Durch Mission entstanden

Freie evangelische Gemeinde Berndorf besteht 125 Jahre

Pastor Gerhard Mankel vor dem Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde Berndorf.
+
Pastor Gerhard Mankel vor dem Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde Berndorf. Das 125-jährige Bestehen wird am 20. Juni (nach)gefeiert.

Im zweiten Anlauf lädt die Freie evangelische Gemeinde (FeG) Berndorf zur Feier ihres 125-jährigen Bestehens ein. Genau 125-einhalb Jahre feiern die Gemeindeglieder am Sonntag, 20. Juni, um 14.30 Uhr auf dem Obstwiesenhof Schreiber.

Twistetal-Berndorf -Zu der wegen der Corona-Pandemie vom Oktober verschobenen und weniger umfangreichen Veranstaltung der heute 60 Mitglieder zählenden Gemeinde wird auch der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland, Ansgar Hörsting, erwartet. Der Gottesdienst wird auch auf „YouTube“ übertragen. Ein Link führt von der Webseite www.feg-berndorf.de dorthin.

August Kraft aus dem Edertaler Ort Böhne hatte in den 1890-er Jahren nach der Ausbildung im Missionshaus Neukirchen in Berndorf im Zuge der neuen Erweckungsbewegung den christlichen Glauben vermittelt.

Über „neue Lehre“ verärgert

Die Gastwirtschaft Höhle diente acht Tage der Missionierung, in der Kraft „mit brennendem Herzen“ das Evangelium verkündigte, wie der frühere Pastor Willi Höhle in einer Festschrift zum 100. Jubiläum der Gemeinde schrieb.

In Berndorf wurden die Aktivitäten der Freien Evangelischen laut Chronik auch mit Argwohn von Angehörigen der traditionellen evangelischen Gemeinde beäugt. Der spätere Gemeindeälteste Karl Steuber schrieb 1951, dass die Menschen verärgert gewesen seien über „diese neue Lehre, wie man es nannte“.

Anfangs in Privathäusern getroffen

Die evangelische Gemeinde duldete anfangs mit dem damaligen Pfarrer und Superintendenten Langenbeck die Freikirchlichen. Doch nach dessen Tod 1895 begann die Gemeinde, diese Berndorfer auszuschließen. In einem Protokoll einer Kirchenvisitation der damaligen Landeskirche war jedoch später von Austritten von fünf Familien die Rede.

Die 40 Angehörigen der Freien evangelischen Gemeinde trafen sich zunächst in Privathäusern. 1912 wurde die Gemeinde in den Bund Freier evangelischer Gemeinden aufgenommen. Als erster Prediger war Albert Blume in Berndorf von 1920 bis 1929 sowie in Flechtdorf, Korbach und Goddelsheim tätig. Das erste Gemeindehaus wurde am 20. August 1950 eingeweiht. Es wich später der Wurstfabrik Wilke. Das jetzige Gemeindehaus wurde 1972 bezogen.

„Hier können Sie auftanken“, wirbt ein Schild an der stark befahrenen Bundesstraße im Ort für den Besuch der dortigen Gottesdienste. Das Gemeindeleben pulsierte: Neben der Sonntagsschule für die jungen Menschen gab es Missionsfeste. Ein gemischter Chor, eine Gitarrengruppe, ein Bläserchor und eine Jugendgruppe hatten sich gebildet. Freizeiten fanden im Berndorfer Jugendheim statt.

Neuer Anfang nach der Pandemie

Eine bewusste Entscheidung für den christlichen Glauben steht im Mittelpunkt der Freien evangelischen Gemeinden. Jugendliche oder Erwachsene entscheiden sich selbst für eine Taufe. Biblischer Unterricht und Taufgespräche gehen diesem Ritual voraus.

Die FeG hat sich innerhalb des Ortsteils Berndorf etabliert, im Geist der Ökumene werden Verbindungen mit der evangelischen Gemeinde gepflegt, bei gemeinsamen Gottesdiensten und Predigten in dem jeweils anderen Gotteshaus.

In einer Zeit, in der Glaube im Rahmen kirchlicher Institutionen auf dem Rückzug sei, müsse man sich nicht das Leben gegenseitig schwer machen, sagt Gerhard Mankel, seit acht Jahren Pastor in Berndorf und Flechtdorf.

Viele Angebote für Jugendliche

Die demografische Entwicklung und der Wegzug junger Menschen zum Studium oder aus beruflichen Gründen führe zu einem Rückgang der Gemeindegliederzahlen. Bemühungen um junge Leute ähneln denen bei den Protestanten: Modernes Liedgut gehört dazu. Aber es gebe eben auch Grenzen bei dieser Entwicklung.

Nach der Corona-Pandemie werde es auch darum gehen, wie das Gemeindeleben fortgesetzt werde, welche Rolle digitale Medien weiterhin spielen sollten, mit deren Hilfe Gottesdienste übertragen werden.

Vor Corona gab es alle 14 Tage freitags Jungschartreffen, die Kindergottesdienste vor den Gottesdiensten für Erwachsene, die Treffen beim Kaffee danach. Für Veranstaltungen mit Bewirtungen ist das Gemeindehaus mit einer Küche ausgestattet. Drei bis vier Hauskreise, darunter einer für ältere Menschen, kommen zu Gesprächen über biblische Texte zusammen.

Gemeindegleider finanzieren ihr Gemeindehaus selbst

Seniorenfeiern unter bestimmten Themen und der gemeinsame Frauentreff mit der Gemeinde in Flechtdorf prägten ebenfalls das Gemeindeleben vor der Pandemie. Die Gemeindeglieder finanzieren Gemeindehaus und Pastor über freiwillige Spenden. Darüber hinaus organisieren sie Spendenaktionen für Osteuropa, gibt es Männertreffs mit Schlachtessen, bei denen für örtliche Vorhaben Geld gesammelt wird. 400 bis 600 Euro kamen da schon zusammen.

Die Corona-Lage hat aber solche Angebote einschlafen lassen. Besuche zu Geburtstagen und andere Kontakte zu Gemeindegliedern sind seltener geworden. „Zoom“-Konferenzen für die Teilnahme an Gottesdiensten seien nur eine Notlösung, sagt Mankel und vertraut auf eine Entspannung der Corona-Lage. Mit dem Festgottesdienst wird vielleicht ein neuer Impuls gegeben. (Armin Haß)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare