Kontroverse Diskussion im Twistetaler Gemeindeparlament

Baugebiet auf dem Berndorfer Haubert ist vom Tisch

Luftbild von Berndorf. Das geplante Neubaugebiet ist mit einem roten Kreis markiert.
+
Auf einem 10.000 Quadratmeter großen Acker am Ortsrand von Berndorf (markiert durch einen roten Kreis) wollen drei Immobilienentwickler aus Korbach ein neues Wohngebiet entwickeln. Orientierungshilfe: Unten rechts liegt das Freibad, in der Bildmitte das ehemalige Wilke-Gelände.

Das Gemeindeparlament hat den Antrag einer Korbacher Immobilien-Firma abgelehnt, eine rund 10.000 Quadratmeter große Wiese auf dem Berndorfer Haubert als Baugebiet auszuweisen und dort eine bis zu vierstöckige Bebauung zuzulassen.

Twistetal-Berndorf - Im Namen der Investoren sprach Andreas Göpel aus Korbach von einer gefälligen Bebauung und einer Chance für die Region.

CDU-Fraktionsvorsitzender Christoph Dietzel jedoch bezeichnet die Fläche als „denkbar ungeeignet“, zum einen sei die Verkehrsanbindung so, dass entweder das Baugebiet Kupferstraße, oder aber die Schulstraße am Kindergarten belastet werde. Zum anderen habe die Wasserleitung am Haubert schon jetzt zu geringen Druck.

„Was danach abgegangen ist, das war absurd“

Überhaupt passe so ein großes Bauprojekt mit vierstöckigen Häusern nicht an den Dorfrand. Niemand habe bisher von dem Landwirt in dem unmittelbar angrenzenden Bauernhof gesprochen. Dessen Existenz sei durch die massive Wohnbebauung bedroht.

Schließlich beklagte Dietzel, was nach der Ortsbeiratssitzung zu diesem Thema „abgegangen“ sei: Ortsbeiratsmitglieder seien vielfach bedrängt und unter Druck gesetzt worden. Dietzel: „Das war absurd.“

Paul: „Das war unter der Gürtellinie“

SPD-Sprecher Patrick Paul, selber Ortsvorsteher von Twiste erklärte dazu: „Ich verstehe diese Bedenken. Das war unter der Gürtellinie.“ Es habe Anrufe beim Ortsvorsteher gegeben und der Vorwurf der Bestechlichkeit sei erhoben worden. Dennoch erinnerte Paul: „Es geht hier nur um den Aufstellungsbeschluss.“ Alle Details würden später im Planverfahren geklärt.

Aus Sicht der Freien Wähler erklärte Marcel Fingerhut, die Vermarktung des gemeindeeigenen Wilke-Geländes gehe erst mal vor. Kai Krummel (FDP) erinnerte daran, dass Planverfahren lange Zeit benötigten. Wenn die Gemeinde vom aktuellen Bauboom profitieren wolle, dann müsse es schnell gehen. Der Zeithorizont betrage etwa fünf Jahre.

Vom Bauboom profitieren

In die gleiche Kerbe schlug Rolf Rauschkolb (SPD): „Wir wollen doch immer mehr Einwohner gewinnen. Dann dürfen wir auch keine Investoren abweisen, die Wohnungen schaffen wollen.“

Versöhnlich gemeint war der Antrag der Grünen, sich bei der weiteren Planung den Rat der Hessischen Landgesellschaft einzuholen. Deren Expertise könne helfen, die städtebauliche Entwicklung in Berndorf besser zu planen. Berndorf sei nämlich inzwischen so groß geworden, und quasi als Vorort von Korbach zu sehen, dass man nicht mehr von einer Dorfentwicklung sprechen könne.

Anträge mit breiter Mehrheit abgelehnt

Bei der anschließenden Abstimmung verliefen die Meinungen quer durch alle Fraktionen. Der Grünen-Antrag, die HLG einzuschalten, wurde mit 13 Nein-Stimmen bei nur fünf Ja-Stimmen und fünf Enthaltungen ebenso abgelehnt wie der Antrag der Investoren, einen Bebauungsplan aufzustellen. (Elmar Schulten)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare