Interview mit Ludwig Paul

Ehrenamtlicher Mitarbeiter aus Twiste beim Kinder- und Jugendhospizdienst

Ludwig Paul aus Twiste ist ehrenamtlich für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst mit Sitz in Fritzlar im Einsatz.
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Ludwig Paul aus Twiste ist ehrenamtlich für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst mit Sitz in Fritzlar im Einsatz.

Im WLZ-Montagsinterview berichtet Ludwig Paul aus Twiste über seinen ehrenamtlichen Einsatz beim Kinder- und Jugendhospizdienst.

Twiste/Niedenstein – Weil er in seiner Freizeit eine sinnvolle Aufgabe suchte, stieß Ludwig Paul aus Twiste auf den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst am Standort Fritzlar. Er absolvierte dort vor einem Jahr einen Ausbildungskurs und begleitet nun den 18-jährigen Paul Dettmar aus Niedenstein-Metze, der an einer lebensverkürzenden Erkrankung leidet.

Zum internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember stellen wir Ludwig Paul und seine Arbeit vor.

Herr Paul, Sie sind seit ein paar Monaten ehrenamtlich für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst tätig. Warum haben Sie sich für diese Aufgabe entschieden?

Ludwig Paul: Die Zeit war reif. Ich habe mir immer vorgenommen, dass ich mich ehrenamtlich engagiere, dass ich mich um Menschen kümmern will. Ich bin zwar immer noch berufstätig, aber das kann ich mir einteilen. Und jetzt bin ich dienstags eben bei meinem jungen Freund Paul Dettmar in Metze.

Warum gerade eine so anspruchsvolle, fordernde Tätigkeit wie den Kinder- und Jugendhospizdienst, die auch mit Tod und Trauer verbunden ist?

Der Tod gehört zum Leben. Meine Frau und ich sprechen darüber und versuchen damit offen umzugehen. Deshalb habe ich da keine Berührungsängste.

Wie sind Sie auf den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst gekommen?

Ich habe irgendwann einen Artikel in der Zeitung gelesen. Der klang interessant. Und ich habe Kontakt zu der Koordinatorin Birgitta Priester aufgenommen.

Was folgte dann?

Ein sehr umfangreicher, intensiver Befähigungskurs, der wegen Corona leider online stattfinden musste. Das ging schon sehr in die Tiefe und war beeindruckend. Tod und Trauer spielen natürlich auch eine Rolle, aber nicht nur. Wir begleiten die Kinder ja erst einmal im Leben. Wir schenken ihnen Zeit und Freude und versuchen sie zu fördern. Außerdem kümmern wir uns auf Wunsch auch um die Geschwisterkinder und entlasten die Familien.

Inzwischen begleiten Sie einen jungen Mann in einer Familie in Metze. Wie sieht die Tätigkeit aus?

Schon in kurzer Zeit ist da eine sehr harmonische Beziehung entstanden. Wir kommen sehr gut aus. Nach einer fröhlichen Begrüßung erklärt mir Paul seinen Tag. Dazu hat er eine Art Buzzer, mit dem er ein elektronisches Gerät startet, und wir hören, was seine Lehrerin in Bad Arolsen aufgesprochen hat. Sie berichtet, was er alles gemacht hat. Da ist er sehr stolz drauf.

Was machen Sie sonst noch?

Wir erzählen uns viel, wir basteln und malen. Er liebt Ampeln und Bücher. Die müssen natürlich für seinen Grad der Einschränkungen geeignet sein.

Wie lange sind Sie in der Familie?

Etwa zwei bis zweieinhalb Stunden.

Sie haben zwischen ihrem Zuhause und Metze ja auch eine ordentliche Strecke zu fahren.

Es sind etwa 45 Kilometer. Ich teile mir die Begleitung übrigens mit einer Kollegin des Dienstes, die an einem anderen Wochentag kommt.

Welche Rolle spielt die Erkrankung des Jungen bei den Besuchen?

Wir sind ein Team und lösen schwierige Aufgaben dann eben gemeinsam. Wir sind ganz im Hier und Jetzt und versuchen, den Moment schön zu gestalten. Tod und Trauer sind also nicht ständige Begleiter, wie man meinen könnte.

Wie sind die Eltern eingebunden?

Die Eltern leisten schon Gewaltiges. Der Vater bringt den Jungen jeden Morgen nach Bad Arolsen zur Schule und holt ihn am Nachmittag wieder ab. Und auch zu Hause dreht sich das ganze Leben der Eltern um ihn.

Bedeutet es eine Entlastung, wenn der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst kommt?

Ganz sicher. Die Mutter kann mal durchatmen, mal zum Einkaufen fahren, zur Nachbarin auf einen Kaffee vorbeigehen oder sich einfach mal hinlegen. Der Junge ist schon sehr aktiv, er hat sehr viel Energie.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie nach der Begleitung wieder nach Hause fahren?

