäden unterschätzt, „dabei sind weniger als drei Kilometer Abstand medizinisch nicht vertretbar“, sagt er. „Ich habe echte medizinische Bedenken und ich kann als Arzt nicht stillhalten.“ 

Kontakt:www.imne.info, kontakt@imne.info

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