Ankauf, Abriss und neuer Ortskern

Das haben die Twistetaler Gemeindevertreter mit dem Gelände von Wurst-Wilke vor

Mittendrin: Das Gelände der in Insolvenz geratenen und inzwischen geschlossenen Wurstfabrik Wilke im Ortskern von Berndorf soll nach dem Willen der Gemeindevertreter neu entwickelt werden. Foto: Armin Haß

Twistetal-Berndorf – Der Gemeindevorstand Twistetal soll sich um Fördergelder für eine Verwertung der in Insolvenz geratenenen und leerstehenden Wurstfabrik Wilke im Ortsmittelpunkt von Berndorf einsetzen. Zusätzlich stellt die Gemeindevertretung außerplanmäßig 25 000 Euro für eine Studie bereit.

 Damit soll der Bürgermeister beim Land und beim Landkreis um Zuschüsse für Ankauf, Abriss und Verwertung werben. Ein Blick auf ein Luftbild von Berndorf zeige, wie dominant der Firmenkomplex sei, gab Christoph Dietzel (CDU) bei der Begründung des gemeinsamen Antrags der Fraktionen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Gründen, FDP und FWG zu bedenken.

"Ein Riesenproblem"

„Der Leerstand ist so groß wie Elleringhausen, das ist ein Riesenproblem“, sagte der CDU-Fraktionssprecher. Zugleich biete sich eine „Riesenchance“ für eine Entwicklung des Geländes. Momentan werde viel über das insolvente Unterehmen geredet, sagte Dietzel, auf den Lebensmittelskandal anspielend.

Daher müsse sich die Gemeinde jetzt um Fördermittel kümmern. Chancen böten sich für eine Verlegung der Ortsdurchfahrt der Bundessraße 252, Interesse bestehe für den Bau eines Seniorenheims auf dem Areal.

Ortskern neu entwickeln

„Wir müssen jetzt  den ersten Schritt unternehmen und auf den Landrat und den Wirtschaftsminister zugehen, um Fördermittel zu bekommen“, forderte Fraktionskollege Marc Wäscher.

Hier könnte „ein Leuchtturmprojekt“ verwirklicht werden, sagte Ralph Backhaus (SPD). Es biete sich die Chance, den Ortskern neu zu entwickeln, dafür müsse die Gemeinde in den Besitz des Areals gelangen. Und dafür brauche sie Unterstützung.

Gibt es Altlasten?

Die Gemeinde müsse selbst eine Initiative ergreifen, sagte Ilka Deutschendorf (B 90/Die Grünen), „Ich glaube nicht, dass dort wieder eine Wurstfabrik entstehen wird“, sagte sie.

Das Gelände müsse untersucht werden, schließlich könnten sich dort Altlasten befinden, die für viel Geld beseitigt werden müssten, erklärte Deutschendorf.

"Gefühlt zwei Millionen"

Zurückhaltend bewertet Jörg Marpe (FDP) hingegen inzwischen den zunächst den Vorstoß, den er selbst mit ins Parlament eingebracht hatte. Man müsse erstmal langsam machen, Land und Landkreis sollten auf die Gemeinde zugehen, sagte er. Schließlich gehe es „um gefühlt zwei Millionen Euro“ für den Kauf des Areals. Die Gemeinde müsse erst für die Entwicklung Geld bekommen.

„Dann ziehst Du Deine Unterschrift unter dem Antrag zurück?“, fragte Backhaus. Diese Frage bejahte Marpe dann.

Studie geplant

Bürgermeister Stefan Dittmann bat schließlich um Finanzmittel für eine Studie, für die der Bestand erfasst und in der mögliche Entwicklungsziele dargelegt werden sollen.

Erst auf dieser Basis könnten Verhandlungen in Wiesbaden über Fördergelder geführt werden. Bei einem ersten Gespräch habe Staatssekretär Jens Deutschendorf aus dem hessisches Wirtschaftsministerium dazu geraten, erklärte der Rathauschef. 

Gläubiger sitzen am Hebel

Bürgermeister Stefan Dittmann betonte, dass das Gelände von Wurst-Wilke in der Ortsmitte von Berndorf unter der Regie des Insolvenzverwalters stehe und viele Gläubiger ihr Geld sehen wollten. Deswegen werde jetzt versucht, die Immobilie und das Inventar zu verkaufen. In dem Verfahren werde das Grundstück des Bistros getrennt zum Verkauf angeboten: „Die Gläubiger werden bis zum Ende ein Wort mitreden.“ 

Der Rathauschef bat um Bereitstellung von 25 000 Euro für die Finanzierung einer Studie über das Gelände, in der neben dem Bestand die möglichen Entwicklungsziele dargelegt würden. Für Verhandlungen mit dem Land werde eine professionelle benötigt. 

"Gleich nach Hause fahren"

Als sich über diese Summe eine Diskussion entwickelte, ergriff Beigeordneter Otto Paul (SPD) das Wort: „Wenn man keine Ahnung von dem hat, was man vorhat, dann kann man gleich zu Hause bleiben.“ Es sei doch deutlich gemacht worden, „dass der Insolvenzverwalter das Gelände in der Hand hat “, unterstrich Paul. Bei einer Enthaltung stimmten die Gemeindevertreter dem Antrag einstimmig zu.

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