Michel Brommana fordert mehr Druck

Erste Bilanz des ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuers in Twistetal

Eine neue Lehre als Elektromechaniker hat der Syrer Mohammed Hajjnaasan bei dem Mühlhäuser Unternehmer Wiolfgang Bu nte (rechts) begonnen. Über diese Fortschritte freut sich der ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer der Gemeinde Twistetal, Michel Brommana. Foto: Armin Haß

Twistetal – Ernüchternd fällt die Bilanz des ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuers in Twistetal, Michel Brommana, nach vier Jahren aus. Von den 70 Flüchtlingen üben gerade etwa zehn eine Arbeit aus oder durchlaufen sie eine Ausbildung.

Die meisten Flüchtlinge haben einen Aufenthaltstitel, dürfen also arbeiten. Ein junger Mann bekam eine Ausbildungsstelle als Maurer und Fliesenleger, ein anderer trat eine Lehre bei einem Heizungsbau-Unternehmen an. Drei arbeiten in einem holzverarbeitenden Betrieb.

Sie strengen sich an

Ein junger Erwachsener, der in Syrien als Elektriker tätig war, durchläuft nun bei einem Twistetaler Handwerksbetrieb eine Lehre, um für eine berufliche Tätigkeit hierzulande qualifiziert zu werden. Der Arbeitgeber sei zufrieden, berichtet Brommana. Überhaupt seien die Betriebsinhaber offen, schließlich würden qualifizierte Arbeitskräfte in Deutschland gesucht.

Ein wenig komisch sei es schon, wenn er als Ältester zwischen den gerade um die 20 Jahre jungen Auszubildenden den Berufsschulunterricht besuche, sagt Mohammed Hajjnaasan.

Das hat er erreicht

Der Mittvierziger hat im vorigen Sommer eine Lehre beim Steuerungsbaubetrieb von Wolfgang Bunte in Mühlhausen begonnen. Der Syrer hat den jungen Mitschülern vieles voraus, mit dem aus einem vom Krieg gezeichneten Land geflohenen Mann tauschen will freilich keiner. 

Doch von seinem Ehrgeiz und seiner Entschlossenheit, in Deutschland mit seiner Familie Fuß zu fassen, kann wohl mancher Einheimischer noch was lernen. Christian Fingerhut, der hauptamtlich bei der Gemeinde die Betreuung der Flüchtlinge koordiniert, erinnert sich noch gut, wie hartnäckig sich Hajjnaasan sich um Sprachkurse und ein Vorankommen für seine Familie eingesetzt hat.

Die Herausforderungen

Vor dreieinhalb Jahren kam der Syrer als Flüchtling in die Gemeinde Twistetal. Nach 900 Stunden Deutschkurs hat er das relativ hohe Sprachniveau B 1 erreicht. Als ausgebildeter Elektriker hatte er es in Syrien mit vergleichsweise einfachen Geräten zu tun.

Im Steuerungsbau bei Wolfgang Bunte taucht er ein in die komplexe Welt moderner technischer Systeme. Er selbst ist mit sich zufrieden, sein Lehrherr, bei dem er zunächst drei Praktikumsmonate absolvierte, freut sich auch über die Fortschritte des Lehrlings. Bei ihm lernt der Syrer nun auch die für ihn völlig unbekannten Fachbegriffe.

Kinder besuchen Schulen

Hajjnaasan wohnt mit Familie in Twiste und fährt sein eigenes Auto. Der achtjährige Sohn besucht die Grundschule in Twiste, der Zwölfjährige geht zur Christian-Rauch-Schule nach Bad Arolsen. Und die 16-jährigen Zwillingstöchter sind auf der Kaulbach-Schule.

„Hier klappt alles einhundertprozentig“, freut sich Flüchtlingsbetruer Michel Bromana. Der Auszubildende aus dem Mittleren Osten erfahre auch eine gute Zuwendung.

Rüstzeug fürs Leben

„Bisher hat der deutsche Staat für den Flüchtling bezahlt. Nun bekommt der junge Mann in dem Elektrobetrieb das Rüstzeug, um seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, um Steuern und Sozialabgaben zu entrichten“, sagt der 69-Jährige. Das sei schließlich das Ziel, das aber nur von wenigen bisher erreicht worden sei.

 Immerhin: Hinter den in Twistetal in einem Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis stehenden zehn Männern, stehen insgesamt zehn Frauen und 20 Kinder, wie Brommana einräumt. Dennoch reicht es ihm nicht. Denn 30 weitere Flüchtlinge zeigen keine Fortschritte beim Deutschlernen oder bei dem Finden einer Arbeit. 

"Das schmerzt"

Nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten mit der Orientierung in einem fremden Land kommen Probleme wie Schulden oder Konflikte in der eigenen Familie. 

Angesichts der eigenen, erfolgreich verlaufenen Integration in Deutschland vor rund 50 Jahren ist der gebürtige Libanese entäuscht darüber, dass noch erwachsene Flüchtlinge in Twistetal kaum oder gar keine Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache machten: „Es schmerzt.“

Druck gefordert

 Der Diplomingenieur für Maschinenbau beklagt, dass Flüchtlinge in Twistetal sich nicht ausreichend um Ausbildungsplätze oder feste Jobs bemühten. Brommana vermisst eine stärkere Kontrolle durch die Behörden und mehr Druck auf die Menschen, damit ihre Integration gelingen kann. „Ich will nicht, dass die Menschen zurückgeschickt werden, doch wir müssen von ihnen auch alle Anstrengungen für ihre Eingliederung fordern.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare