Coronavirus im Landkreis Waldeck-Frankenberg

Twister Krankenpfleger in Madrid: Freiwillig an die Corona-Front

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Der Twister Gesundheits- und Krankenpfleger Bernd Wilhelmi hat sich Anfang des Monats freiwillig für einen Hilfseinsatz in einem Madrider Krankenhaus gemeldet. Das Foto zeigt ihn in Schutzanzug mit Atemmaske und Schutzbrille.

Corona-Krise: Bernd Wilhelmi aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg ist als Freiwilliger in einem Krankenhaus in Madrid im Einsatz.

Twistetal/Madrid. Der Twister Gesundheits- und Krankenpfleger Bernd Wilhelmi ist seit einer Woche als Freiwilliger in einer voll belegten Intensivstation eines Madrider Krankenhauses im Einsatz. Gemeinsam mit Ärzten und Pflegern aus dem ganzen Bundesgebiet wurde er von seinem Arbeitgeber freigestellt, um zunächst für zwei Wochen bei den überlasteten Kollegen in Spanien auszuhelfen.

In ihren eigenen Kliniken gebe es aktuell zum Glück noch nicht so viel zu tun, meint Wilhelmi. Alle warteten auf den Ansturm. Deshalb seien genügend Kapazitäten frei, um bei den europäischen Partnern in der aktuellen großen Notsituation auszuhelfen.

Angehörige haben keine Gelegenheit Abschied zu nehmen

„Ich bin nicht verheiratet, habe keine Kinder und kann diesen Dienst übernehmen“, sagte der 25-Jährige in einem Telefoninterview mit der WLZ. Zunächst sei sein Einsatz bis zum 10. April geplant. Aber es sei durchaus denkbar, dass es noch Planänderungen gebe.

Angst vor einer Ansteckung habe er nicht, weil das Madrider Krankenhaus Quiron Salud, an dem er eingesetzt sei, gut ausgestattet sei und über genügend moderne Schutzausrüstung verfüge. Das An- und Ausziehen nehme täglich viel Zeit in Anspruch und die Arbeit in den Anzügen sei schweißtreibend. Dennoch habe er den Eindruck das Richtige zu tun.

Bernd Wilhelmi in einem Screenshot aus seiner jüngsten Videobotschaft an seine Freunde.

In einer Videobotschaft an seine Freunde und an die WLZ berichtete er jedoch von schlimmen, herzzerreißenden Szenen, die er in der provisorisch eingerichteten Beatmungsstation erlebt habe. „Die Patienten und ihre Angehörigen haben keine Möglichkeit, sich von einander zu verabschieden.

Kollegen in Notsituation unterstützen

Wilhelmi: „Es ist grausam, zu sehen, wie viele junge Leute hier liegen und beatmet werden müssen. Das Alter unserer Patienten ist zwischen 23 und 60 Jahren. Die älteren werden hier scheinbar nicht oder nur in Ausnahmefällen beatmet. Deshalb kann ich allen in Deutschland nur dringend raten, das Virus und die angeordneten Vorsichtsmaßnahmen ernst zu nehmen.“

Seine spanischen Kollegen seien aus dem ganzen Land zusammengerufen worden. Die meisten, die mit ihm arbeiteten, hätten keinerlei Erfahrung auf Intensivstationen. Insofern gehöre er als Anästhesieassistent schon zu den besser ausgebildeten Pflegern.

Er und seine deutschen Kollegen würden regelmäßig Teams zugeordnete, in denen genügend Kollegen englisch sprechen könnten. Deshalb funktioniere die Verständigung ganz passabel.

Lehren für deutsche Gesundheitspolitik ziehen

Untergebracht sind die Helfer in einem Hotel, das eigens für die ausländischen Helfer reserviert wurde. Alles sei prima organisiert und die spanischen Kollegen sei sehr erstaunt und angenehm überrascht von der gezeigt europäischen Solidarität.

Unter dem Eindruck der schlimmen Situation in den spanischen Intensivstationen hat Wilhelmi aber auch eine politische Botschaft für Deutschland parat: „Alle die glauben, dass es ausreicht, eine gute materielle Ausstattung in den Kliniken zu haben, irren. Ebenso wichtig wie die Maschinen ist das gut ausgebildete Personal. Wir hatten in Deutschland schon vor der Corona-Krise einen Pflegenotstand. Wenn das hier alles vorbei ist, muss sich die Pflegesituation in den Deutschen Krankenhäuser nachhaltig verbessern.“

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