Jagderfolg war größer als erwartet

Mehr Rehe als geplant erlegt - Jagdleiter erstattet Selbstanzeige

Ein Jäger steht im Schatten eines Baums und zielt mit einem Gewehr.
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Ein Jäger steht während einer Gemeinschaftsjagd schussbereit am Waldrand. (Symbolbild)

Bei der jüngsten Drückjagd am Holzhäuser Berg zwischen Twiste, Ober-Waroldern und Berndorf sind offenbar deutlich mehr Rehe geschossen worden, als nach dem geltenden Abschussplan vorgesehen waren. Das hat jetzt jagdrechtliche Folgen.

Twistetal-Twiste - Statt der erlaubten neun Rehe wurden von den 34 Jägern, die auf weit auseinanderliegenden Ansitzen auf das von den Treibern aufgescheuchte Wild warteten, 42 Stück Rehwild und zehn Wildsauen erlegt.

Hendrik Block, der als stellvertretender Direktor der Waldeckischen Domanialverwaltung Jagdleiter war, hat daraufhin am Tag nach der Jagd Selbstanzeige bei der Unteren Jagdbehörde erstattet. Im Gespräch mit der WLZ bestätigte er: „Das war so nicht geplant und stellt eine Ordnungswidrigkeit nach dem Jagdgesetz dar. Dazu stehe ich. Das Bußgeld werde ich akzeptieren.“ Er rechne auch damit, dass der Vorfall noch zu Diskussionen in den Fachzeitschriften der Jägerschaft führen werden.

Streckenerwartung wurde deutlich übertroffen

Andererseits wisse er auch nicht, was er hätte anders machen können, um die „dynamische Entwicklung“ der Jagd an diesem Tag zu stoppen. Die Drückjagd sei unter Corona-Bedingungen nach Absprache mit dem Gesundheitsamt gut vorbereitet gewesen.

Gejagt wurde auf einer Fläche, die nach Ablauf des Pachtvertrages von der Domanialverwaltung aus der Pacht genommen wurde. Orientiert an den dokumentierten Abschüssen der Vorjahre seien in diesem Jahr neun Stück Rehwild eine durchaus realistische Streckenerwartung gewesen. Warum nun so viele Rehe vor die Flinten gerieten, sei schwer zu erklären.

Schriftliche Instruktionen ausgegeben

Tatsache sei, dass alle Jagdteilnehmer schriftlich über die Jagdfreigabe informiert worden seien. Während des Jagdgeschehens sei es aus technischen und aus Sicherheitsgründen unmöglich, ständig miteinander zu kommunizieren.

Unmittelbar nach der Jagd habe es drei Nachsuchen mit zertifizierten Jagdhundeführern gegeben. Zwei Nachsuchen hätten sich als Fehlschüsse erwiesen. In einem Fall habe ein waidwundes Tier zur Strecke gebracht werden können.

Abschussplan ist auf drei Jahre ausgelegt

Block erklärte, er habe bereits mit der Hegegemeinschaft, der Waldeckischen Jägerschaft und den umliegenden Jägern Kontakt aufgenommen und sein Missgeschick eingestanden. Demnächst sei noch ein gemeinsames Gespräch geplant. Ihm sei bewusst, dass der Vorfall zu intensiven Diskussionen in den Reihen der Jägerschaft geführt habe. Er bedaure das alles sehr.

Der übergroße Jagderfolg in diesem Jahr werde auf den dreijährigen Abschlussplan angerechnet, so dass in den kommenden Jahren in dem entsprechenden Revier weniger oder gar nicht gejagt werde.

Rehwild muss bejagt werden, um Wald eine Chance zu geben

Die Waldeckische Domanialverwaltung hat das zur Strecke gebrachte Wildfleisch wie üblich zur Veredelung an einen regionalen Metzger verkauft. Die regelmäßige Jagd auf Rehwild ist nötig, um Verbissschäden an nachwachsenden Bäumen zu begrenzen. Zu viel Rehwild verhindert die Naturverjüngung. (Elmar Schulten)

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