Auch wenig Müll ist noch zu viel

Aktion „Saubere Landschaft“ Vereine und Ortsbeiräte im Waldecker Land unterwegs

Sie engagieren sich gerne für eine saubere Landschaft: Heinrich Wille (links) und der stellvertretende Ortsvorsteher Eckhard Franke. Foto: STEFANIE RÖSNER

Twistetal-Gembeck. Etliche Vereine und Ortsbeiräte im Waldecker Land laden jetzt im Frühling zu großen Reinigungsaktionen rund um ihre Orte ein. Die WLZ war bei der Aktion „Saubere Landschaft“ in Gembeck dabei.

Eckhard Franke und Heinrich Wille nehmen’s leicht. Die Müllsäcke werden zwar immer schwerer. Doch sie sammeln Dreck aus dem Straßengraben und Müll vom Wegesrand, ohne ihren Humor zu vergessen. So macht die gemeinsame Aktion „Saubere Landschaft“ sogar Spaß.

„Noch mehr Sektflaschen? Hier hatte wohl jemand was zu feiern“, spotten sie.

Heinrich Wille, Eckhard Franke und Friedrich Franke bilden diesmal ein Team. Ich begleite sie auf ihrem circa fünf Kilometer langen Weg, der zunächst in Richtung eines Hofes mit dem Namen Ober-Gembeck führt, am Sportplatz entlang, westlich gen Wirmighausen, vorbei an monoton leise surrenden Windmühlen und über die Landesstraße zurück ins Dorf. Sie dringen in dicht gewachsene Büsche vor, um alte Getränkedosen herauszuholen. Ein Wanderer begegnet uns. „Ihr tut was Gutes?“

Wir finden Bierflaschen mit der Aufschrift „ohne Alkohol“ – „immerhin“, scherzt Eckhard Franke – und Schnapsflaschen zwischen Gras und Gestrüpp: „Hier ist jemand umgestiegen. Früher trank man ,Erntegold’, heute ist es ,Bauerndank’.“

Franke lacht. Und findet es trotzdem nicht witzig. Rund ums Dorf sammeln die freiwilligen Helfer aus Gembeck säckeweise Abfälle, die andere einfach in der Landschaft entsorgen. Wir entdecken vergilbte Verpackungen von Schokoriegeln, leere Kaugummi-Dosen, zerfledderte Folien. Mit Arbeitshandschuhen, Gummistiefeln und Sicherheitswesten ausgestattet sind ein paar engagierte Gembecker zwei Stunden lang unterwegs. Sie nehmen sich vier verschiedene Routen vor. Sie bücken sich, knien sich, recken sich, so dass bloß nichts liegen bleibt.

Der Ortsbeirat und die Vereine hatten wie jedes Jahr zu der Aktion eingeladen. Der Förderverein des Dorfes hatte diese vor 20 Jahren ins Leben gerufen, lange vor dem Trend, dass Menschen sich weltweit über Netzwerke im Internet organisieren und unter modern klingenden Namen wie „Trashtag“ und „Plogging“ Fotos posten, die sie beim Müll sammeln zeigen.

Geduldig tuckert Friedrich Franke mit seinem alten roten Trecker vor uns her. Der 84-jährige Ehrenortsvorsteher ist wie selbstverständlich dabei, wenn die Dorfgemeinschaft was vorhat. Auf einer Ladefläche schleppt sein Massey Ferguson einen Sack für den Restmüll und einen für Altglas, das Heinrich Wille und Eckhard Franke gleich im Anschluss in die dafür vorgesehenen Container werfen.

Die vielen achtlos weggeworfenen Plastikverpackungen lassen sich nicht zählen. Die Bandbreite an Bonbonpapier entlang der Landesstraße nach Vasbeck ist so vielseitig wie das Angebot im Regal des Einzelhandels.

„Jeder zahlt doch Gebühren für die Mülltonne Zuhause, da kann er das Zeug doch auch dort entsorgen“, sagt Heinrich Wille kopfschüttelnd.

Sprachlos macht die Helfer ein Müllhaufen am Steinberg, wo jemand illegal Fensterscheiben, Fliesenreste, Möbel und anderen Schrott entsorgt hat. Die Gembecker hoffen hier auf die Unterstützung der Gemeinde, damit der Müll beseitigt wird.

Es kann schon frustrierend sein. Ich entdecke den Kunststoffdeckel eines Kaffeebechers, der beim Auflesen aber wie ein Keks zerbröselt und somit kaum zu entfernen ist.

„Der Müll im Dorf ist in den letzten Jahren weniger geworden“, freut sich der Ortsvorsteher Frank Merhof. Doch vor allem die Straßen außerhalb des Dorfes sehen manche Autofahrer offenbar als Mülldeponie an. Fenster runter, Müll raus. Ein Ärgernis aus der Sicht der Dorfbewohner, denen viel an einer sauberen Umgebung liegt. Trotzdem sind sie sich nicht zu schade, den Abfall anderer Menschen zu entsorgen.

Mit der Serie „Wir sind dran“ stellt die WLZ positive Beispiele für lokalen Klima- und Umweltschutz vor. Anregungen sind willkommen – unter 05631/560-150 oder per Mail: wirsinddran@wlz-online.de.

Bildergalerie "Saubere Landschaft" Gembeck

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