Wegen Bränden in Darmstadt vor Gericht

Ehemaliger Twistetaler Brandstifter erneut zu Freiheitsstrafe verurteilt

Die 15. Landgerichtskammer mit dem Vorsitzenden Richter Daniel Kästing verurteilte einen früheren Twistetaler wegen Brandstiftung zu sieben Jahren Freiheitsstrafe.
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Die 15. Landgerichtskammer mit dem Vorsitzenden Richter Daniel Kästing verurteilte einen früheren Twistetaler wegen Brandstiftung zu sieben Jahren Freiheitsstrafe.

Ein 26-Jähriger wurde in Darmstadt wegen Brandstiftung und versuchter schwerer Brandstiftung zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der Mann war bereits wegen mehrfacher Brandstiftung in Twiste 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Twistetal/Darmstadt – Der junge Mann wollte im südhessischen Bickenbach zur freiwilligen Feuerwehr. Der damals 24-Jährige sagte, er war schon mal bei einer Wehr in Nordhessen, die Feuerwehrleute zeigten ihm Gerätehaus und Fahrzeuge. Bei einem Einsatz wegen eines brennenden Pkw-Anhängers durfte der Interessent mitfahren.

Wegen Vortrafe aufgefallen

Aber er brachte sein polizeiliches Führungszeugnis nicht bei. Als der stellvertretende Gemeindebrandinspektor nachhakt, offenbart der Bewerber, dass er wegen Brandstiftung vorbestraft sei. Ein No-Go für eine Feuerwehr.

Das war im Sommer 2019. Diese Woche wurde der inzwischen 26 Jahre alte Mann, inzwischen Vater einer einjährigen Tochter, wegen Brandstiftung und versuchter schwerer Brandstiftung in zwei Fällen vom Darmstädter Landgericht zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

„Brandgefährlich“

„Das Wort ‚brandgefährlich‘ bekommt in Ihrem Fall eine Bedeutung“, sagte der Vorsitzende Richter Daniel Kästing zum Angeklagten. Er habe zwei Autos in Carports angezündet und in Kauf genommen, dass die nahestehenden Wohnhäuser abbrennen. Und er hat eine einschlägige Vorstrafe.

2014 hatte ihn das Landgericht Kassel wegen schwerer Brandstiftungen in Twiste in drei Fällen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Eine Jugendstrafe, die der Angeklagte voll verbüßte.

Mehrere Brände

In Bickenbach, einer 6000-Einwohner-Kommune im Kreis Darmstadt-Dieburg, lebte der Verurteilte seit 2018 mit seiner Familie mit im Haus der Schwiegermutter und der Oma seiner Frau.

Im Ort hatte es in den Monaten bis zur Festnahme des Familienvaters immer wieder gebrannt. Vier Mal in der Straße, in der auch der Verurteilte wohnte.

Feuerlöscher aus Angst griffbereit

Ein Anwohner hatte im Darmstädter Landgericht ausgesagt, dass er wegen der Brände Feuerlöscher griffbereit im Haus gehabt habe. Dem jetzt Verurteilten war die Polizei nach dem Feuer vom 11. Mai auf die Spur gekommen.

Nachts zwischen zwei und drei Uhr hatte ein Peugeot in einer Hofdurchfahrt gebrannt, den die Feuerwehr noch rechtzeitig löschen konnte, bevor das Feuer aufs Haus übergriff.

Überwachung durch Videokamera

Der Familienvater war am Abend danach einer Polizeistreife aufgefallen, die ihn kontrollierte. Als die Ermittler von der Vorstrafe erfuhren, holten sie sich Gerichtsbeschlüsse zur Videoüberwachung.

Zunächst tat sich nichts, sagte der Ermittlungsleiter im Gericht, allerdings war in der Zeit auch der Stiefvater des 26-Jährigen zu Besuch. Aber danach, am 27. Mai, in einer Nacht mit einem weiteren Autobrand, konnte die Videokamera aufzeichnen, wie der Familienvater zwischen 2 und 3 Uhr sein Haus Richtung Norden verließ, kurz darauf zurück kam und dann erneut, aber in anderer Kleidung, das Haus wieder in Richtung Norden verließ.

Brandstifter bei Schaulustigen

Der Verurteilte war stets unter den Schaulustigen, hatten Feuerwehrleute ausgesagt. Noch am Morgen wurde der 26-Jährige festgenommen.

Die Brandstiftung vom 11. Mai bestritt er. Angeklagt waren nur Fälle, bei denen die Staatsanwaltschaft mit einer Verurteilung rechnete. Über seine Motive sagte der Angeklagte nichts.

Verräterischer Brief

Das Gericht fand in der Gesamtschau aus der einschlägigen Kasseler Vorstrafe, der Vorgehensweise wie 2014, den Tatzeiten 2020 und einem Brief an die Ehefrau, dass der Angeklagte in beiden Fällen der Brandstifter war. „Das passt alles wie die Faust aufs Auge“, so der Richter. Und auch in Twistetal wollte der Angeklagte zur Feuerwehr.

Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte Autos anzündete, damit Häuser Feuer fangen. Es sah eine Parallele zu Twistetal, wo er Heuballen angezündet hatte, damit Bauernhöfe abbrennen. Auf einem Reiterhof war ein Pferd ums Leben gekommen. Die Brandserie hatte das Dorf in Angst und Schrecken versetzt..

Keine Pyromanie festgestellt

Da bei den im jüngsten Prozess angeklagten Fällen keine Menschen verletzt wurden, sei der Angeklagte „knapp an der Sicherungsverwahrung vorbeigeschrammt“, erklärte Richter Kästing. Der Sachschaden durch die Brände lag bei rund 40 00 Euro.

Der Angeklagte, bei dem ein IQ von 80 festgestellt worden war und der Hilfsarbeiter war, kommt in normale Strafhaft. Der psychiatrische Gutachter hatte beim Angeklagten, wie auch der Gutachter 2014, zwar eine hohe Wiederholungsgefahr, aber keine psychiatrische oder hirnorganische Erkrankung festgestellt; ebenso „keine Pyromanie im engeren Sinne“. (Von Marc Wickel)

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