Bürgerinitiative macht gegen großen Hühnerstall am Mühlhäuser Hammer mobil

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Bürgerinitiative Twiste gegen Massentierhaltung. Informationsveranstaltung in den Räumen der Arche KaNaum in Mengeringhausen. Es spricht links Andreas Grede von der Aktionsgemeinschaft Agarwende Nordhessen e.V. (AGA). In der Mitte sitzen Nicole Henkel und Daniela Nürnberg von der Tierschutz-Stiftung Arche KaNaum.

Twistetal-Twiste. „Heimlich, still und leise“, sei das Genehmigungsverfahren für eine riesige Legehennen-Stallanlage am Mühlhäuser Hammer auf den Weg gebracht worden. So lautet der Vorwurf der neu gegründeten Bürgerinitiative Twiste gegen Massentierhaltung, die am Mittwochabend zu einer ersten Informationsveranstaltung in die Räume der Tierschutz-Stiftung Arche KaNaum in Mengeringhausen geladen hatte.

Nur durch Zufall sei einer Mitarbeiterin der Bürgerinitiative Waldeck die amtliche Bekanntmachung des Regierungspräsidiums im Staatsanzeiger aufgefallen. In den örtlichen Bekanntmachungsorganen sei davon nichts zu lesen gewesen.

Dennoch sei in den inzwischen zur Einsicht ausliegenden Planunterlagen zu lesen, dass die Gemeinde Twistetal bereits ihr Einvernehmen mit den Plänen erklärt habe, hieß es am Mittwochabend. Auch dieses Einvernehmen sei vom Gemeindevorstand ohne vorherige öffentliche Diskussion erklärt worden.

Für die meisten der rund 70 interessierten Zuhörer am Mittwochabend in den Räumen der Arche KaNaum waren diese Details nur einige von mehreren Aufreger-Gründen.

Was treibt die Mitglieder der Bürgerinitiative in Twiste an?

Vor allem geht es der Bürgerinitiative Twiste gegen die Massentierhaltung an sich, wie Sprecher Ralf Krombach betonte: „Weil es uns auf der Seele brennt, weil es fünf vor zwölf ist.“ Es gehe um die zu erwartende Geruchsbelästigung, den „wahnsinnigen Verkehr“ um Tierschutz und um den Schutz der natürlichen Ressourcen. Die in der Bürgerinitiative zusammengeschlossenen Twister und Mühlhäuser hofften darauf, dass sich ihnen mehr Menschen anschließen, die wissen wollen, was auf sich zukommt.

Krombach rechnete vor, dass jede der in dem Bauantrag genannten 43 756 Legehennen 45 Kilo futter im Jahr vertilge. Das führe zu rund 2000 Tonnen Hühnermist. Die An- und Abfuhr führe zu zusätzlichem Verkehr an einer jetzt schon stark befahrenen und unfallträchtigen Einmündung auf die Bundesstraße B252. Jeden Tag sei zudem mit einer Lkw-Ladung Frischeier zu rechnen, ergänzte Johannes Rodewyck, der als Demeter-Biobauer auf Gut Cappel selber knapp 5000 Legehennen hält.

Was sagen die Naturschutzverbände?

Deshalb wisse er sehr genau, wie aggressiv der stark ammmoniakhaltige Hühnermist sei und welche strengen Regeln beim Einarbeiten als Dünger auf den Feldern gelten. Sollten sich jedoch die trockenen Sommer wiederholen, so bestehe die Gefahr, dass der Hühnermist in die Bäche gelange.

Am Mühlhäuser Hammer vereinten sich fünf Bachläufe mit der Twiste, erläuterte Elias Koslow. Auch er fürchte, dass die Gewässerqualität leide. Deshalb wolle er mit Kommilitonen von der Universität Kassel zeitnah Wasserproben nehmen.

Detlef Volmer und Jürgen Bender, die die Naturschutzverbände BUND und NABU in Nordwaldeck vertreten, teilten die Sorge der Gewässerverunreinigung und Wiesen darauf hin, dass damit auch das FFH-Gebiet an Twiste und Watter sowie das Vogelschutzgebiet am Twistesee-Vorstau gefährdet seien. Der starke Nitrateintrag durch die Landwirtschaft in Nordwaldeck und im angrenzenden Westfalen habe die Diemel zu einem der schmutzigsten Flüsse Deutschlands gemacht. Dieser Entwicklung müsse nun Einhalt geboten werden, so Volmer. 

Gebe: Die Lebensmittelindustrie ist schuld, nicht die Verbraucher 

Andreas Grede von der Aktionsgemeinschaft Agarwende Nordhessen meldete sich zur fortschreitenden Industrialisierung der Landwirtschaft zu Wort: „Das mag vielen Landwirten als logisch erscheinen: Der Markt drängt und will alles immer billiger haben.“ In Wahrheit gebe es aber auch viele Landwirte, die bei alldem ein ungutes Gefühl hätten.

 Diesen Landwirten müsse signalisiert werden, dass sie mit ihren Bedenken nicht allein stünden. Es seien nicht die Verbraucher, die auf immer niedrigere Preise drängten. 

Schließlich gingen nur zehn Prozent der landwirtschaftlichen Produkte direkt an die Endverbraucher. 90 Prozent gingen an Großverbraucher, Großkantinen und an die Lebenmittelindustrie. So würden Eier mit der der Kennzeichnungsnummer drei für die Herstellung von Nudeln verwendet, die wiederum nicht gekennzeichnet werden müssten. 

Grede weiter: „Die EU steckt jedes Jahr fünf Milliarden Euro in die Förderung der Landwirtschaft. Das ist auch gut so, weil es hier um Lebensmittelsicherheit und Landschaftspflege geht. Dann aber muss die Gesellschaft auch fordern dürfen, dass Tierwohl und Naturschutz beachtet werden. - Wir sind die Bürger und unterstützen die Landwirtschaft. Aber dann wollen wir auch diese Gegenleistung.“ 

Was sagt der betroffene Landwirt?

Im Vorfeld der Versammlung in der Mengeringhäuser Arche hat die WLZ-Redaktion mit dem Landwirt Kontakt aufgenommen, der seine bestehenden Stallanlagen am Mühlhäuser Hammer von derzeit rund 9000 auf demnächst knapp 44.000 Legehennen und 50 Kühe aufstocken will. 

Der Landwirt sieht darin eine Chance für die zukünftige Bewirtschaftung des Hofes durch seinen Sohn und verweist auf das geltende Baurecht und das nach dem Baugesetzbuch privilegierte, landwirtschaftliche Bauvorhaben. 

Deshalb möchte er sich auch nicht in der Öffentlichkeit äußern und verzichtet auf eine Vertretung durch den Bauernverband. Schließlich habe er sehr aufmerksam verfolgt, wie die Diskussion bei der in Waldeck geplanten Hähnchenmastanlage verlaufen sei. Deshalb verweist der Landwirt auf seinen Anwalt, der „in diesen Dingen versiert“ sei und ihm von öffentlichen Äußerungen abgeraten habe. 

Wo gibt es weitere Informationen zum Thema?

Alle Informationen über die Auslegung der Pläne, die Einwendungsfristen und über Spendenkonten der Bürgerinitiative gibt es im Internet unter: www.bi-twiste.de - Am Donnerstag, 27. Dezember, lädt die Bürgerinitiative zu einer Informationsveranstaltung in die Mehrzweckhalle Twiste ein.

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