Tierschutzverbände erstatten Strafanzeige gegen Jäger

Jagdfrevel in Twistetal: Jäger schießt Fuchs in der Schonzeit

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Kurz vor seinem Tod blickt dieser Rotfuchs noch einmal in die Kamera, die wenige Sekunden später noch einmal auslöst, weil der Twistetaler Fotograf reflexhaft auf den Auslöser drückt, als er den Knall einer großkalibrigen Waffe hört. Das dabei entstandene Foto zeigt den zerfetzten Fuchs in vollem Lauf und eignet sich deshalb nicht für eine Veröffentlichung in der Zeitung. Es dient aber als Beweisfoto für das nun von Tierschützern angeschobene Strafverfahren. 

Twistetal-Elleringhausen. Grausame Bilder von einem  Verstoß gegen das Jagdgesetz hat ein Hobbyfotograf  per Zufall mit seiner Kamera festgehalten.

Auf diesen Schnappschuss hätte der passionierte Naturfotograf gerne verzichtet: Am Morgen des 24. April wurde er in der Gemarkung von Elleringhausen Zeuge eines schwerwiegenden Verstoßes gegen das Jagdgesetz: Mitten in der Schonzeit streckte ein Jäger ohne Grund einen Fuchs nieder. 

Der Schuss krachte ausgerechnet in dem Moment, in dem auch der Hobbyfotograf mit seiner Kamera auf das Tier angelegt hatte. Das so aus Zufall entstandene Foto zeigt das Tier noch im vollen Lauf, während schon die blutigen Fetzen aus ihm herausspritzen.

Wichtige Rolle bei der Versorgung der Jungen im Bau

„Der Fuchs war etwa 13, 14 Meter von mir entfernt. Ich hatte mich nur auf das anmutige Fotomotiv konzentriert, als sich plötzlich der Schuss löste. Ich hätte von einem Querschläger getroffen werden können“, erzählt der Hobbyfotograf, der auch Tage nach dem Geschehen seine Fassungslosigkeit nicht verbergen kann.

Der Fotograf, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hatte den Fuchsbau bei Elleringhausen schon seit drei Wochen beobachtet. Er vermutet, dass sich in dem Bau Junge befinden und er weiß, dass der Fuchsrüde, der vor seinen Augen erschossen wurde, eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Jungen spielt. Fuchswelpen, die ohne den Fuchsrüden aufwachsen, haben nur geringe Überlebenschancen.

Jäger zur Rede gestellt

Der Fotograf sah sich um, erkannte den Schützen, der sein Auto auf einem Feldweg abgestellt hatte und offenbar beim Anblick des Fuchses spontan aus dem Wagen gestiegen war, um einen schnellen Freihand-Schuss zu platzieren. Der Fotograf ging auf das Auto zu, das sich aber rückwärts fahrend mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit entfernte. 

Etwa eine Viertelstunde später sahen sich Jäger und Fotograf erneut. Diesmal schoss der Jäger auf einen Waschbären, der sich in einer Wurzelhöhle verkrochen hatte

Als er zu Hause an seinem Rechner die Fotos betrachtete, wurde dem Fotografen der Jagdfrevel, den er beobachtet hatte, noch deutlicher. Er bat den Jäger zu sich nach Hause und stellte ihn zur Rede.

„Anstatt sich aber zu entschuldigen und seinen Fehler zuzugeben, hat er alles abgestritten und behauptet, sein Auto sei wohl von einem anderen benutzt worden“, ärgert sich der engagierte Tierfotograf. Da habe er beschlossen, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen.

Was sagen die Tierschützer?

Unterstützung fand er beim Verein Wildtierschutz Deutschland, der die Fotos auf ihrer Internetseite veröffentlichte und Strafanzeige stellte.

Als er am Nachmittag noch einmal auf die Wiese am Waldrand an der Gil-Bicke zurückkehrte, war der tote Fuchs verschwunden. Der Fotograf fand ihn in den Bau gestopft und mit Laub verdeckt.

Die Fotos von der illegalen Fuchsjagd während der Schonzeit und vom durch den Schuss zerfetzten Fuchs haben gleich mehrere Tierschutzorganisationen auf den Plan gerufen. Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland. hat als Erster Strafanzeige erstattet. 

Er sagt: „Die allerwenigsten durch Jäger begangenen Straftaten werden zur Anzeige gebracht. Außenstehende haben kaum die Möglichkeit gerichtsfeste Beweise gegen Jäger vorzubringen. So kommt es kaum zu rechtskräftigen Verurteilungen von Jagdvergehen. In diesem Fall haben wir durch Zufall einen verlässlichen Zeugen, der sogar eine Foto-Dokumentation vorweisen kann.“ 

Wann genau ist Schonzeit?

Die Tierschutz-Organisation Peta erstattete ebenfalls Anzeige und appelliert an Hessens Umweltministerin Priska Hinz, den Füchsen eine ganzjährige Schonzeit einzuräumen und „das sinnlose Töten endlich zu beenden“. „Dass der Jäger sich nicht an die Schonfrist hält, beweist deutlich, dass es ihm nur um den Spaß am Töten geht“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei Peta.

Michler weiter: „Laut Aussage des Tierfotografen, der Angst um sein eigenes Leben hatte, hat der Jäger die beiden toten Tiere zurück an die Eingänge ihrer Bauten geworfen und mit Laub bedeckt. Sollten junge Tiere im Bau sein, könnten diese nun elendig verhungern. Eine Person, die so wenig Respekt vor Gesetzen und dem Leben hat, sollte keinen Waffenschein besitzen dürfen.“

Die Schonzeit für Waschbären und für Füchse beginnt in Hessen am 1. März und endet am 14. August.

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