Fördermittel des Landes ermöglichen überraschend Abbruch

Wende bei Wilke-Gelände Berndorf: Land fördert Abriss von Fabrikgebäuden

Für einen Abriss der Gebäude auf dem ehemaligen Wilke-Gelände hat das Land überraschend Fördermittel in Aussicht gestellt.
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Für einen Abriss der Gebäude auf dem ehemaligen Wilke-Gelände hat das Land überraschend Fördermittel in Aussicht gestellt.

Twistetal-Berndorf – Kurz vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der Gemeindevertretung Twistetal sorgt der Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium, Jens Deutschendorf, für eine überraschende Wende bei der Verwertung des Wilke-Geländes. Für den Abbruch der Gebäude stellte er einen Zuschuss in Aussicht.

Die Mitteilung wurde schriftlich am 25. Februar an den Gemeindevorstand geschickt. Dieser hatte erst Anfang Februar mehrheitlich beschlossen, das Kaufangebot des kunststoffverarbeitenden Unternehmens Müller aus Twiste anzunehmen und damit eine heftige Kontroverse über die künftige Nutzung des als Gewerbegebiet ausgewiesenen Areals ausgelöst, die quer durch verschiedene Fraktionen ging.

Kontroverse

Es ging um die Frage, ob die Fabrikgebäude abgebrochen und das Areal für eine Dorfentwicklung verwertet oder ob zumindest Teile des Gebäudekomplexes erhalten und das Gelände ausschließlich gewerblich genutzt würde.

Die Gemeindegremien haben am Wochenende mehrheitlich dafür votiert, die Debatte über das Kaufangebot der Firma Müller von der Tagesordnung der Gemeindevertretersitzung am Dienstag zu nehmen. Dies sei keine Entscheidung gegen das Kaufgesuch der Firma Müller, betont Dittmann.

Neue Lösung suchen

Gemeindevorstand und -vertretung würden neue Lösungsmöglichkeiten für die Erweiterungswünsche des Unternehmens suchen und darüber beraten. Dies sei derFirma Müller auch mitgeteilt worden.

Nun stellt das Land Hessen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) Fördermittel für den Abbruch der Fabrikhallen zur Verfügung. Diese betragen laut Deutschendorf maximal 50 Prozent. Den Rest müsste die Gemeinde finanzieren. Um Summen geht es momentan nicht, wie Bürgermeister Stefan Dittmann dazu gestern gegenüber unserer Zeitung erklärte. Es gehe aber wahrscheinlich um Millionenbeträge.

Machbarkeitsstudie in Arbeit

Er erklärte, dass die Gemeinde zusammen mit der NH-Wohnstatt den Förderantrag vorbereite. Zudem setze er auf weitere Fördermöglichkeiten aus anderen Programmen.

Dittmann bekräftigte, dass die Gemeinde bereits im August 2020 Fördermittel des Landes aus dem Programm Bauland-Offensive beantragt hätte. Diese seien aber abgelehnt worden, weil laut Ministerium in der Gemeinde „kein Wohnungsdefizit vorliegt.“

Unterstützung vom Landkreis

Der Rathauschef räumt ein, dass er bei der Verwertung des 35 000 Quadratmeter großen Areals in zwei Richtungen gedacht habe: An eine Umgestaltung des Areals zur Aufwertung des Dorfbilds und zur Aufwertung des Geländes sowie an eine gewerbliche Nutzung. Derzeit sei das Areal als Gewerbegebiet eingestuft.

Für die Sanierung des Wilke-Geländes hat die Gemeinde Twistetal Fördermittel vom Land zugesagt bekommen. Rechts die benachbarte Grundschule Berndorf.

Ende 2020 hat die Gemeinde nach intensiver Diskussion in den kommunalen Gremien dem Erwerb des Grundstücks von Wurst-Wilke zugestimmt. Der Landkreis hat dafür 500 000 Euro bereitgestellt.

„Nicht absehbar“

Für die Gemeinde eröffne sich nach der Zusage der EFRE-Mittel durch das Wirtschaftsministerium „eine neue Entwicklung, dis bis dato so nicht absehbar war“, erklärt Dittmann. Bisher habe die Gemeinde aus dem Wirtschaftsministerium auf ihre schriftlichen Förderanfragen und die Prüfung alternativer Programme jeweils schriftliche Absagen bekommen. Auch die Fördermittel des Landkreises Waldeck-Frankenberg seien „nicht ohne Weiteres abrufbar.“

Laut Deutschendorf, der aus Berndorf stammt. stehen nun „Restmittel“ aus dem EFRE-Programm für die Verwertung des Wilke-Geländes zur Verfügung. Die baulichen Maßnahmen, also der Abbruch der Fabrikhallen, müssen laut Deutschendorf bis Ende 2022 verwirklicht werden.

Neue Nutzung möglich

Mit der Förderung wäre die Gemeinde in der Lage, das Grundstück in ihrem Sinne für eine neue Nutzung zu verwerten. Denkbar wären die Schaffung von Wohnraum oder von sozialer Infrastruktur im Ortskern.

Die NH-Wohnstatt ist derzeit mit einer Machbarkeitsstudie zur Verwertung des Geländes beschäftigt. Aus Twistetal wird unter anderem der Neubau eines Kindergartens angeregt. Derzeit wird bekanntlich der Bedarf an Kindergartenplätzen in der Gemeinde geprüft

Ein Investor aus dem Landkreis hat laut Stefan Schaller, Geschäftsführer der Energie Waldeck-Frankenberg, die Absicht, dort ein Seniorenheim zu bauen. Voraussetzung wäre ein Abriss der Gebäude und eine Beseitigung von Altlasten. (Armin Haß )

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