Tauwetter nach eisigem Frost

Schneeschmelze versickert im Boden - im Edersee kommt wenig an

Schnee und Eis: Sie waren noch am vorigen Wochenende rund um den Edersee zu bewundern. Inzwischen hat es rasch getaut, doch in der Talsperre kommt davon wenig an. Der Dauerregen vor der Frostperiode hat sie dagegen gut gefüllt.
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Schnee und Eis: Sie waren noch am vorigen Wochenende rund um den Edersee zu bewundern. Inzwischen hat es rasch getaut, doch in der Talsperre kommt davon wenig an. Der Dauerregen vor der Frostperiode hat sie dagegen gut gefüllt.

Der Wasserstand des Edersees profitiert überraschend wenig vom Tauwetter der vergangenen Tage.

  • Der Edersee profitiert überraschend wenig von der Schneeschmelze der vergangenen Tage.
  • Es fließt nur halb soviel Tauwasser in den Edersee, wie in früheren Jahren bei ähnlichen Wetterlagen.
  • Mehr als 170 Millionen Kubikmeter Wasser befinden sich zur Zeit im Edersee - rund 30 Millionen Kubikmeter mehr als im langjährigen Durchschnitt seit dem Bau der Talsperre.

Edersee – Jiri Cemus vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Hann. Münden hat so etwas in den Jahrzehnten, die er für die Bewirtschaftung des Edersees zuständig ist, noch nicht beobachtet: Große Schneemengen schmelzen innerhalb weniger Tage, ja nur Stunden – doch der aktuelle Zufluss in die Talsperre spiegelt das nicht im Ansatz wider.

Ausgedörrte Böden saugen das Wasser auf

„Im Moment fließt etwa die Hälfte dessen in den See, was früher bei so einer Wetterlage ankam“, schätzt Cemus. Die Ursache liegt in den ausgedörrten Böden des Talsperren-Einzugsgebietes. Sie saugen das Nass auf wie der sprichwörtliche, trockene Schwamm. „Ich habe dazu auch schon mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde telefoniert“, fügt Jiri Cemus hinzu.

Der tagesaktuelle Dürremonitor des Helmholtz-Institutes für Umweltforschung bestätigt das: In 1,80 Meter Tiefe der Böden stellt es selbst nach den erheblichen Regen- und Schneefällen der vergangenen Wochen noch Kategorie vier bis fünf von fünf möglichen Trockenheitsstufen in der Region fest.

WSA hat mögliche Hochwasserlagen im Blick

Ein zweiter Umstand begünstigt offenbar das Einsickern großer abtauender Schneemengen. Der harte Frost über mehrere Tage und Nächte trat erst ein, als der Schnee bereits lag. Die isolierende Kraft der weißen Pracht verhinderte, dass der Boden bis in tiefere Lagen gefror, die sonst erst hätten auftauen müssen, bevor sie Schmelzwasser hätten aufnehmen können.

„Wir passen die Bewirtschaftung der Talsperre an diese Umstände an“, sagt Cemus. Das WSA ist verpflichtet, zwischen Winter und Frühjahr einen gewissen Hochwasserschutzraum in der Talsperre frei zu halten, dessen flexible Größe sich unter anderem an der Schneeschmelze und deren Auswirkungen auf mögliche Hochwasserlagen orientiert. Die Saugwirkung der Böden verringert die Hochwassergefahr.

Über 170 Millionen Kubikmeter Wasser sind aktuell im Edersee

Mehr als 170 Millionen Kubikmeter Wasser befinden sich zur Zeit im Edersee. Das sind rund 30 Millionen Kubikmeter mehr als im langjährigen Durchschnitt seit dem Bau der Talsperre.

Setzt im kommenden Frühjahr anhaltend Trockenheit ein, könnte dieses Polster allerdings rasch wieder aufgebraucht sein, zeigen die Erfahrungen des jüngsten Jahrzehnts.

Die Forderungen aus der Edersee-Region, auch während der Sommermonate deutlich zurückhaltender mit der Wasserabgabe zu sein als bisher, verstummen darum nicht. Die Petitionen der Kommunen aus der Erlebnis-Region Edersee mit entsprechender Stoßrichtung unterstreichen diese Bemühungen.

Und auch an der Oberweser erhöht sich bei manchen die Bereitschaft, über weitere Sparmaßnahmen in der warmen Jahreszeit nachzudenken. Denn es dauerte 2020 vom Ende der Ablass-Saison Ende August – da war der Inhalt unter die ominöse Grenze von 40 Millionen Kubikmeter gefallen – bis kurz vor den Jahreswechsel, bevor Schiffsverkehr auf der Oberweser wieder möglich wurde. Das brachte auch dort erhebliche Einbußen mit sich. (Matthias Schuldt)

Der Taucherbaum am Edersee steht noch im Trockenen.

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