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Eine einzige Schule für alle Schüler aus Twistetal in Berndorf

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Von: Armin Haß

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Alt- und Erweiterungsbau der Grundschule Berndorf.
Alt- und Erweiterungsbau der Grundschule Berndorf. © Armin Haß

Landrat Jürgen van der Horst hat die Gemeinde Twistetal gebeten, eine Stellungnahme zum Schulstandort Twistetal abzugeben. Dabei bringt er Pläne für eine Zusammenlegung beider Grundschulen in Twiste und Berndorf an einem Standort ins Gespräch, nämlich auf dem Stukenhof-Gelände, ehemals Wurst-Wilke.

Twistetal – Den Vorschlag für eine zentrale Grundschule Twistetal auf dem ehemaligen Wilke-Gelände erläuterte Landrat Jürgen van der Horst gestern Abend in der Ausschusssitzung in Twiste.

Mehr Bildungsqualität

Er betonte, dass mit einem Neubau die bis 2026 rechtlich geforderte Ganztagsbetreuung und deutlich mehr Bildungsqualität geboten würden. Beides lasse sich in den Altbauten in Twiste und Berndorf nicht wirtschaftlich realisieren.

Durch die höheren Anforderungen an Bildung und ganzheitliche Betreuung müssten auch andere räumliche Bedingungen und ein passendes Lernumfeld geschaffen werden. Das bedeute zum Beispiel die Einrichtung einer Cafeteria mit Essensausgabe und Räumlichkeiten für eine umfassende Betreuung bis in den späten Nachmittag.

Das würde neu geboten

Gruppenarbeit, aber auch ungestörtes Lernen alleine, Ruheräume, Erholung und Freizeitangebote zum Ausgleich sollen mit dem Neubau ermöglicht werden. Damit einher gehe eine gesamte neue Konzeption des Schulangebotes und der Organisation des Alltags an der Schule.

Was in den alten Gebäuden wegen des Bauvolumens und der Bauweise nicht möglich sei, lasse sich durch die Zusammenführung der Grundschule Twistetal in einem Neubau zukunftsfähigkeit für die nächsten Jahrzehnte realisieren. Beispielhaft nennt er den Neubau der Berliner Schule in Korbach. Für das Projekt in Berndorf spreche der ohnehin schon jetzt größere Einzugsbereich und die städtebauliche Umsetzbarkeit auf dem Stukenhof-Gelände (ehemals Wilke). Einen konkreten Zeitplan gebe es noch nicht, den Takt gebe die Entwicklung des Standortes vor. Ob tatsächlich bis 2026 ein Neubau in Berndorf stehen werde, dazu könne man jetzt nichts Verbindliches sagen.

Gemeinde soll sich äußern

Gefragt ist nun die Gemeinde Twistetal. Nach Vorgesprächen im September zwischen Landrat, Fachdienstleiterin Claudia Knublauch und Bürgermeister Stefan Dittmann und Beratungen im Ältestenrat der Gemeinde, der dem Vorschlag grundsätzlich zustimmte, bekommen nun in öffentlichen Sitzungen die Gemeindegremien Gelegenheit zur Information und zur Diskussion. Am Montag tagte bereits der Bauausschuss, am Dienstag kam in Twiste der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss zusammen. 

Die Grundschulen in Twiste und Berndorf (zurzeit Hauptstandort) würden aufgegeben, wenn es einen Neubau in Berndorf gäbe.. Diese Empfehlung wird laut Beschlussvorlage dafür ausgesprochen, dass der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung erfüllt und damit die zukünftige Schulentwicklungsplanung in der Gemeinde Twistetal vorangebracht werden wird. Ziel müsse es sein, alle Twistetaler Grundschulkinder in dieser neuen Grundschule in Berndorf zu beschulen und zu betreuen.

So wurde abgestimmt

Im Bauausschuss wurde über dieses Thema am Montagabend im Hinblick auf die Sitzung des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusses am Dienstag nicht ausführlich diskutiert. Im gestern tagenden Gremium informierte Landrat van der Horst über die Pläne des Schulträgers.