Intensive Gedanken. Ich empfinde dann oft eine große Demut und auch Dankbarkeit, dass es mir und meiner Frau gut geht. Und natürlich beschäftigt einen auch die Gesamtsituation, und da braucht man Unterstützung bei der Verarbeitung. Dafür gibt es einen regelmäßigen Austausch mit den Koordinatorinnen und anderen Kollegen und Supervisionen.

Klingt, als wäre die Tätigkeit auch erfüllend und bereichernd. Ist das so?

Ja, ganz sicher! Es kommt etwas was zurück, woraus man ganz persönlich schöpfen kann.

Wie ist man im Kinder- und Jugendhospizdienst mit diesen Themen aufgehoben?

Ich fühle mich sehr gut aufgehoben, beispielsweise in den Supervisionen. Das ist auch nötig, um das Erlebte gemeinsam aufarbeiten zu können. Man profitiert auch von den Erfahrungen der anderen in unserer Gruppe.

Was muss man mitbringen für diese Tätigkeit?

Es gibt keine speziellen Voraussetzungen oder Vorkenntnisse, man sollte aber aufgeschlossen und emphatisch sein.

Was sagen Freunde und Bekannte, wenn Sie von Ihrem Ehrenamt erzählen?

Viele sagen, ich könnte das nicht, wenn sie den Begriff Hospizdienst hören. Aber es geht eben nicht nur um Tod und Trauer, sondern in erster Linie um die Lebenszeit der Kinder. Wir möchten einfach für sie da sein und ihnen schöne Zeit schenken.

Der Hospizdienst

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst möchte an der Seite von Familien mit einem lebensverkürzend erkrankten Kind stehen. Das schließt eine Entlastung der Eltern und Angebote für Geschwisterkinder ein. Im Mittelpunkt stehen die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder und der Familie, so der Sprecher Heinz Rohde.

Getragen wird die Arbeit überwiegend von ehrenamtlichen Mitarbeitern wie Ludwig Paul aus Twiste. Kinder mit einer lebensverkürzenden Erkrankung erreichen oft nicht das Erwachsenenalter. Die Themen Tod und Trauer nehmen daher einen breiten Raum ein. Es geht aber auch darum, den Kindern und Jugendlichen eine erfüllte Lebenszeit zu schenken und sie nach Kräften zu fördern.

Die Finanzierung

Der Dienst finanziert sich überwiegend aus Spenden. Für die betroffenen Familien ist das Angebot kostenfrei.

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst in Fritzlar gehört zum Deutschen Kinderhospizverein (DKHV). Seit der Eröffnung im Mai 2019 wird die Arbeit im Schwalm-Eder-Kreis und im Landkreis Waldeck-Frankenberg vom Büro in Fritzlar aus koordiniert. 25 ehrenamtlich tätige Frauen und Männer stehen bereit.

Sie werden betreut

Zurzeit werden in acht Familien kranke Kinder oder deren Geschwister begleitet. Neben der Begleitung der Familien im häuslichen Umfeld organisiert der Dienst Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs für die betroffenen Familien, wie etwa Sommerfeste und einen Geschwistertreff.

Die Ehrenamtlichen werden in 70 Stunden umfassenden Schulungen und weiteren 20 Stunden Aufbaukursen auf ihre Einsätze vorbereitet.

Das Familienbild zeigt Paul Dettmar mit seinen Eltern, Anke und Georg Dettmar. Der Junge wird von Ludwig Paul vom Jugend- und Kinderhospizdienst betreut.

Der Aufwand, ein Büro als Anlaufstelle zu unterhalten, Fahrtkosten, Hygieneartikel und die Weiterbildung der Mitarbeiter werden zu großen Teilen durch Spenden finanziert.

Die Einsätze in der Pandemie

Die Corona-Krise hat die Arbeit zwar beeinträchtigt, aber nicht zum Erliegen gebracht. Unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts werden wieder Kinder und Familien besucht, und es finden interne Veranstaltungen statt.

Koordinatorinnen des Dienstes in Fritzlar sind Birgitta Priester und Nadja Jäger. Heinz Rohde ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und Manuela Starke organisiert ehrenamtlich das Büro.


Kontakt: Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst,

Am Hospital 11, 34560 Fritzlar Tel.: 05622 / 919499-0, Fax: 05622 / 919499-2, Mobil: 01 60 / 93 43 11 05

Bürozeit ist mittwochs von 9 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung. E-Mail: birgitta.priester@deutscher-kinderhospizverein.de

Internet: www.akhd-fritzlar.de und www.deutscher-kinderhospizverein.de

Mail: fritzlar@deutscher-kinderhospizverein.de

Spenden für den Kinderhospizdienst auf das Konto bei der Kreissparkasse Schwalm-Eder: IBAN: DE46 5205 2154 0110 2166 45 (Heinz Rohde / Armin Haß)

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