Leben wie in Familie

Brückenhof Nieder-Waroldern bietet seit über 30 Jahren Jugendhilfe auf dem Dorfe

Seit gut 30 Jahren ist der Brückenhof als Jugendhilfeinrichtung in Nieder-Waroldern ein fester Bestandteil im Dorfleben.
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Seit gut 30 Jahren ist der Brückenhof als Jugendhilfeinrichtung in Nieder-Waroldern ein fester Bestandteil im Dorfleben.

Am Ortsrand gelegen und doch mittendrin: Die Jugendhilfe-Einrichtung Brückenhof in Nieder-Waroldern ist seit über 30 Jahren voll integriert im Ort.

Twistetal-Niederwaroldern – Klaus Johansman, Geschäftsführer des Vereins Brückenhof, erinnert sich noch, wie offen die Bewohner den Einzug in die ehemalige Pension mit Pferdehof begleiteten - und wie er einmal mehrere Stunden für das Schneiden einer kurzen Hecke brauchte, weil Nachbarn wissbegierig fragten, was denn nun dort entstehen würde.

Inzwischen werden in drei stationären Gruppen acht Kinder und Jugendliche in dem idyllisch gelegenen Gebäudekomplex an der Dehringhäuser Straße in familiärem Rahmen betreut, sind weitere Wohngruppen in Korbach geschaffen worden, in denen Jugendliche auf ein eigenständiges Leben vorbereitet werden.

Eine weitere Wohngruppe ist in dem Naumburger Ortsteil eingerichtet worden. Schließlich begleitet die Sozialpädagogische Familienhilfe mit ambulant tätigen Sozialpädagogen Familien.

Jungen und Mädchen aus einem schwierigen familiären Umfeld, in denen Kommunikation und Beziehungen problematisch sind, Verhaltensauffälligkeiten, Suchtverhalten, Konflikte, Arbeitslosigkeit, Belastung durch Krankheiten oder finanzielle Schwierigkeiten ein Heranwachsen erschweren, sollen auf dem Brückenhof in stabilen und verlässlichen Strukturen begleitet werden.

Dazu sind Sozialpädagogen und staatlich anerkannte Erzieher im Einsatz. Die Kinder besuchen Regelschulen, können auf dem nahe gelegenen Sportplatz kicken und sind in Vereinen vor Ort integriert..

Die Jugendlichen werden eingebunden in die Organisation des Lebens auf dem Hof und bekommen über Gruppensprecher im Heimrat und in Sitzungen die Gelegenheit, über die Gestaltung der Zimmer oder das Essensangebot mitzureden. Die Nutzung von Playstations und Handys wird altersgemäß geregelt.

Bei Tagungen des Landesjugendamtes können die jungen Bewohner Kinder- und Jugendrechte erörtern, lernen aber auch ihre Pflichten kennen.

Die Eltern sind in die pädagogischen Konzepte eingebunden. Neben medizinischen und schulischen Belangen sind sie in den Hilfeplan involviert.

Ein oder zwei Wochenenden im Monat können die Kinder zu den Eltern fahren, wöchentliche Telefonate oder Ferienfahrten nach Hause bieten die Möglichkeit, unbeschwerter miteinander umzugehen und sich besser kennenzulernen.

Die Freundeskreise haben die Jugendlichen sich vielfach in der Region aufgebaut, dort gehen sie zur Schule und fangen sie später auch eine Ausbildung an.

Einmal im Jahr steht eine gemeinsame Reise der jungen Bewohner mit den Betreuern auf dem Programm, an der Gestaltung wirken die jungen Bewohner ebenfalls mit.

Ein Höhepunkt ist stets die Begegnung mit der Besatzung der Fregatte Hessen, die seit 14 Jahre eine Patenschaft mit dem Brückenhof pflegt. Marineangehörige kommen zur Weihnachtszeit nach Nieder-Waroldern. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch auf der Fregatte in Wilhelmshaven.

Ein Sportplatz grenzt an die Jugendhilfeeinrichtung Brückenhof in Nieder-Waroldern an.

Im vorigen Jahr waren die Nieder-Warolderner mit rund 500 weiteren Gästen auf dem Schiff mit seiner 250 Mann starken Besatzung. Auf der Nordsee verbrachten die Gäste einen erlebnisreichen Tag.

Für die Marine hat sich bisher keiner der jungen Bewohner nach der Zeit auf dem Brückenhof gemeldet. Indessen hat es aber zwischen einer pädagogischen Mitarbeiterin und einem Besatzungsmitglied der Hessen schon „gefunkt“ und ist eine Partnerschaft entstanden.

Nach Stationen in Ehringen und Landau übernahmen Klaus Johansmann und seine Mitstreiter 1987 den Brückenhof. Das leer stehende Gebäude mit Stallungen und Pensionszimmern wurde innen komplett umgebaut und präsentiert sich nun mit seiner Buche im Hof, einem Pavillon für kleine Feste und der schmucken Holztür am Haupthaus als Zielpunkt für Kinder und Jugendliche, die von Jugendämtern aus dem gesamten Bundesgebiet dem Team anvertraut werden.

Neben dem inzwischen in Rente gegangenen Geschäftsführer Johansmann leiten die Geschäftsführerin Jutta Knieling und die Pädagogische Leitung Ines Batteux die Einrichtungen.

Organisiert werden die Angebote unter der Regie des vor 25 Jahren gegründeten Vereins Jugendhilfe WaldeckFrankenberg und des seit 1981 bestehenden Vereins Brückenhof. (Von Armin Haß)

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