Geologen im Twister Bergwerksfeld unterwegs

Röntgenblick in den Twister Untergrund: Kupferexploration wie die Suche nach der Marmelade im Kuchen 

Kupferexploration auf den Feldern zwischen Twiste und Ober-Waroldern: An dem Hochleistungstransformator sitzt Paul-Benjamin Riedel von der Firma terratec aus Freiburg. Hinter ihm, in der roten Weste, der Geologe Dr. Michael Neumann und der Dipl.Ingenieur Peter Lausecker von der Bergbau Verwaltungs-GmbH Sachtleben aus Lennestadt.   

Twistetal. Die Ortsbezeichnung Kupferberg weist in die richtige Richtung: In einem Gebiet von 400 Quadratkilometern rund um Twiste vermuten Geologen Kupfervorkommen.

In diesen Tagen haben Experten auf abgeernteten Äckern in einem Dreieck zwischen Twiste, Berndorf und Ober-Waroldern mit der Exploration begonnen.

Vor Jahren noch wäre das Vorhaben allein aus Kostengründen gar nicht erst in Erwägung gezogen worden. Inzwischen aber sind die Rohstoffpreise weltweit explodiert. Der globale Boom von Elektromobilität und Digitalisierung verändert die Nachfrage nach Nichteisen-Metallen, Mineralien und seltenen Erden.

Deshalb hat die Twiste Copper GmbH mit Sitz im sauerländischen Lennestadt jetzt mit der Exploration des Bergwerksfeldes Twiste begonnen. Bereits 1864 wurde das Bergrecht auf Kupfererz von den damaligen staatlichen Autoritäten an die Rechtsvorgänger der Twister Copper GmbH verliehen und gelten bis heute fort.

Das Kupfer steckt in den  Schieferschichten

Ob sich tatsächlich Kupfererz tief unter der Erde der Gemeinde Twistetal befindet müssen die wissenschaftlichen Untersuchungen ergeben. 

Vor allem interessiert es die Geologen, in welcher Tiefe mit welchen Mengen zu rechnen ist, denn jeder Meter, der zum Abbau abgeteuft werden muss, verursacht enormen Aufwand und hohe Kosten. Abraum muss ausgebaggert, gelagert und verfüllt werden. Das will man vermeiden.

Die Chancen stehen nicht schlecht

Bis zu einer Tiefe von 250 bis 350 Metern könnte sich der Abbau lohnen, wenn die Kupferschiefer-Schichten nur mächtig genug sind und wenn der Kupfergehalt nur hoch genug ist. „Interessant wird es für uns ab einem Kupfergehalt von zwei Prozent“, macht Chefgeologe Dr. Michael Neumann deutlich.

Bei normalen Explorationsvorhaben rechne man mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:5000, dass sich am Ende der Voruntersuchungen das gesuchte Metall finde. Bei alldem, was über das Bergwerksfeld Twiste bekannt sei, könne man aber von einer Wahrscheinlichkeit von 1:500 bis 1:100 ausgehen. Das sei schon ziemlich gut.

Wie die Suche nach der Marmelade in der Sahnetorte

Das jetzt angelaufene Testprogramm nutzt geophysikalische Methoden, um Anomalien im Boden zu finden. Dipl.-Ing. Peter Lausecker von derSachtleben Bergbau Verwaltungs-GmbH in Lennestadt vergleicht die Arbeiten mit der Suche nach einem Klecks Himbeermarmelade in einer großen Sahnetorte.

 Dabei steht die Himbeermarmelade für den Kupferschiefer. Bei den geophysikalischen Untersuchungsarbeiten handelt es sich um geoelektrische Verfahren, die von der Erdoberfläche aus angewandt werden und bei denen nicht in den Untergrund eingegriffen wird. Dabei wird zum einen der Widerstand der Gesteine in der Tiefe gemessen und mit geoelektrische Tomografie hochauflösende Schichtbilder des Untergrunds erzeugt werden.  Diese ergeben Hinweise auf die Geologie im Untergrund und auf die gesuchte „Himbeermarmelade“.

Messsonden auf den Äckern ausgelegt

Als zweite Methode kommen elektromagnetische Messungen zum Einsatz. Dabei werden Magnetfelder im Untergrund erzeugt und deren Abklingen gemessen, das jeweils typisch für bestimmte Gesteinsschichten ist. Beide Methoden zusammen ergeben dann ein Bild des geologischen Aufbaus der Erdschichten bis etwa 300 Meter Tiefe.

 Um die Messungen ausführen zu können werden derzeit Kabel und Messsonden entlang von zwei rund 1,5 Kilometer langen Messlinien auf den Feldern südlich von Twiste ausgelegt. Mitarbeiter der Firma terratec Geophysical Services aus Heitersheim bei Freiburg führen die Messungen aus.

Dazu werden jeweils für wenige Sekunden Stromimpulse von zwei bis drei Ampere bei Spannungen von 2000 bis 3000 Volt durch die Leitungen gejagt. Die Messpunkte nehmen die Rückflüsse auf und werten die Ergebnisse der induzierten Polarisation aus. Am Ende lassen sich am Computer bunte Schnittbilder erzeugen, die denen aus dem Computertomografen im Krankenhaus ähneln. 

Unterstützung von den Landeigentümern

„Die Auswertung, fachliche Interpretation und Diskussion der Messungen im Expertenteam wird danach einige Wochen in Anspruch nehmen. Auf Basis dieser Ergebnisse wird dann über eine mögliche Fortsetzung der Exploration im Großraum Twiste entschieden“, stellt Peter Lausecker von der Twiste Copper GmbH fest. 

Die Arbeiten wurden der zuständigen Bergbehörde beim Regierungspräsidium in Kassel angezeigt und mit der Naturschutzbehörde abgestimmt. Auch die Grundstückseigentümer wurden informiert und um ihre Zustimmung gebeten. 

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