Im Bauausschuss stimmten drei Gemeindevertreter für die Empfehlung. Einer, der Ausschussvorsitzende Patrick Paul (SPD, zugleich Ortsvorsteher von Twiste) , lehnte den Vorschlag ab. Jörg Marpe (FDP) bekräftigte in der Sitzung die Forderung, dass alle Schüler aus allen Ortsteilen in die neue Schule gehen sollten: „Wenn, dann sollte ganz Twistetal da reingeholt werden“, erklärte er auch mit Blick auf die Dorfentwicklung.

Erste Gespräche im September

Bürgermeister Stefan Dittmann berichtete, der Landkreis sei an die Gemeinde herangetreten, um die Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes zu erörtern. Im Mittelpunkt stehe der rechtliche Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung. Diese sei in Twiste und in Berndorf nicht zu verwirklichen. Das Gespräch fand bereits am 21. September statt, Landrat van der Horst, die Fachdienstleiterin Claudia Knublauch und Dittmann nahmen daran teil.

Die Schulstandorte in Twistetal entsprächen, so van der Horst in einem Schreiben vom 27. Oktober an die Gemeinde, in keiner Weise mehr den baulichen Anforderungen, um den für 2026 verpflichtenden Ganztag umzusetzen. Als möglicher Lösungsansatz wurde für die beiden Schulstandort in dem Gremium ein gemeinsamer neuer Standort Am Stukenhof besprochen. Landrat van der Horst bat die Gemeindegremien in dem Schreiben an den Gemeindevorstand um eine Erörterung dieser Überlegungen und um eine Mitteilung der Entscheidung in den kommunalen Gremien an den Schulträger, damit dieser in die dringend erforderlichen Planungen gehen könne.

Thema im Ältestenrat

Der Ältestensrat der Gemeinde, der aus Vertretern des Gemeindevorstands und der Gemeindevretretung besteht, hat sich laut Bürgermeister Dittmann mit dem Vorschlag befasst. Dieser sei überzeugt, dass der Neubau einer Grundschule am Standort Stukenhof Sinn ergebe. Das Gelände sei kurzfristig verfügbar. Dann sollten auch alle Twistetaler Schüler dieses Grundschule besuchen.

Derzeit besuchen Schüler aus Ober-Waroldern die Grundschule in Höringhausen und Kinder aus Gembeck die Grundschule in der MPS Adorf. Dabei handelt es sich nach den Worten von Dittmann um ein halbes Dutzend Kinder. Zudem besuchen Kinder aus dem Korbach Ortsteil Helmscheid die Schule in Berndorf.

Die Grundschule Twiste.
Die Grundschule Twiste. © Armin Haß

Fehlende Betreuung

„Wir geben ungern die beiden vorhandenen Schulstandorte auf“, sagte Dittmann im Bauausschuss. Doch um eine Ganztagsbetreuung zu ermöglichen und eine zukunftsorientierte Beschulung aller Twistetaler Schüler an einem Standort zu fördern, stimme man dem Vorschlag zu. Im noch bestehenden Schulentwicklungsplan für den Zeitraum bis 2022 sei bereits auf die Notwendigkeit einer besseren Betreuung hingewiesen worden, sagte der Rathaauschef.

Derzeit sei es so, dass in den Kindergärten von Twistetal eine Betreuung bis 16 Uhr angeboten werde, in den Schulen werde aber nur eine Garantie bis zum Mittag gegeben.

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung nach dem Ganztagsförderungsgesetz sei Thema bei einer Dienstversammlung der Bürgermeister am 21. Juni gewesen. Dabei sei auch über eine Realisierung durch Um- und Neubauten gesprochen worden.

Nicht wirtschaftlich

Benötigt werden für ganztägige Betreuung Ausgabeküchen und Speiseräume, sogenannte Profilräume sowie Bibliotheken oder Mediatheken. All dies ist nach Einschätzung der Fachleute weder in Twiste noch in Berndorf möglich. Die baulichen Rahmenbedingungen erlauben nach Einschätzung des Landkreises keine wirtschaftliche Erneuerung mit dem Ziel, die Ganztagsbetreuung einzuführen.

„Beide Schulgebäude sind aber nicht total abgängig“, betonte Dittmann in der Ausschusssitzung. Doch gebe es Bedarf bei der Verbesserung des Brandschutzes, die Ganztagsbetreuung lasse sich nicht in den vorhandenen Gebäuden verwirklichen. Im Keller der Schule in Berndorf, so Dittmann gegenüber der WLZ, sei eine Sanierung wegen Schimmelbefalls erforderlich. (Armin Haß )

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