Ermittlungen laufen weiter

Ein Jahr nach dem Wilke-Wurstskandal: Experten werten Daten aus

Der Skandal um die Wurst von Wilke dauert nun schon über ein Jahr. Die Ermittlungen gegen drei Verantwortliche laufen noch.

  • Das Veterinäramt des Landkreises Waldeck-Frankenberg hat die Firma Wilke in Berndorf am 2. Oktober 2019 geschlossen, alle Produkte wurden zurückgerufen.
  • 37 Krankheitsfälle, darunter drei Todesfälle, brachte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit Listerien in den Produkten der Firma Wilke in Verbindung.
  • Listerien können zu Listeriose führen und sind vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensbedrohlich. 

Twistetal-Berndorf – Ein Jahr nach Bekanntwerden des Wilke-Wurstskandals laufen noch die Ermittlungen gegen drei Verantwortliche der Firma. Die Staatsanwaltschaft Kassel wertet derzeit umfangreiches Datenmaterial aus, wie ein Sprecher der Behörde auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte. In der Wurst des Berndorfer Unternehmens waren Listerien-Keime nachgewiesen worden.

Bei Risikogruppen wie Erkrankten und Schwangeren können sie zum Tod führen. 37 Krankheitsfälle, darunter drei Todesfälle, brachte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit Produkten der Firma in Verbindung. Das Veterinäramt des Landkreises Waldeck-Frankenberg schloss den Betrieb am 2. Oktober 2019, alle Produkte wurden zurückgerufen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte zuerst gegen Geschäftsführer Klaus Rohloff und später auch gegen die stellvertretende Geschäftsführerin und den Produktionsleiter. Die Vorwürfe: Verdacht der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch sowie Verdacht des gewerbsmäßigen Betruges.

Ist seit Herbst 2019 geschlossen: Die Firma Wilke Wurstwaren in Berndorf.

Unterstützt von einem Experten für Wirtschaftsstraftaten, medizinische Sachverständige und der Kriminalpolizei in Korbach laufen die Ermittlungen weiter. Eine externe Firma wertet derzeit sichergestelltes Datenmaterial aus, darunter Tausende E-Mails. „Darauf liegt jetzt der Fokus“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Ermittler untersuchen immer noch, wie viele der 37 Opfer durch Listerien nachweislich geschädigt wurden. In 35 Fällen besteht weiterhin der Verdacht. Mittlerweile sind 27 Patienten gestorben. Alle haben laut Staatsanwaltschaft unter erheblichen Grunderkrankungen gelitten. Ein beweisbarer Zusammenhang zwischen Infektion und Todeseintritt habe sich bisher bei keinem bestätigt. Die Ermittlungen seien aber auch noch nicht abgeschlossen, so der Sprecher.

Wurstskandal bei Wilke: Foodwatch zeigt Landrat Reinhard Kubat und Ministerin Priska Hinz an

In die öffentliche Kritik gerieten auch das Land Hessen und der Landkreis Waldeck-Frankenberg, denen Nachlässigkeiten bei der Lebensmittelüberwachung vorgeworfen wurden. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch erstattete bei der Staatsanwaltschaft Kassel unter anderem Anzeige gegen Landrat Dr. Reinhard Kubat und Verbraucherschutzministerin Priska Hinz.

Foodwatch wirft den Behördenvertretern vor, durch pflichtwidriges Handeln und gravierende Verstöße gegen das Lebensmittelrecht wesentlich zu dem Listerien-Fall im Lebensmittelskandal der Firma Wilke aus Berndorf beigetragen zu haben. Derzeit werde noch geprüft, ob ein ausreichender Anfangsverdacht vorliege, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Auch das Insolvenzverfahren über die Firma Wilke läuft noch. Für das knapp 34 000 Quadratmeter große Grundstück in Berndorf ist noch keine neue Nutzung in Sicht.

Rubriklistenbild: © Elmar Schulten

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare