Rund 200 Interessierte bei Informationsveranstaltung in der Twister Halle

Bürgerinitiative in Twiste macht mit wissenschaftlichen Argumenten gegen Stallbaupläne am Mühlhäuser Hammer mobil

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Mütze mit Huhn auf dem Kopf: Ralph Krombach (links) hält das Mikrofon für den Fragesteller Andreas Horenkamp aus Mengeringhausen. Bildmitte mit Huhn auf dem Kopf: Elias Koslow.

Twistetal-Twiste. Medizinische und juristische Aspekte, Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung und Betriebswirtschaftslehre sowie Beobachtungen aus der Praxis einer engagierten Tierärztin und eines Facharztes für öffentliches Gesundheitswesen prägten die Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Twiste gegen Massentierhaltung.

 Knapp 200 interessierte Bürger waren gekommen, darunter erstaunlich viele junge Leute unter 30. Zur Finanzierung der Veranstaltung ging eine Sammelbüchse rum.

„Das hier ist keine Veranstaltung gegen Bauern“, machte Ralph Brombach als Sprecher der Bürgerinitiative klar: „Wir suchen den Dialog mit den Landwirten.“ Tatsächlich waren auch einzelne Landwirte unter den Zuschauern im Saal.  

Der Landwirt, der als Investor auftritt, hatte bereits vorab gegenüber der WLZ erklärt, dass er sich zu seinen Plänen nicht weiter öffentlich wolle. Das Genehmigungsverfahren für den Legehennenstall laufe beim Regierungspräsidium. Der Landwirt vertraut darauf, dass das Verfahren nach den gesetzlichen Vorschriften abläuft.

Sie argumentieren gegen Massentierhaltung: BI-Sprecher Ralph Krombach, Andreas Grede (Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen), Veterinärin Dr. Kerstin Tönnies und der Humanmediziner Dr. Markus Schimmelpfennig (von links) bei der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Twiste gegen Massentierhaltung in der Mehrzweckhalle Twiste.   

Doch das wollen die Kritiker seiner Baupläne nicht abwarten. Ihre Sorgen brachte BI-Sprecher Ralph Krombach auf den Punkt: „Es wird stinken, die Äcker unddie Bäche, die in den Twistesee münden, werden durch Hühnerkot belastet. Es wird weiteren Lkw-Verkehr geben. Unser besonderes Anliegen ist aber der Tierschutz.“

Deshalb will die Bürgerinitiative am 9. Januar um 19 Uhr in den Räumen der Mengeringhäuser Tierschutzstiftung Arche KaNaum bei einem Workshop zeigen, wie Einwendungen gegen das Planverfahren formuliert werden sollten.

Als Humanmediziner und Fachmann für multiresistente Keime beim Gesundheitsamt Kassel machte Dr. Markus Schimmelpfennig deutlich, dass bei zu vielen Tieren auf engem Raum automatisch der Infektionsdruck steige.

 Deshalb würden in den Ställen regelmäßig Antibiotika verabreicht. Die Krankheitserreger ihrerseits würden auf die immer neuen Antibiotika-Gaben mit der Entwicklung von Resistenzen reagieren. Dadurch würden immer mehr Antibiotika beim Menschen wirkungslos. 

Die Tierärztin Dr. Kerstin Tönnies aus Hattersheim beklagte, dass die moderne Intensivtierhaltung das im Tierschutzgesetz festgeschriebene Tierwohl missachte. Auch Hühner seien Lebewesen mit Gefühlen und Intelligenz. Trotzdem würden männliche Küken getötet und einfach weggeworfen. Das sei eine Schande für die Tiermedizin und unmoralisch.

Überhaupt seien Tiermediziner eng verwoben mit dem System. Mit Geld aus der Industrie würden Gefälligkeitsgutachten geschrieben. Die beiden Mediziner bezeichneten die enge Verflechtung von Bauernverband, Lebensmittelindustrie und Bundeslandwirtschaftsministerium als „agro-industriellen Filz“, der strengere Kontrollen und Veränderungen verhindere. 

Auf die Marktmechanismen bei der Lebensmittelproduktion ging Andreas Grede von der Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen ein. In der Dritten Welt würden Regenwälder abgeholzt, um Futtermittel für die Massentierhaltung in den reichen Ländern zu produzieren. Mit Billigprodukten werde dann der Lebensmittelmarkt in Afrika beliefert, was dort die kleinbäuerlichen Strukturen zerstöre und zu den Fluchtursachen beitrage.

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