Treiben in Wald und Flur

Drückjagd Ober-Waroldern endet mit außergewöhnlichem Ergebnis

Drückjagd in Ober-Waroldern. Verblasen der Strecke.
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Drückjagd in Ober-Waroldern. Verblasen der Strecke.

Bei strahlendem Sonnenschein erbrachte die Drückjagd in Ober-Waroldern das beste Ergebnis der vergangenen Jahre, wie Jagdpächter Gerd Paschmann schwärmte.

Twistetal-Oberwarolsern – „Hoop, hop, hop“, tönt es vielstimmig im herbstlichen Wald. Es ist Drückjagd im Jagdrevier bei Ober-Waroldern. Bei sonnigem Wetter war die Jagdgesellschaft um den Pächter Gerd Paschmann außergewöhnlich erfolgreich.

Schützen, Treiber, Hunde im Einsatz

Der Jagdpächter vom Niederrhein hatte zur alljährlichen Drückjagd eingeladen. Am frühen Samstagvormittag fuhren die insgesamt 37 Schützen mit ihren Autos zuden Hochsitzen und improvisierten Schießständen zwischen den Gemarkungsbereichen Haustätten und Hagen und hielten die Stellung.

Die Kälte der Nacht hält sich trotz des strahlenden Sonnenscheins vor allem in den Senken und in dem Waldttal zwischen Berndorf und Ober-Waroldern. Bis die Treiber Sauen und Rehe vor das Visier aus den Dickungen scheuchen, müssen sie noch eine Weile warm verpackt ausharren.

Mit Lärm Wild aufscheuchen

In Traktorgespannen rücken die Männer und Frauen an, die in den folgenden zwei Stunden das Wild aufscheuchen sollten. Auch der WLZ-Reporter rüstete sich für die Tour quer durch das Unterholz. „Hophophop“ oder „Heia“ rufen die Treiber, mit dicken Stöcken auf den Waldboden oder Holzhaufen schlagend. So bekommt der Ausdruck „Auf den Busch klopfen“ eine besondere Bedeutung.

Das gute Dutzend Treiber unter Leitung von Dieter drebes, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft und passionierter Jäger, wird durch die Hundeführer verstärkt. Die Vierbeiner flitzen durchs Unterholz, bellen, wenn sie Wild wittern oder ein Reh aufgebracht wird.

Jagdhunde leisten ganze Arbeit

Die Jagdhunde leisten ganze Arbeit, legen etliche Kilometer mehr zurück als die zweibeinigen Jagdkameraden. Das Treiben durch den herbstlichen Laubwald mit seinen Eichen und Buchen, mit Birken und zwischendrin einigen Tannen und Fichten erfordert auch von den Treibern Ausdauer. Schließlich geht es in dem hügeligen Gelände auf und ab.

Wenn nur nicht die kreuz und quer liegenden Fichtenstämme und das Gestrüpp nicht wäre! Und dann noch die Brombeerranken, in denen man sich hoffnungslos verheddern kann.

„Hophophop!“ - Die Stimmen der Nachbarinnen zur Rechten und des Nachbarn zur Linken entfernen sich, jetzt gilt es Anschluss zu halten.

An einem Waldweg ist Pause, es gibt kühle Getränke, Mettwurst und süße Knabbereien. Vor allem Flüssigkeit ist jetzt nach schweißtreibendem Einsatz angesagt.

Bei der Drückjagd in Ober-Waroldern durchqueren Treiber in signalfarbenen Westen ein Windwurfgebiet.

Etwas später ein unplanmäßiger Halt. Eine Treiberin hat sich einen Schuh ausgezogen. Durch die Sohle ihres Joggingschuhs hat sich ein Zweig gebohrt, der nun auf den Fuß drückt. Das Malheur, sprich: das bleistiftdicke und drei Zentimeter kurze Stück Zweig ist jedoch schnell mit dem Korkenzieher eines Taschenmessers entfernt.

In dem vom Wald eingerahmten Wiesental haben Jäger Stellung auf Hochsitzen oder an Holzstößen bezogen. Sie warten auf das Wild, das von den Treibern aufgescheucht und vor die Mündungen ihrer Gewehre läuft. Schüsse knallen.

So schützen sich die Treiber

Die Treiber sind ebenso wie die Schützen zwar mit dunklen Hosen und Jacken bekleidet, doch tragen sie darüber knallrote Warnwesten und Kappen. Schließlich soll kein Treiber für jagdbares Getier gehalten werden.

Plötzlich flitzt ein Reh durch den Wald auf die Lichtung. Schüsse ertönen aus verschiedenen Richtungen, an dem Tag sind drei weitere Jagden in Twistetal angemeldet. Speziell auf Sauen sind die Jäger aus.

Schutz des Waldes und vor Seuche

Im Kampf gegen die längst in Deutschland angekommene Afrikanische Schweinepest soll Schwarzwild geschossen werden. Jagd also auch in offizieller Mission. Auch das Rehwild muss dezimiert werden, um den neuen Wald vor Verbiss zu schützen.

Überraschung nach dem Treiben: Eine Sau flüchtet übers Feld.

An einer Feldscheune mitten in der Feldgemarkung und schon wieder mit Blick auf den Kirchturm von Ober-Waroldern endet das Treiben. Die Jagd jedoch noch nicht ganz: Plötzlich wetzt eine Sau über die weite Wiese talabwärts, springt über einen Graben, läuft über den Wirtschaftsweg und verschwindet im Wald. Zu schnell, um dort abgeschossen zu werden.

In umgekehrter Richtung springt ein Reh über die Wiese und verschwindet hinter einer Anhöhe. Ein Schuss kracht. Die jagdliche Strecke scheint größer zu werden.

Außergewöhnliches Ergebnis

Am Ende liegen neun Sauen, sieben Stück Rehwild, alle fachgerecht mit scharfen Messern aufgebrochen, zwei Füchse und ein Waschbär auf dem letzten Lager aus grünen Fichtenzweigen. Jagdherr und Pächter Gerd Paschmann aus Gooch ist mehr als zufrieden: „Das ist ein supertolles Ergebnis, so etwas hat es hier noch nicht gegeben.“

Die Strecke ist gelegt und wird coronagerecht mit Abstand verblasen: Sauen, Rehe, Füchse und ein Waschbär.

Dem Wild erweisen vier Jagdhornbläser die letzte Ehre, jagdliches Brauchtum wird hier gepflegt. Nach dem Corona-Hygiene-Konzept mit Abstand zu den Zuhörern in freier Landschaft.

„Kein Spaß, das war‘s“

Statt des gemeinsamen Jagdessens gibt es Würstchen und selbst gebackenen Kuchen, den die Gattin des Jagdpächters mitgebracht hat.

„Das ist das offizielle Ende der Jagd. Kein Schüsseltreiben. Kein Spaß, das war's“, sagt Paschmann schließlich etwas wehmütig. (Von Armin Haß)

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