Ulrike Schüttler stellt altes Handwerk vor

Ausbildung auf dem Webstuhl: Eigene  Stoffe gestalten

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Hier ist Ulrike Schüttler in ihrem Webstuhl schon weit vorangekommen. Der Stoff der späteren Tischdecke entsteht in unzähligen Stunden Handarbeit.

Ulrike Schüttler präsentiert ihre selbst gewebten Kleidungsstücke bei der aktuellen Ausstellung „Gib Stoff!“  im Korbacher Bonhage-Museum.

Bei ihr hat es gewirkt, denn seit Sommer darf sich die Mühlhäuserin Diplom-Handweberin nennen. Was zuerst im Einlesen von Büchern und sehr theoretisch begonnen hatte, endete in neun Modulen einer Webausbildung bei der Zürcher Stalder AG in der Schweiz.

Die ersten Webversuche unternahm Ulrike Schüttler, die als Naturwissenschaftlerin Chemie und Biologie studiert hat, auf einem selbst restaurierten Webstuhl. In einem Buch wurde die Autodidaktin schließlich auf die Ausbildung zur Handweberin in der Nähe von Bern aufmerksam.

Das Weben selbst ist reine Konzentrationssache, von der Planung bis zum Aufbäumen, sagt Ulrike Schüttler, die weiß, dass sich ein gutes Webstück schon mit einer ordentlichen Kette ganz zu Beginn der vielfältigen Vorarbeiten entscheidet.

Eigene Muster in den Stoff gewebt

Das Spannendste am Webvorgang findet ihrer Meinung nach schon vor dem Anweben statt, denn bis dahin fließt viel Kreativität in die Planung des Musters und die Wahl der Farben sowie des Materials.

So setzte sich auch die Diplomprüfung aus dem Design und der Planung, der Eignung des Gewebes, der Ausführung und der Dokumentation zusammen. Nach ihrer dreijährigen Webausbildung entschied sich die sechsfache Oma zu einem Tischläufer mit einem selbst erdachten Muster und einer Jacke aus pinkfarbenem Seidengarn, die sich gut zu weiß und schwarz, aber auch zu Jeans kombinieren lässt.

In der Jacke, die sie auch selbst zugeschnitten und genäht hat, spiegelt sich ihre Faszination für die Vielfalt der Farben und Materialien.

In anderen Ländern noch weit verbreitet 

In anderen Ländern wie der Schweiz und Schottland ist das Weben noch weiter verbreitet als in Deutschland. Hier beherrscht die Handwerkskunst, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch zum Alltag vieler Frauen gehörte, kaum noch jemand.

Früher konnten zwar oft nur ein oder zwei Frauen im Ort einen Webstuhl einrichten, weben konnten aber alle Frauen, die sich aus Leinen alles von der Tischdecke und dem Geschirrtuch über die Bettwäsche bis zu Stoff für Kleider selbst gewebt haben. Lust, ihr Wissen weiterzugeben, hat die ehemalige Lehrerin der Alten Landesschule schon. Doch noch ist sie berufstätig. Aber vielleicht interessiert sich auch einmal eine Schulklasse dafür, hofft sie.

Einen Eindruck davon, wie ein Webstuhl eingerichtet wird und welche Möglichkeiten er in punkto Farben und Muster bietet, können sich Besucher der Ausstellung „Gib Stoff!“ verschaffen, die ab Samstag, 23. November, im Korbacher Bonhage-Museum eröffnet wird.

Am Samstag, 14. Dezember, leitet Ulrike Schüttler im Museum von 14.30 bis 16.30 Uhr einen Workshop zum Thema „Weben live und in Farbe“. (Von Heike Saure)

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