Haushaltsentwurf Lichtenfels – Stadt will 1,72 Millionen Euro investieren

Lichtenfels: „Wir sind 2021 stabil unterwegs“

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Der Kindergarten in Sachsenberg wird 2021 erweitert.

Seine erste Haushaltseinbringung in Lichtenfels hatte Bürgermeister Henning Scheele sich auch anders vorgestellt. Anstatt vor allen Gremien und Gästen in der letzten Stadtverordnetensitzung des Jahres in einer Haushaltsrede die Schwerpunkte für das kommende Jahr zu skizzieren, brachte er den Haushaltsentwurf am Freitagabend nur vor acht Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses und einem Schriftführer im großen Saal der Mehrzweckhalle Goddelsheim ein – mit Maske und viel Abstand.

Lichtenfels - Doch „oberstes Prinzip ist der Gesundheitsschutz und, die Handlungsfähigkeit der Stadt sicherzustellen“, sagt er im Vorgespräch mit der WLZ. Die Sitzung verlief kurz und knackig, im kommenden Jahr sollen zunächst eine Lesung und dann noch eine Ausschusssitzung zur Beschlussfassung angeboten werden, „damit die Fraktionen sich besser abgestimmt vorbereiten können“, erklärt der Rathauschef das Prozedere, mit dem die Stadt auf die aktuelle Pandemie-Situation reagiert.

Mit einer positiven Botschaft steigt er ein: „Trotz der Pandemie bleiben die Gebühren und Steuern für die Lichtenfelser stabil, unser Ergebnishaushalt umfasst 9,3 Millionen Euro und schließt mit einem leichten Plus von 35 940 Euro ab“, sagt der Rathauschef: „Wir haben für 2021 ein echtes Kraftpaket an Investitionen geschnürt, investieren 1,72 Millionen Euro und damit sogar rund hunderttausend Euro mehr als im vergangenen Jahr.“ Eine Kreditaufnahme von rund 770000 Euro ist nötig, die Nettoneuverschuldgung liegt dann bei knapp 92 000 Euro, „doch wenn man bedenkt, dass wir im auslaufenden Jahr 100 000 Euro Schulden tilgen konnten, haben wir auf zwei Jahre gesehen keine Nettoneuverschuldung“. Weitere 150 000 Euro sollen aus den Rücklagen der Vorjahre genommen werden, um die Investitionen zu schultern. „Wir investieren in Personal, Fort- und Ausbildung sowie neue Mitarbeiter, bleiben aber im Stellenplan,“ sagt Scheele: „Wir sind 2021 stabil unterwegs, das ist für eine kleine Kommune wie Lichtenfels wirklich ordentlich.“

Immer höhere Beträge muss Lichtenfels indes für die Kinderbetreuung aufwenden. Die subventioniert die Stadt im kommenden Jahr mit fast einer Million Euro. 2017 waren es noch knapp 637 000 Euro. „Die fünf Kindergartenstandorte in Lichtenfels sollen aber erhalten blieben, wir wollen eine kinder- und familienfreundliche Kommune blieben. Doch ich würde mir wünschen, dass Land und Bund uns deutlich stärker unterstützen“, betont der Rathauschef.

Im Stadtwald will die Stadt 2021 rund 78 000 Euro erwirtschaften. „Das können wir schaffen, weil wir dank des erfolgreichen PEFC-Audits einen Förderbescheid über 126 000 Euro aus der Bundeswaldprämie erhalten haben“, sagt Scheele. Dennoch halte er eine Ökosystemleistung für unumgänglich.

Geplante Investitionen im Jahr 2021

Das meiste Geld soll 2021 in Lichtenfels in die Erweiterung des Sachsenberger Kindergartens fließen. Dafür sind 710 000 Euro veranschlagt. Davon trägt die Stadt 291 000 Euro, der Restbertrag wird aus Fördermitteln bestritten. 30 000 Euro sind für die Außentreppe am Kindergarten in Fürstenberg eingeplant, davon zahlt die Stadt zehn Prozent, die restliche Summe soll aus der Hessenkasse fließen. 23 000 Euro sind für Ersatzbeschaffungen auf allen Lichtenfelser Spielplätzen vorgesehen.

„Was die Zukunftssicherung unserer Stadt betrifft, haben wir auch eine Verpflichtungsermächtigung für 2022 veranschlagt über 176 000 Euro für die Entwicklung des Kindergartens und Gemeindehauses in Goddelsheim“, sagt der Rathauschef. „Da sollen im kommenden Jahr weitere Gespräche stattfinden, um den Standort zu erhalten“.

„Auch die Infrastruktur zu erhalten bleibt in den kommenden Jahren eine wichtige Aufgabe für uns“, sagt Henning Scheele. So sollen 2021 insgesamt 270 000 Euro in die Erneuerung des Wasserleitungsnetzes fließen. Für neue Wasserleitung in der Sachsenberger Straße in Goddelsheim sind 190 000 Euro vorgesehen, außerdem sollen Wasserleitung in der Neuen Siedlung (40 000 Euro) und im Adolf Böhle Weg in Sachsenberg (25 000 Euro) erneuert werden. Jeweils 80 000 Euro sind für den Vorstufenausbau des Schlehenwegs in Goddelsheim und des Ahornwegs in Immighausen eingeplant, zwei der Neubaugebiete der Stadt Lichtenfels.

Für die Böschungssicherung am Sportplatz Münden sind 189 000 Euro veranschlagt, „wir rechnen aber damit, dass es deutlich günstiger wird“, sagt Henning Scheele. Die Stadt trägt davon zehn Prozent, der Restbetrag kommt aus der Hessenkasse.

Für die Sanierung der „Dreckbrücke“ in Münden sind 20 000 Euro im Haushaltsentwurf verankert und 50 000 Euro sollen in die Sanierung des Teichs „Vordere Wasche“ in Sachsenberg fließen. Im Sommer waren in dem Teich aufgrund eines zu geringen Zulaufs und Verschlammung Hunderte Fische verendet.

In den Brandschutz möchten Rathauschef und Magistrat 90 000 Euro investieren. Rund 40 000 Euro sind für einen Anbau an das Feuerwehrhaus in Münden eingeplant, weitere Beträge sind unter anderem vorgesehen für die Anschaffung von Rettungsgeräten und Stromerzeugern, einer Mast-Sirene und digitale Sirenensteuerung sowie für den Kauf von Atemschutztechnik und den Austausch einer Tragkraftspritze.

Das Rathaus in Goddelsheim soll weiter digitalisiert werden: Für ein Sitzungsmanagement-System sind 46 000 Euro im Haushaltsentwurf eingeplant. (Marianne Dämmer)

Das kommende Jahr werde die Verwaltung nutzen, „weitere strategische Schwerpunkte zu setzen, Konzepte auszuarbeiten, um die Stadt weiterzuentwickeln und auf die Anträge der Fraktione zu reagieren“. Ausgearbeitet werden sollen Vorschläge für den Ausbau des Radwegenetzes und der Digitalisierung, die touristische Entwicklung und eine Dorfmoderation für ganz Lichtenfels. Dabei werde auch jeweils nach Fördermöglichkeiten geforscht.

„Wir wollen außerdem einen Klimaschutzaktionsplan ausarbeiten – Klimaschutz ist ein wichtiges Thema und bietet zudem enorme Entwicklungs- und Investitionsmöglichkeiten für Lichtenfels,“ ist Bürgermeister Scheele überzeugt: „Damit haben wir genug zu tun und gute Chancen für eine positive Entwicklung.“ » 

Von Marianne Dämmer

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