Lange vernachlässigtes Ensemble im Dorfkern von Berndorf wird saniert

Ein Herz für die alte Hofreite

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Der Kern des landwirtschaftlichen Gebäudes an der Ecke Bahnhofstraße/Haubertstraße wurde um 1850 errichtet. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder neue Anbauten und Umnutzungen. Der Hof beherbergte eine Gaststätte und Brauerei.

Twistetal-Berndorf. Im alten Dorfkern von Berndorf tut sich was. Seit vor einem Jahr die dominanten Hofreite Graf an der Ecke Bahnhofstraße/Haubertstraße bei einer Zwangsversteigerung einen neuen Eigentümer gefunden hat, wird hier fleißig gebaut und geackert.

Neuer „Gutsbesitzer“ ist Andres Baudet von Gersdorff, ein weit gereister Bankkaufmann, der sich nun mit seiner Frau Susara in Berndorf niedergelassen hat, um dem über die Jahre etwas heruntergekommenen Gebäude wieder leben einzuhauchen.

Die beiden investieren nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit und Arbeitskraft in das denkmalgeschützte Ensemble. So haben die neuen Eigentümer schon viele Gefache des alten Fachwerks ausgeräumt, von Zimmerleuten fachgerecht ausbessern lassen und dann wieder mit Lehmziegeln vermauert.

Zur Freude des Bezirkskonservators sollen alle historischen Fenster erhalten werden. Zimmermeister Einax aus Gembeck hat den Auftrag, die Fenster aufzuarbeiten. Parallel dazu stemmen Andres Baudet von Gersdorff und seine Frau in beinah jeder freien Minute die nicht ins historische Ensemble passenden Einbauten heraus und legen dabei so manche Überraschung frei.

So etwa die nach einem Wasserschaden total vermoderte Zwischendecke oder die bei einem früheren Heizungseinbau willkürlich herausgesägten, tragenden Balken. Die Sanierung des 1850 errichteten Fachwerkgebäudes mit seinen vielen späteren Anbauten wird wohl noch zwei Jahre dauern.

In dieser Zeit soll auch die Entscheidung über die künftige Nutzung reifen. Fest steht im Moment nur, dass das Ehepaar ins Erdgeschoss einziehen wird. Im Obergeschoss könnten Gästezimmer entstehen. Das Ehepaar Baudet von Gersdorff organisiert und leitet Fortbildungsseminare für Mitarbeiter von Großbanken.

Bisher finden diese Seminare in den jeweiligen Bankgebäuden statt. Künftig aber wären auch Seminare in Berndorf denkbar. Aber noch ist hierüber nicht abschließend entschieden. Jedenfalls bietet die Hofreite jede Menge Platz für alle möglichen Nutzungen.

Es gibt einen Saalbau, indem früher Familienfeiern ausgerichtet wurden. Zur Gaststätte gehörte um 1900 auch eine kleine Brauerei. Aber davon ist heute nichts mehr zu sehen. „Eins nach dem anderen“, bremst der neue Eigentümer. Viele Ideen müssen noch reifen. Und wer weiß, welche Überraschungen das Gebäude noch bereithält.

Sehr zufrieden ist Andres Baudet von Gersdorff mit seiner Entscheidung für Berndorf: „Wir sind hier angekommen. Wir wurden hier sehr freundlich aufgenommen, haben sogar schon einige Freundschaften geschlossen. Besonders begeistert ist er von der freundlichen Aufnahme durch den Ortsvorsteher, den Bürgermeister und die Beamten der Unteren Denkmalbehörde. Anscheinend haben alle nur darauf gewartet, dass sich jemand des Gebäudes annimmt.

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