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Historische Mühle: So lebt es sich in über 500 Jahre altem Zuhause

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Von: Julia Janzen

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Eine Frau und ein Mann vor einem Fachwerk-Gebäude
Seit fast 50 Jahren ein Zuhause: Heino und Bettina Pachschwöll haben vor fast 50 Jahren die alte Brudermühle gekauft. Der Zustand damals sei „katastrophal“ gewesen. Heute ist die Mühle ein Schmuckstück. © Julia Janzen

An der einen Seite des Gebäudes dreht sich das Mühlrad, an der anderen lehnt ein Mühlstein und im Innern sind neben der großen Königswelle auch die Bütte samt Trichter noch zu sehen: Heino und Bettina Pachschwöll ist es wichtig, das Herz der alten Mühle zu erhalten. Denn sei dies einmal verschwunden, sei es unwiederbringlich.

Twistetal-Nieder-Waroldern - Schon seit seiner Kindheit wollte Heino Pachschwöll Mühlenbesitzer sein. In seiner Heimat, im voralpinen Raum, gab es ein Exemplar, das ihn beeindruckte. Als er Anfang der 70er mit seiner Frau Bettina nach einem Heim in der neuen Heimat suchte, schalteten sie sogar eine Zeitungsanzeige. Sieben bis acht Mühlen seien dem Paar schließlich angeboten worden, erinnert er sich.

Die Brudermühle am Waldrand bei Nieder-Waroldern war eine davon. Der Zustand sei „katastrophal“ gewesen: Im heutigen Eingangsbereich sei der Stall gewesen, Kühe standen dort, wo heute der Esstisch steht. Die Königswelle, das Kernstück der Mühle, sei verdreckt gewesen, überall seien Ratten herumgelaufen. Doch Heino Pachschwöll „hatte eine Vision vom fertigen Gebäude.“ Sie kauften die alte Mühle.

Ein großes Gebäude mit einem Mühlrad an der Seite
Imposanter Anblick: Das Mühlrad, das einen Durchmesser von etwa vier Metern hat, wurde vor zwölf Jahren gebaut. Das Vorgängerrad ging nach etwa 100 Jahren kaputt. © Julia Janzen

Wofür Pachschwölls noch heute dankbar sind: Der damalige Landeskonservator, Neumann hieß er, ließ sich begeistern von dem Vorhaben, unterstützte das Paar. „Wenn er nicht gewesen wäre, gäbe es die Mühle heute sicher nicht mehr.“

Ein Handwerker habe damals dazu geraten, die Mühle einfach abzureißen. Für Pachschwölls kam das aber nicht infrage. Einzelne Elemente, unter anderem das große Scheunentor, das heute die Haustür bildet, stammen von einem anderen Gebäude, das abgerissen wurde. Mehrere Gauben entstanden, die Mühlentechnik wieder instand gesetzt. Jahrelang dauerten Sanierung und Umbau des historischen Gebäudes. „Und manchmal wundere ich, was wir alles selbst gemacht haben“, erinnert sich der Physiker Heino Pachschwöll.

Die oberste Etage bauten die Besitzer aus, eine Zeitlang diente sie als Mietwohnung. Als die Mühle noch in Betrieb waren, hätten dort die Kinder der Müllersleute und ein Bruder des Müllers gelebt. Die Kammern seien sehr klein gewesen.

Gebäudeteile mit Fachwerk, ein Mühlstein, Wald
Ein alter Mühlstein lehnt am Haus (rechts). Links zu sehen ein Fenster des Gewölbekellers. © Julia Janzen

Vor gut zwölf Jahren ging das Mühlrad kaputt, ziemlich genau 100 Jahre habe es gehalten, sagt Pachschwöll. Mitarbeiter des Berufsbildungswerks (BBW) in Bad Arolsen hätten dann ein neues gebaut, das vier Meter im Durchmesser misst. „Das Mühlrad könnte auch mal zur Energiegewinnung dienen.“

Die Geschichte der Brudermühle reicht weit zurück in die Vergangenheit: 1469, hat Heino Pachschwöll herausgefunden, sei sie erstmals urkundlich erwähnt worden. Die Mühle gehörte zum Kloster in Volkhardinghausen, sei vermutliche eine Gründung der Mönche. Eine Legende habe besagt, dass es sogar einen Geheimgang von der Mühle bis zum Kloster geben soll. Das stimmt allerdings nicht, sagt Heino Pachschwöll.

Der Besitzer sucht und sammelt alte Dokumente rund um die Mühle, hat unter anderem eine fürstliche Urkunde von 1818, in der es um die Neuregelung der Wasserrechte samt der anfallenden Gebühren geht. Noch heute gibt es einen funktionierenden Brunnen auf dem Grundstück und neben dem Bach, der das Mühlrad antreibt, gibt es zwei kleine Teiche.

Ein historisches Element einer Mühle, die Bütte, ist in einem Wohnzimmer zu sehen
Die hölzerne Bütte, auf der der Trichter sitzt, steht im heutigen Wohnzimmer des Paars. © Julia Janzen

In einer Scheune neben der Mühle, in der früher Heu und Stroh gelagert wurden, stehen heute Gerätschaften und Trecker für die Waldarbeit, die Hobby-Forstwirt Heino Pachschwöll nutzt.

Und wenn gerade keine Arbeit rund um die Mühle anfällt, sitzen Bettina und Heino Pachschwöll gern draußen – mehrere Sitzgruppen rund um das Gebäude gibt es – und genießen den Ausblick in die Natur rundherum und auf die Mühle, die seit nunmehr fast 50 Jahren das Zuhause der beiden ist. jj

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