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Wurst-Wilke Berndorf: Fünf Millionen Euro für Abriss und Entsorgung

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Von: Armin Haß

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Fünf Millionen Euro werden für Abbruch und Entsorgung der Wurstfabrik Wilke mit den Beton- und Asphaltflächen veranschlagt.
Fünf Millionen Euro werden für Abbruch und Entsorgung der Wurstfabrik Wilke mit den Beton- und Asphaltflächen veranschlagt. © Armin Haß

Eine lebhafte Diskussion entspann sich in der Gemeindevertretung nach der Vorstellung des Gutachtens zum Abbruch der ehemaligen Wurstfabrik Wilke in Berndorf und die Beseitigung der Baustoffe.

Twistetal-Berndorf – Auch die zur Abwicklung des Großprojektes gegründete Liquidierung der Berndorfer Immobilien-Verwaltungs-Gesellschaft beschäftigte die Gemeindevertreter.

Befürchtungen des Bürgermeisters

Fünf Millionen Euro sind für Abbruch und Entsorgung veranschlagt worden von der Firma HPC in Fuldatal. Bürgermeister Stefan Dittmann äußerte die Befürchtung, dass die Gemeinde an die Grenzen der Leistungsfähigkeiten gerate.

Die FDP habe Vertrauen in den Gemeindevorstand bei der weiteren Abwicklung und den Bemühungen um Zuschüsse, sagte Jörg Marpe: „Wir wollen, aber woher soll das Geld kommen?“ Land- und Bundestagsabgeordnete müssten sich um Fördermittel kümmern.

Optimistischere Einschätzung

Christoph Dietzel (CDU) entgegnete, dass sich auch der Landrat und sein Stellvertreter um eine weitere Finanzierung kümmerten. Doch sei erst einmal eine Kostenaufstellung erforderlich. Es gebe keinen Grund zu schimpfen.

Optimistisch äußerte sich Reinhard Deutschendorf (Bündnis 90/Die Grünen). Die Gemeinde schaffe das nicht allein, die Landesregierung werde aber einen Weg zur Unterstützung finden. Abbruch und Entsorgung müssten angepackt werden.

Gesellschaft wird aufgelöst

Eine Erschließung mitten im Dorf durch die Kommune und weitere Investoren werde der Gemeinde „am Ende einen Geldwert bringen“, sagte er mit Blick auf die Möglichkeiten für eine Bebauung.

Auf Empfehlung des Landkreises hat die Gemeindevertretung die Liquidierung der Berndorfer immobilien-Verwaltungs-GmbH beschlossen. Ausschlaggebend sind steuer- und wettbewerbsrechtliche Gründe. Die Gemeinde könne die Aufgaben selbst übernehmen, schrieb Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese an die Gemeinde.

Ein Jahr Zeit gelassen

Die GmbH sei auf Antrag der Gemeindevertretung 2020 gegründet worden, um den Landkreis mit seinem Know-how einzubinden, sagte Dittmann. Doch der habe sich trotz mehrfacher Nachfrage ein Jahr Zeit gelassen und dann abgesagt, äußerte er sich enttäuscht. Der Gemeinde entstünden rund 50 000 Euro an Kosten für die Gründung und nun die Rückabwicklung.

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Rolf Jäger (CDU, ist mit Dittmann Geschäftsführer. Er dankte für das Vertrauen und erklärte, er sehe nicht das Risiko in der kommunalen GmbH. Er akzeptiere aber die Mehrheit für die Auflösung, werde sich aber der Stimme enthalten.

Das neue Gutachten

Fünf Millionen Euro veranschlagt die Firma HPC in Fuldatal für den Abbruch der ehemaligen Wurstfabrik Wilke in Berndorf und die fachgerechte Beseitigung aller Baumaterialien.

Ralf Ickler und Norman Loebelt stellten die wichtigsten Ergebnisse des auf über 1350 Seiten dokumentierten Gutachtens am Montagabend in der Sitzung der Gemeindevertreter im DGH Nieder-Waroldern vor.

Das wurde untersucht

Nach der Begehung der vier Gebäudeteile ehemaliges Wohnhaus, Produktionsstätte, Kläranlage und Fahrzeughalle mit Flächen und einem umbauten Raum von insgesamt 110 000 Kubikmetern, der Entnahme von 60 Bohrkernen, der Entnahme von 66 einzelnen Proben und den Untersuchungen im Labor auf eine ganze Liste von Schadstoffen kommt Ickler zu dem Schluss: „Wir haben nichts gefunden, was Grund zur Besorgnis liefern würde.“ Die Materialien ließen sich normal entsorgen. Vom Boden gehe keine Gefahr für Mensch, Grundwasser oder Pflanzen aus.

Die Kosten von 1,25 Millionen Euro für die Beseitigung des mineralischen Bauschutts ließen sich durch Verfüllung oder den Straßen- und Wegebau verringern, sagte Loebelt. In welchem Umfang, das müsse die Planung ergeben. Hinzu kämen aber noch Schutzmaßnahmen des Umfeld, vor allem der benachbarten Schule, gegen Geruchs-, Lärm- und Staubemissionen. Und durch steigende Treibstoffpreise verteuerten sich Transportkosten aktuell schon um 15 Prozent, berichtet Ickler.

So lange dauert es

Für Abbruch und Entsorgung würden 18 Monate benötigt. Damit ließe sich das mit der Bewilligung des Zuschusses des Landes aus EU-Mitteln verbundene Zeitlimit bis Ende März 2023 voraussichtlich nicht mehr einhalten, erklärte Bürgermeister Stefan Dittmann. Der Gemeindevorstand habe den Auftrag für auf die Expertise von HPC aufbauendes Gutachten an das Büro Umtec in Bremen vergeben.

Das solle neben einem Leistungsverzeichnis den Antrag auf die Abbruchgenehmigung vorbereiten, sagte der Rathauschef. Finanzielle stoße die Gemeinde an ihre Leistungsgrenzen. Der Kostenrahmen von 5,1 Millionen Euro für eine Restrukturierung und eine Neuentwicklung sei bereits hinfällig. Die Kommune habe Förderanträge gestellt und brauche finanzielle Hilfen, um das Projekt verwirklichen zu können.

Zuschuss für Rückbau

Einstimmig hat die Gemeindevertretung Twistetal im vergangenen Jahr den Rückbau des gesamten Wilke-Areals beschlossen. Ferner hat sie dafür gestimmt, die zur Revitalisierung der 3,5 Hektar großen Fläche notwendigen Kosten zur Vorfinanzierung von 5,1 Millionen Euro im Haushalt bereitzustellen. Dazu wurden bis zu 1,5 Millionen Euro Zuschüsse aus EU-Mitteln und 500 000 Euro Strukturförderung des Landkreises verbucht. Die Kommune braucht aber noch mehr Zuschüsse. (Armin Haß )

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