Hoffnung auf Zuschüsse aus Landesprogramm "Baulandoffensive Hessen"

Bauausschuss berät: Was wird aus Wilke-Gelände?

Listerien-Fund bei Firma Fleischwaren Wilke in Berndorf. Foto: Elmar Schulten
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Was wird aus der leerstehenden Wurstfabrik Wilke in Berndorf?

Neun Monate nach der amtlich angeordneten Schließung der Fleischwarenfabrik Wilke ist immer noch völlig offen, was aus dem riesigen Gelände an der Ortsdurchfahrt von Berndorf geschehen soll.

Twistetal. Vor allem möchten die Gemeindevertreter verhindern, dass mitten im Ort auf Dauer eine Industriebrache bestehen bleibt. Der mächtige Betonklotz unmittelbar an der Ortsdurchfahrt gelegen war noch nie Anwärter für einen Architekturpreis. 

Der Bauausschuss der Gemeinde hat bei seiner Sitzung am Montag empfohlen, dem Vorschlag des Gemeindevorstands zu folgen und vorsorglich Fördermittel aus dem Landesprogramm „Baulandoffensive Hessen“ zu beantragen. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob es sinnvoll wäre, wenn die Gemeinde das Gelände erwirbt, die Gebäude abreißt und eine Planung für eine neue Wohnbebauung erarbeiten lässt.

Große Nachfrage nach Bauland im Speckgürtel von Korbach

Der Ausgang dieses Vorhabens ist völlig offen, weil derzeit weder bekannt ist, welche Förderhöhe zu erwarten wäre, und ob das Grundstück überhaupt an gekauft werden kann. Bürgermeister Stefan Dittmann berichtete im Ausschuss, dass das Förderprogramm eigentlich an die Auflage gebunden sei, dass im Ort Wohnungsnot bestehe. 

Dieses Kriterium könne man immerhin mit Verweis auf die große nachfrage nach Bauland erfüllen, so Dittmann. Unklar sei aber, ob das Förderprogramm auch den Bau eines Kindergartens ermögliche. Solche Fragen müsse eine Machbarkeitsstudie beantworten.

Todesfälle durch Listerien in der Wurst vermutet

Außerdem verwies der Bürgermeister auf den Insolvenzverwalter der Firma Wilke, der nach wie vor  einen Kaufpreis von 1,7 Millionen Euro aufrufe und erklärt habe, dass es Kaufinteressenten gebe. 

Das Unternehmen war Ende 2019 insolvent geworden, nachdem der Landkreis am 2. Oktober 2019 die Produktion gestoppt hatte. In Wurstwaren waren Listerien nachgewiesen worden. Die Keime können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. 37 Krankheitsfälle, darunter drei Todesfälle, werden damit in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen den Geschäftsführer, die stellvertretende Geschäftsführerin und den Produktionsleiter unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und gewerbsmäßigen Betrugs.

Bei der politischen Aufarbeitung des Listerien-Skandals wurde  auch die Frage diskutiert, ob die Lebensmittelkontrolle über Jahre hinweg zu lasch gehandhabt worden sei. Zu lange habe man sich auf die Eigenkontrollen des Unternehmens verlassen, so der Vorwurf, der auch in Wiesbadener Landtag diskutiert wurde.

Maschinen wurden versteigert

Inzwischen stehen die Produktionshallen leer. Die meisten Maschinen wurden bei einer Versteigerung verkauft und sind längst abtransportiert.

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