Kirchspiel Twiste-Waroldern 

Wegen Corona auf YouTube: Wie Andachten aus Twistetal in Ausnahmesituation  ankommen 

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Ingolf Ullrich unterstützt Pfarrer Matthias Westerweg bei Aufzeichnung und Verbreitung seiner Online-Predigten in der Corona-Krise. Die Andacht für die Karwoche wurde im Wohnzimmer des Pfarrers ausgezeichnet. 

Wegen der Corona-Krise werden die Predigten aus dem Kirchspiel Twiste-Waroldern von Pfarrer Matthias Westerweg auf YouTube übertragen. So komme sie an.

  • Wegen der Corona-Krise sind große Versammlungen derzeit verboten.
  • Darunter fallen auch Gottesdienste.
  • Das Kirchspiel Twiste-Waroldern überträgt daher seine Predigten auf YouTube.

So viel Resonanz wie auf die YouTube-Predigten aus dem Kirchspiel Twiste-Waroldern kann sich Pfarrer Matthias Westerweg für die Gottesdienste zu normalen Zeiten wünschen. Doch die Variante aus dem Internet sei in der Corona-Krise nur eine Notlösung.

„Wir erleben gerade, wie unser Alltag auf den Kopf gestellt wird“, brachte der Pfarrer des KirchspielsTwiste-Waroldern, Matthias Westerweg, die Ausnahmesituation in der Corona-Pandemie in seiner Video-Andacht auf den Punkt. Inzwischen hat er vier solcher Andachten aus drei Kirchen produziert.

Predigten in Corona-Zeiten auf YouTube: Das bringen neue Medien 

„Das ist nur eine Notlösung aufgrund der behördlich angeordneten Kontaktbeschränkungen“, betont Westerweg, der erst Ende vorigen Jahres neuer Pfarrer in dem Kirchspiel mit vier Gemeinden wurde. Alle diese Regelungen schränkten das Gemeindeleben erheblich ein.

Wie erreicht Kirche die Menschen gerade in den dörflichen Bereichen? Da biete der Einsatz neuer Medien eine Möglichkeit und erhalte die bereits vor der Pandemie begonnene Diskussion über dieses Thema in der Kirche auch einen Schub. Pfarrer Westerweg betont, dass der Gottesdienst nicht durch YouTube-Videos oder Streaming-Live-Formate zu ersetzen sei. In dem derzeitigen Ausnahmezustand mit einschneidenden Kontaktbeschränkungen böten Online-Formate eine Möglichkeit zumindest der virtuellen Begegnung.

Predigten in Corona-Zeiten auf YouTube: Persönliche Reaktionen wichtiger

Eine solche Resonanz, wie sie zumindest anhand der Klicks zu erkennen ist, würde sich ein Pfarrer auf dem Lande nur wünschen: Die erste Andacht vom 22. März wurde zum Stand 1. April 316-mal von dem YouTube-Kanal KirchspielTwiste-Waroldern aufgerufen, und 25 Abonnenten haben sich bei dem Angebot registrieren lassen.

Pfarrer Westerweg kommentiert diese von der WLZ notierten Zahlen mit dem Hinweis, dass es ihm nicht auf Klickzahlen ankomme. Wichtige seien ihm das persönliche Echo.

Positives Echo für Predigten in Corona-Zeiten auf YouTube

Die bisherigen Reaktionen auf die etwa 15- bis 20-minütigen Video-Andachten seien positiv, berichtet Westweg. So hätten ihn E-Mails von Menschen erreicht, die aus dem Kirchspiel stammten, nicht mehr in der Region wohnten, aber die Andachten gesehen hätten.

Auch wenn die Menschen nicht alle in normalen Zeiten zum Gottesdienst gingen, so spüre er eine große Verbundenheit in den Gemeinden. Das freue ihn auch, weil er als neuer Pfarrer erst dieses Kirchspiel und die Menschen kennenlerne: „So ganz falsch kann ich mit dem Online-Angebot nicht liegen.“ Auch die analoge Form wird ansatzweise gewahrt: So werden die Predigtexte in den vier Kirchen ausgelegt, die Gotteshäuser sind zu bestimmten Zeiten geöffnet. Im Gegensatz zu Live-Streaming von Gottesdiensten setze er für die vorproduzierten Andachten auf deutlich kürzeres Beiträge.

So reagieren Senioren auf Predigten in Corona-Zeiten auf YouTube

Seine Erfahrung zeige auch, dass ältere Menschen besser mit Internetangeboten zurecht kämen, als allgemein gedacht werde. Und wer mit Computern nicht umgehen könne, bekomme durch Kinder oder Enkel Hilfe. 

Pfarrer Westerweg freut sich über die Mitwirkung von Ingolf Ullrich aus Ober-Waroldern, der mit professionellem Einsatz die Beiträge für YouTube erstelle. Der passionierte Videofilmer bringe Erfahrungen aus Beträgen über Veranstaltungen im Ort mit. 

Besondere Regeln für Predigten in Corona-Zeiten auf YouTube

Bei den Produktionen müssen in den Kirchen die vorgeschriebenen Abstände eingehalten werden. Neben Pfarrer Westerweg und Ullrich ist nur noch der Organist oder die Organistin anwesend. Für den Gründonnerstag ist die Kirche in Ober-Waroldern wieder als Drehort auserkoren worden. 

Eigentlich sei die Teilnahme der Gemeindeglieder an dem dafür vorgesehenen Abendmahl wichtig, doch zum Schutz vor einer Ausbreitung des Coronavirus geht das nicht. So wird eine „Nacht der verlöschenden Lichter“, wie in anderen Gemeinden üblich, gefeiert. Die Gegenstände für das Abendmahl werden für den Video-Beitrag auf den Altar gestellt. 

 Corona: Höhepunkt im Kirchenjahr

Auch für den Ostergottesdienst versucht Pfarrer Westerweg eine Andachtsform zu finden, die diesem Höhepunkt im Kirchenjahr gerecht wird. Eine Osternacht mit ihrer eigenen Stimmung funktioniere in dem Format nicht. Daher denke er über eine musikalische Gestaltung nach. - Doch auch er hofft darauf, dass bald wieder die Menschen zusammenkommen können und mit ihnen Gemeindeleben gestaltet werden kann.

Von Armin Haß

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